… und darum bin ich fett!

Mein Bauch und ich — wir mögen uns nicht, aber wir schleppen uns gemeinsam durchs Leben, gezwungenermaßen. Wenn man tagsüber viel auf Achse ist und das dann auch noch bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius, so wie bei unserem jüngsten London-Trip, dann gelange ich relativ flott an meine körperlichen Grenzen.

Und wenn man wieder mal diesen merkwürdigen Zustand erreicht hat — irgendwo zwischen Alkoholrausch und Erschöpfungsohnmacht — dann fasst man ihn wieder ins Auge, den immer gleichen Plan: Du musst abnehmen! Darin bin ich wirklich gut, denn in den letzten 12 Monaten habe ich mindestens zehn mal eine solche Diät angefangen. Aber wer mitgerechnet hat, weiß es bereits: Ich halte sie nicht lange durch.

Eigentlich will ich jetzt gar nicht lange drumherum labern. Im Grunde weiß man ja, was zu tun ist: Weniger essen, bewusster und gesünder essen, mehr bewegen. Das funktioniert — kurz vor diversen Fress-Eskalationen bekomme ich es ja immer wieder mal hin, sehr flott 10 Kilo abzunehmen. Man müsste also nur dran bleiben.

Dann passieren aber wieder irgendwelche Dinge, bei denen ich mir selbst immer wieder sensationelle Erklärungen liefere, wieso gerade jetzt eine Diät Quatsch ist:

  • Ein Wochenende beim besten Freund und kurz danach noch dieses Tech-Event? Okay, da wird wieder so viel gegessen und getrunken, da lohnt es nicht, sich den einen Tag dazwischen wirklich gesund zu ernähren.
  • Der Kühlschrank ist leer oder man hat zu lange gearbeitet, um jetzt noch lange kochen zu wollen? Okay, dann bestelle ich mal flott was zu essen. Man kann sich ja ruhig für was gesun… HUI, PIZZA!!!
  • Man kommt aus dem Urlaub, in dem man sich sehr unvernünftig ernährt hat und sagt sich: Nach einem Tag „Puffer“, den man nochmal richtig reinhauen möchte, beginnt die Diät – ganz wirklich jetzt, ja echt!

Das sind nur drei Beispiele von vielen, mit denen mich mein Gehirn immer wieder zufriedenstellt — mein Spatzenhirn und mein gefräßiger Supermagen sind ein kongeniales Team, wenn es darum geht, eine vernünftige Nahrungsaufnahme zu vermeiden.

Am letzten Punkt will ich euch jetzt jedenfalls erklären, wieso die „meine Diät startet nach einem Tag Puffer am Dienstag“-Mission vorerst gescheitert ist und daraus ableitend erklärt sich dann auch fast schon die Headline des Artikels von selbst 😉

Es war ein London-Wochenende angesagt: Viele tolle Freunde, ein Festival, auf dem The Cure auftraten, viele Getränke, viel Sonne und halt eben noch diese wundervolle Stadt. Klar, dass man es da wieder krachen lässt. Alles in allem hab ich trotzdem sogar ein Kilo in London abgenommen (kein Wunder, wenn die verf***te Chicken-Bude mir Reis statt der gewünschten Pommes andreht, aber dazu ein anderes mal vermutlich mehr).

Zuhause angekommen ließ ich mich durch das abgenommene Kilo nicht beirren. Schließlich habe ich ja vorher beschlossen, dass ich es an dem Montag noch ein letztes Mal krachen lasse, also sollten es Burger sein. Ich trauere übrigens immer noch der McDonald’s „Burger-Party“ nach, bei der es acht Burger für schlankes Geld gab. Unverschämtheit, die aus dem Programm zu nehmen!!

Vermutlich immer noch aus dieser Wut auf McDonald’s und dem Wunsch, ein paar köstlich-pappige Fast Food-Burger zu verdrücken, entschied ich mich für Burger King. Okay, seien wir ehrlich: Aus den genannten Gründen und weil ich weiß, dass die beiden Burger-Buden meistens deutlich schneller ausliefern, als Pizzerien oder andere Restaurants.

Der erste Dämpfer: Nachdem ich sonst oft nur 15 Minuten warten musste auf meine Burger King-Lieferung, war dieses mal eine Dreiviertelstunde angesagt worden. Egal, Drees — Du stehst das durch. Es dauerte sogar noch ein wenig länger, so dass der Fahrer etwa nach einer Stunde vor meiner Tür stand. Ich hatte mich für ein Menü entschieden mit insgesamt vier Burgern und 20 Chicken Nuggets. (Ja, ihr Schweine – ich weiß selbst, dass das viel ist für eine Person). Der Plan: Die Burger kloppe ich mir direkt rein, die Nuggets quasi als Frühstück am nächsten Tag. Rückblickend kann man durchaus den Logikfehler erwähnen, dass ich EINEN Puffer-Tag einkalkuliere und mir dann so viel zu essen bestelle, dass ich für den nächsten Tag noch etwas übrig behalte.

Letzten Endes ist es aber nur eine weitere Masche meines Unterbewusstseins, mich von einer Diät abzuhalten. Jedenfalls steht der BK-Kollege vor der Tür, kramt in seiner Box und übergibt mir neben meiner Tüte auch zwei Flaschen Cola. Das macht mich skeptisch, da ich der Meinung war, dass ich keine Getränke bei meinem Menü dabei hatte. Kurz nachgefragt: Jau, alles richtig so, bestätigt mir der Liefer-Mensch. Ich drücke ihm ein Trinkgeld in die Hand, schließe die Tür und freue mich auf mein Essen.

Spätestens, als mir Pommes-Duft in die Nase steigt, werde ich erneut skeptisch. Die habe ich nämlich auch nicht bestellt. Kurz mal gecheckt, was überhaupt in der Tüte ist: Zwei Burger, die ich nicht wollte, zwei Pommes, die ich nicht wollte und 9 statt 20 Chicken Nuggets, die aber dafür mit anderen Saucen, als ich sie gerne gehabt hätte.

Der Blick auf die Tüte und den dort befestigten Bon verrät mir, dass der Fahrer nichts falsch gemacht hat: Auf dem Bon steht nämlich genau meine Bestellung und mein Name — sie war halt leider nur nicht in der Tüte. Ebenso hungrig wie verärgert rufe ich bei Burger King an. Mittlerweile war dort aber niemand mehr zu erreichen und so begannen ein paar merkwürdige Minuten.

Ich schwankte nämlich jetzt zwischen: „Esse ich den Scheiß, den ich eigentlich nicht haben wollte, einfach nur aus dem Grund, dass ich schrecklichen Kohldampf habe?“ und „Warte ich noch ein paar Minütchen, weil der Fehler vielleicht flott bemerkt wird und schon bald der Fahrer mit einer Entschuldigung und dem richtigen Essen vor der Tür steht?“

Ich wartete in der Tat ein paar Minuten. Okay, ich esse schon mal ein paar Pommes. Ah cool, immerhin ist auch Mayo dabei. Kurze Zeit später waren die Pommes alle — beide — und der Crispy Chicken Burger war auch weg. Die Nuggets sowieso und na ja, der Whopper dann auch. Übrig waren noch zwei Cola und mein Ärger, dass man mir komplett verkehrtes Essen gebracht hat.

Dem Arschloch-Pärchen, dessen „Couple Bundle“ ich fälschlicherweise erhalten habe, wünschte ich, dass sie mit meinem „Party Bundle“ ebenso unglücklich waren und sie zudem ihre Getränke schmerzlich vermissten. Ein wenig wütend, ein bisschen traurig, aber immerhin auch satt ging ich dann einige Stunden später ins Bett.

Der nächste Morgen begann dann ungefähr so, wie ich mir das eigentlich für meinen Diät-Tag 1 ausgemalt hatte: Zum Frühstück gab es einen Becher Quark und eine Banane. Später fiel mir dann aber das Vorabend-Debakel wieder ein. Ich hatte nachts noch den Support der Liefer-Plattform angeschrieben und hatte mittlerweile eine automatisierte Antwort erhalten. Drin stand sinngemäß sowas wie: „Jau, Beschwerde is angekommen, kann noch was dauern. Falls es um eine Falschlieferung geht, biste besser dran, wenn Du Dich da direkt meldest“.

Okay – rufe ich eben nochmal an dort. Mittlerweile war es etwa 16 Uhr nachmittags und ich spielte schon lange mit dem Gedanken, mir jetzt langsam mal was zu essen zu zaubern. Erst aber noch flott da anrufen – wegen Rückerstattung und so. Witzigerweise sagte mir der Mensch am anderen Ende der Leitung sowas wie: „Wie viel soll das gekostet haben? 17,99 Euro? Ich hab den ganzen Tag überprüft – so eine Summe wurde nicht ein einziges mal bezahlt“.

Ich erzählte ihm dann, dass das vermutlich der verrückteste Zufall der jüngeren Burger King-Geschichte ist, denn in dem Fall hätte ich anscheinend nichts bestellt, sondern nur drüber nachgedacht, wie gerne ich was essen würde – und eine Stunde später steht dann aus heiterem Himmel ein BK-Fahrer vor der Tür. Meine Logik überzeugte ihn augenscheinlich, denn jetzt fiel ihm auf, dass er mal die Kunden überprüfen könnte, die per PayPal bezahlt haben.

Eigentlich will ich dem Kollegen auch gar nichts Böses. Tatsächlich war er nämlich sehr freundlich und hilfsbereit. Ich schilderte ihm, dass ich komplett verkehrte Produkte erhalten hatte und mich über eine Rückerstattung freuen würde. Er hörte aber anscheinend nur mit einem halben Ohr zu und fragte mich: „Wann sollen wir ihnen das Menü denn vorbei bringen? Jetzt sofort oder erst zu der selben Zeit, zu der sie es gestern haben wollten?

„Äh, also wollen sie das jetzt heute vorbei bringen?“

„Ja, selbstverständlich – oder spricht da was gegen?“

„Hmm, schon – zum Beispiel, dass ich auf dieses Essen ja gestern Hunger hatte und nicht heute“

„Ach so – wir könnten es ihnen aber jetzt direkt losschicken, oder zu einer gewünschten Uhrzeit …“

„Weisse was? Karr ran!“

„Sofort?“

„Jasicha“

In der Tat war der Fahrer dann deutlich schneller da als am Vortag und brachte mir all das, was ich mir bereits am Vorabend gewünscht habe. Nicht nur, dass ich damit ein — wenn auch nicht gewünschtes — Gratis-Essen gestern hatte: Die Schweine haben nämlich als Entschuldigung auch noch einen Brownie dazu gepackt.

Und weil ich ja nicht den gleichen logistischen Fehler des Vorabends wiederholen wollte, also das Aufbewahren der Nuggets bis zum darauffolgenden Tag, hab ich mir den ganzen Spaß heute schon reingeknuspert. Inklusive der unverschämt köstlichen Schokoladen-Sauerei, die mir die Jungs mitgeschickt haben.

Jetzt ist es ein Uhr nachts und eigentlich bin ich schon wieder ein bisschen hungrig. Vielleicht esse ich noch ein klitzekleines Banänchen. Und dann geht sie endlich los, die gefühlt 5. Diät des Jahres. Bis in zwei Wochen müssen ein paar Kilos runter, denn danach sehe ich für die Diät wieder schwarz: Dann geht es nach Berlin — Konzerte, Parties, Freunde, Alkohol, dies das. Und ihr wisst ja, dass das den ziemlich sicheren Tod meiner aktuellen Diät bedeutet. Aber hey: Direkt danach fange ich sicher eine ganz seriöse Diät an! … also nicht direkt nach Berlin, da ist erst noch das Amphi-Festival — aber dann ganz sicher!