Schönen Gruß, auf Wiederseh’n
Mit „Trink aus, wir müssen gehen“ haben die Toten Hosen ein neues Album veröffentlicht. So weit, so unspektakulär. Es ist allerdings ein besonderes Album: Es ist als ihr letztes Studio-Album angekündigt und kommt zudem mit einemn Bonus-Album. Auf dem Bonus-Album melden sich zahlreiche Wegbegleiter zu Wort und stimmen ihre Songs zusammen mit Campino an.
Ich dachte mir heute morgen, dass ich mal reinhöre, und wsa soll ich sagen: Das erste Lied singt tatsächlich Farin Urlaub, der im Song u.a. ein paar alte Alben der Hosen aufzählt. Ich bin direkt in so ein übles Nostalgie-Loch gestolpert. Deswegen muss ich auch zugeben, dass ich nur vereinzelte Songs bislang gehört habe vom neuen Album – dafür laufen die alten Scheiben den ganzen Tag rauf und runter.
Während ich diese Zeilen tippe, läuft auch das legendäre Album „Opel-Gang“. Neben dem Titel-Track gibt es da noch so ein paar Klassiker drauf wie „Willi muss ins Heim“, „Reisefieber“, „Bis zum bitteren Ende“ und viele mehr. Es ploppten direkt bei den ersten Songs unzählige Erinnerungen auf. Beim Titel „Allein vor deinem Haus oder Dein Vater der Boxer“ musste ich spontan an den Spruch „Dein Vater der Hammerwerfer“ denken. Bei den Trink-Sessions mit Schrä und Beiny gab es nicht nur das gute Kronen Pils, sondern auch oft Hosen auf die Ohren. Und irgendwie ist da der Begriff „Dein Vater der Hammerwerfer“ entstanden. Keine Ahnung mehr, wie es dazu kam 😀
Hach ja, Beiny und Schrä. Wie oft haben wir zusammen abgehangen damals … gute Zeiten einfach. Oft sind wir auch einfach rumgecruist. Das bedeutete meistens, dass wir in Beinys Auto durch die Gegend gefahren sind, immer ohne festes Ziel. Verdammt, was war das denn für ne Karre? Kann nicht mehr sagen, ob das ein “Kadett“ war oder ein „Ascona“ – aber die Farbe weiß ich noch, weil Beiny da wirklich wert drauf legte: Zitronenfaltergelb ^^

Beim Herumfahren hörten wir auch viel Hosen natürlich. Das müssen die Zeiten gewesen sein, als „Bis zum bitteren Ende“ erschien. Beim Herumfahren waren wir übrigens alle nüchtern. Als Verpflegung waren nur Süßigkeiten und Softdrinks erlaubt. Glaub, ich kann mich nur an eine schlimme Fahrt erinnern, bei der wir alle besoffen im Auto saßen. Aber das war auch kieine weite Strecke, nur mal flott in Kamen-Heeren zum Kiosk fahren. Ich erinnere mich noch, dass wir zu sechst einen Spieleabend bei Schrä veranstaltet haben. Damit uns nicht der Durst fertig macht, haben wir fünf Kisten bier rangeholt. Holly hat sich zudem ne Pulle Genever in die Birne geknallt, die ihn auch flott zerlegt hat. Ich überlege gerade, wer noch dabei war außer uns vieren. Der Freis? Oder der Einy? Weiß nicht mehr, ehrlich gesagt .
Wir waren uns jedenfalls schnell einig: Sollten wir das wirklich alles wegsaufen, dann melden wir uns Montag gemeinsam beim Blauen Kreuz an. Als irgendwann tatsächlich alles weg war, taten wir dann aber folgendes: Wir kratzten unser Geld zusammen und beschlossen, noch flott Bier zu kaufen. Beiny saß hinterm Steuer, Schrä auf dem Beifahrersitz übernahm das Schalten und ich saß hinten und sagte an, wo es lang geht, weil Beiny einfach auch nicht mehr richtig gut Gucken konnte 😀 Meine Güte, gut, dass das alles verjährt ist.
Hosen Live – immer sensationell
Bevor ich jetzt weiter Interna ausplaudere und mir den Zorn der Jungs zuziehe, wechsel ich mal lieber das Thema: Live-Konzerte der Hosen! Ich meine, ich hab sie zwei oder drei mal in Dortmund in der Westfalenhalle gesehen. Verrückt, dass ich mich da nicht mal einigermaßen an die Jahre erinnern kann ^^ Ich würde es grob auf 1991-2001 eingrenzen wollen, glaub ich. Auch beim 1000. Konzert der Hosen in Düsseldorf war ich dabei. Es sollte so ein grandioser Tag werden: Als Vorgruppen waren die Leningrad Cowboys und Bad Religion am Start. Außerdem waren die Hosen als „Die Roten Rosen“ ihre eigene Vorgruppe.
Damals gab es bei den Konzerten in Innenräumen noch keine Wellenbrecher und so wurde immer sehr viel wiild hin und gedrückt. Campino musste ssehr früh immer wieder dazu auffordern, dass die Fans im Innenraum ein paar Schritte nach hinten gehen. Weil wir keine anderen Karten mehr bekamen und meine Begleitung – Holger – gesundheitlich angeschlagen war, saßen wir auf dem Rang. Vielleicht zum Glück, denn schließlich sollte bei diesem Konzert ja leider ein junges niederländisches Mädchen sterben. Wir merkten es irgendwie nur durch die dringlichen Ansagen Campinos, dass da was schiefläuft. Später fiel uns auf, dass die Setlist plötzlich sehr getragen daherkam. Die Hosen überlegten, ob sie wirklich weiterspielen wollen, ließen siuch dann aber von der Polizei dazu überreden, durchzuziehen, um eine Massenpanik zu vermeiden.
Spaßiger waren im Vergleich dazu die Dortmunder Konzerte. Ich erinnere mich an eine Szene, die so typisch Beiny ist, dass ich sie heute noch gerne erinnere und erzähle: Wir waren ganz vorne im Pogo-Mob – damals gaben unsere geschundenen Leiber das noch her. Beiny machte sich dann auf dem Weg, Bier zu holen. Der Teufelskerl boxte sich durch die Massen und kam einige Minuten später tatsächlich mit vier großen Bechern des flüssigen Golds angerauscht. Und was macht der Verrückte? Drückt mir zwei Bier in die Hand, sagt sowas wie „Halt mal kurz“ – und dann schmeißt er die anderen beiden randvollen, großen Becher mit einem „Das hier ist für Euch“ in die Pogo-Menge. Meine Güte, Beiny! 😀

Nicht wirklich „live“ sahen wir sie auch bei Peters Pop Show, jenes damals jährliche Spektakel, bei dem wir ja allein schon wegen den meist ebenfalls anwesenden Depeche Mode aufkreuzen mussten. Ich müsste noch ein Foto von den Proben haben, als Campino an mir vorbeilief. Ich rief ihn, drückte kurz mit meiner Knipskiste ab und das war’s. Später hingen wir dann neben der Westfalenhalle herum, tranken ein Bierchen und hörten in unserer Nähe lautes Lachen. Wir schauten dann natürlich, was da los ist und fanden oben abgebildete Herrschaften vor.
Ein Mensch von der Bravo wollte uns direkt verscheuchen. „Wisst ihr, was wir dafür zahlen, dass wir hier Fotos machen können?“ Nee, wusste ich nicht, interessierte mich aber auch nicht. Ich fragte die Band, ob es okay ist, dass ich auch mal kurz abdrücke und so entstand dieses Bild. Ich feiere es bis heute, dass auf dem dann später veröffentlichten Bravo-Poster nicht alle Hosen in die Kamera glotzen, sondern rüber zu uns.
Komm, weil morgen der 30. Mai ist, kann man mal in diesen Song reinhören:
Wie gesagt: Es hängen so, so viele schöne Erinnerungen an den alten Songs. Das legendäre Video 3 Akkorde für ein Halleluja haben wir damals so oft geglotzt, dass man die Stellen auswendig mitsprechen konnte. Vor allem die Parts von Fahrer Faust, der leider auch schon verstorben ist. So mancher Satz aus dem Film fand damals den Weg in unseren täglichen Sprachgebrauch. Beispielsweise „Die Grundsatzdiskussion: Ist das noch Punk?“ nutzten wir wohl öfter mal. 😀
Auch mit meinem Lieblings-Düsseldorfter Zoni gab es schon so manch schönen Moment, wo wir die Songs zelebriert haben – teils sogar mit Beiny zusammen. Glaube, ich könnte noch ewig in den Erinnerungen schwelgen, aber ich bin ja nach wie vor mitten im Umzug und muss gleich rüber in die neue Bude. Aber auf dem Weg gibt es bestimmt nochmal ein paar alte Nummern der Hosen auf die Ohren, die mich daran erinnern, wie wir uns damals echt so ein paar Jahre auch so ein klitzekleines bisschen rebellisch gefühlt haben. 😀
Aber hey: Spätestens morgen höre ich dann mal das komplette neue Album durch und bin sicher, dass ich dann da mit einer Träne im Knopfloch sitze und an die guten, alten Songs denke, an die verrückten Zeiten und wohl auch daran, dass immer mehr derjenigen, die den Soundtrack unseres Lebens verantworten, langsam auf der Zielgeraden unterwegs sind.
Im Sommer sehe ich sie noch einmal live Vielleicht sollte ich mich ein klein wenig in Form bringen – ein letztes Mal Fettsau-Pogo zu den Hosen, das wär’s doch …
Artikelbild: Ja, natürlich habe ich mich wieder mal per KI in ein Hosen-Bild gezaubert. Irgendwann fliegt mir der Scheiß bestimmt so um die Ohren ^^