Das Schnappen nach Luft

Gerade war ich wieder in Dortmund unterwegs. Wie immer auf Achse auf einer meiner nächtlichen Runden, um meine tägliche Schrittzahl voll und meine Birne freizubekommen. Das klappt mal gut, mal nicht so gut — also das mit der Birne. Heute und gestern war es sogar recht einfach, den inneren Schweinehund zu besiegen, der mir einzureden versucht ,dass Netflix und Couch durchaus das attraktivere Angebot sein könnten, statt draußen durch die Nacht zu flitzen.

Aber ich bin gestern erst aus London nach Hause gekommen. Nach solchen Trips läuft es sich irgendwie wie von selbst. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber ich mag es so sehr, in der Weltgeschichte unterwegs zu sein, dass ich danach wie beflügelt durch die eigene Provinz marschiere mit dem guten Gefühl, dass es da draußen so viel mehr zu sehen gibt als nur die immer gleichen Häuserblocks, um die ich hier flitze.

Tja, London. Wie lange hab ich mich auf diesen Trip gefreut und jetzt ist er schon wieder Geschichte. Ärzte-Tour — eine Band, die mich schon seit weit mehr als 30 Jahre begleitet und die ich auch schon seit über 30 Jahren nicht mehr live gesehen hatte. Jetzt dann gleich der Doppelpack: Erst Amsterdam und dann eben London. Die Ärzte in London — fast zu schön, um wahr zu sein. Und dazu noch sechs Tage in dieser, meiner absoluten Lieblingsstadt und das zudem auch mit einigen meiner allerbesten Freunde.

Mit Szapi war ich schon in Amsterdam am Start, ebenso Leonie. In London gesellten sich dann noch Agar, Astrid und Ohst hinzu und komplettierten unsere „Lustige Astronauten“-Gruppe. Der Haken an so tollen Freunden, die man leider nicht so oft sieht, wie man es gerne hätte: Die Zeit rennt förmlich an einem vorbei und so sitze ich jetzt hier wieder allein in Dortmund, schwelge in Erinnerungen, schaue mir die Fotos an und erfreue mich der Gewissheit, doch noch ein Herz zu besitzen.

Das merke ich nämlich daran, dass es so wehtut angesichts der Tatsache, dass diese wundervolle Zeit vorbei ist und ich die Menschen so schnell nicht wieder zu sehen bekomme, schon gar nicht in dieser so großartigen Kombination. Auch in London bemerkte ich, dass da noch ein intaktes Herz in meiner Brust sitzt. Als ich nämlich erstmals seit letztem Jahr wieder Camden Town betrat und es sich so anfühlte, als schlägt mein Herz vor Glück so laut, dass sich selbst in diesem so lauten Stadtteil alle genervt nach einem umdrehen müssten.

Ich glaube, wir waren tatsächlich so ziemlich jeden Tag in Camden Town. Fast fühlte es sich schon ein bisschen wie Routine, ein bisschen wie „zuhause“ an, aber nur fast. Natürlich haben wir genügend andere Ecken in London gesehen. Manche Dinge wie die Tower Bridge, den Buckingham Palace, Chinatown oder Trafalgar Square hat man schon eine Million Mal gesehen, aber ich bin dennoch immer wieder gerne dort. Aber es gab auch für mich Neues zu bestaunen — dank Astrids Anregung landeten wir beispielsweise zum ersten Mal auf dem Parliament Hill, von dem aus man eine wirklich schöne Sicht auf London hat.

Ich denke, ich werde noch einen ausführlichen Artikel schreiben über den London-Trip oder über den kombinierten Ärzte-Miles-and-More-Trip. Kann aber auch sein, dass das nur wieder eine meiner furiosen Artikel-Ankündigungen ist, auf die viel zu selten ein tatsächlicher Artikel folgt. Sorry an dieser Stelle mal wieder an Szapi, der für mich das Blog bei hostix.de angelegt hat und aktuell hält. Ich gelobe — wieder mal — Besserung, mein Lieber!

Im Grunde wollte ich mich hier heute nur mal kurz zu Wort melden, weil ich das in letzter Zeit einfach zu selten tue. Das gilt nicht nur für dieses Blog hier, sondern eigentlich für alle Kanäle, auf denen ich anzutreffen bzw. über die ich zu erreichen bin. Die letzte Zeit hat mir übel mitgespielt — den Gag, dass mich wenigstens das Leben fickt, verkneife ich mir an dieser Stelle einfach mal.

Wenn ich mich hier mit meinen Problemen herumplage (und erstaunlich wenige davon tatsächlich in den Griff bekomme), ziehe ich mich meistens in mein Schneckenhaus zurück — oder besser gesagt in einen Luftschutzbunker viele Stockwerke unter diesem Schneckenhaus. Dort verharre ich dann, stelle mich tot und viel zu viele Leute müssen darunter leiden, weil ich mich eben so selten zurückmelde. Falls ihr euch also wundert, wieso der Penner nicht antwortet: Ihr seid nicht allein! Das macht es vermutlich nicht viel besser, aber damit wisst ihr zumindest, dass es nichts Persönliches ist und ihr euch keine Gedanken machen müsst.

Jazz, Frank, Kathrin, Katy, Mareen und viele andere — die Liste der Leute, denen ich viel zu selten antworte, ist leider echt unanständig lang und ich mag hier niemandem versprechen, dass ich das in absehbarer Zeit besser hin bekomme. Dazu kommen noch all die Menschen, die mir auf den verschiedensten Wegen zum Geburtstag gratuliert haben. Auch dafür habe ich mich noch nicht bedankt und angesichts der Tatsache, dass es wieder Hunderte allein auf Facebook waren, die an diesem Tag an mich dachten, werde ich das vermutlich auch nicht mehr separat nachholen. Seid euch aber dessen gewiss, dass ich mir alle Glückwünsche durchgelesen habe und es mich auch tatsächlich toucht, dass so viele von euch an mich denken. Dabei geht es ja auch nicht darum, dass mir der Geburtstag an sich scheißegal ist, sondern dass ihr euch die Mühe macht, mir ein paar Zeilen, ein Ständchen oder sonst was zu widmen, oder mir gar Geschenke nach Hause schickt. Ein Geschenk von einem ganz besonderen Menschen ist leider auf der Strecke geblieben — danke, Post :-/ Aber selbst da vermag ich mich noch drüber zu freuen, weil mir dieser Mensch schließlich verraten hat, was hätte ankommen sollen und weil mich die Tatsache so unendlich freut, dass sich genau diese Person so viel Gedanken gemacht hat.

Ansonsten muss ich mich wieder mal bei meinen Freunden bedanken. Ich bin noch lange nicht durch diese Talsohle durch, fürchte ich. Aber ohne Menschen wie Nadine und Caschy, Szapi, Sue und Martin hätte ich in den letzten, so unerfreulichen Wochen vermutlich kein Land mehr gesehen. Ich glaube, ich bin nicht gerade das, was man einen Hauptgewinn nennt, wenn es darum geht, wer das zweifelhafte Vergnügen besitzt, mich in freundlicher Verbundenheit an seiner Seite wissen zu müssen. Umso höher bewerte ich es daher voller Demut, dass die eben Aufgezählten wirklich alles dafür tun, dass es mir besser geht und sich mein Leben ein kleines bisschen mehr — na ja — halt eben nach Leben anfühlt.

Ich fasse also nochmal kurz zusammen:

  • Meine Freunde sind echte Lebensretter, die genau dann immer für mich da sind, wenn ich sie brauche.
  • Amsterdam und London waren unglaublich klasse und ich hoffe einfach, dass ich in der Lage sein werde, in absehbarer Zeit wieder etwas ähnlich tolles zu erleben
  • Kommunikationstechnisch betrachtet bin ich ein echtes Arschloch — steinigt mich meinetwegen dafür, ich kann es leider viel zu oft nicht ändern.
  • Danke an alle Freunde und Bekannte, die sich um mich bemühen, die meine Tage ein wenig schöner machen und die echt einen Faden mit mir mitmachen.

Ach, siehste – jetzt hätte ich fast vergessen, die Headline zu erklären. Wenn ich so etwas vor der Brust habe wie eben jetzt jüngst diesen Ärzte-Trip nach Amsterdam und London, dann ziehe ich da für mich immer sehr viel Energie raus, die mich dann wieder für ein paar Monate am Leben hält. Irgendwie beobachte ich aber, dass sich der Effekt ein wenig anders verhält seit einiger Zeit. Es ist nicht mehr so, als lade man seine Batterien so auf, dass man wieder fröhlich losspringen kann für die nächste Zeit. Vielmehr fühlt es sich stattdessen an, als helfe mir sowas wie ein London-Aufenthalt gerade einmal dabei, dass ich hektisch nach Luft schnappen kann, bevor ich wieder in meine düsteren Gefilde abtauche.

Das tut mir schrecklich leid für meine Freunde, weil es ja definitiv nichts mit ihnen zu tun hat und auch die Reisen an sich keinen Deut schlechter sind als vorher. Es hält nur einfach nicht so lange vor, weil mich hier so viele Schwierigkeiten erdrücken und mich so viele Dinge gleichzeitig belasten, dass ich diesen Druck auf mir fast tatsächlich körperlich spüren kann. Seht es mir also bitte irgendwie nach, sollte ich in den nächsten Tagen und Wochen nicht so besonders präsent sein. Auf Facebook werde ich sicher sowieso rumkaspern und Musik und sonstwas posten, aber in den Messengern bleibe ich vermutlich noch ein wenig stiller, sorry dafür!