Muttertag

Original gepostet auf Facebook am 08. Mai 2016:

Liebe Mama,

Muttertage sind scheiße! Auch Du hast sie nicht gemocht, aber Du hast das damals natürlich – wie immer – viel freundlicher ausgedrückt. Eine Kleinigkeit gab es dennoch immer für Dich (verdammt, Du musstest uns manchmal sogar selbst das Geld für ein Geschenk geben, wenn das Taschengeld nicht reichte) und irgendwie wollte man wirklich ganz bewusst ein bisschen lieber zu Dir sein, obwohl ich versucht hab, Dich spüren zu lassen, dass für mich 365 Tage lang Muttertag war.

Ich wäre all das nicht, was ich heute bin, wenn Papa und Du mich nicht genau so geformt hätten und da ist es das Mindeste, dass ich Dir so oft wie möglich meine Dankbarkeit dafür zeige und nicht nur an einem einzigen verkackten, kommerziell ausgerichteten Tag.

Seit mittlerweile schon fast neun Jahren kann ich Dir das nicht mehr zeigen und gerade an diesen Tagen – an Deinem Geburtstag, Weihnachten und eben Muttertag – tut es besonders weh, dass Du nicht mehr da bist. Herrje, Du kennst ja noch nicht mal Facebook – ich hab erst nach Deinem Tod tatsächlich angefangen, dort was zu schreiben. Würdest Du es kennen, wüsstest Du jedenfalls, wie solche Feiertage hier zelebriert werden: Fast jeder, der seine Weihnachtsgeschenke und Festessen an Weihnachten postet und fast jeder, der am Muttertag seiner Mama dankt und der festen Überzeugung ist, dass er die großartigste Mutter des ganzen Planeten hat.

In meiner Welt bist Du natürlich die tollste Mama, die es jemals gab. Uns ging es nie wirklich toll und dennoch hast Du immer alles dafür gegeben, dass es Thorsten und mir so gut geht wie eben möglich. Das vergesse ich Dir alles niemals und glaub mir: Es vergeht kein einziger Tag, an dem ich nicht an Dich denke und an Tagen wie diesem, an dem sich jedes Muttertags-Posting wie ein Messerstich anfühlt, weine ich bitterlich um Dich. Ich wollte Dir noch so viel sagen und noch so viel mit Dir machen – es ist einfach nicht fair, dass man Dir so viele Lebensjahre geklaut hat 🙁

Scheiße, Du weißt noch nicht mal, dass ich meinen Traumjob gefunden habe und nicht mehr den DHL-Mist machen muss.

Du sollst aber auch wissen, dass ich unendlich viele tolle Erinnerungen an Dich habe und auch heute noch so manches Mal lächeln muss, wenn ich an früher denke. Weil Du vor dieser Krankheit so ein positiver und fröhlicher Mensch warst, trotz all der Scheiße, die wir durchgemacht haben. Mann, Du hast Formel 1-Rennen geschaut – nicht, weil Du den Sport mochtest, sondern weil Du so gern gesehen hast, wie sich die Sieger nach dem Rennen freuen 😀 Glaube, das sagt schon eine Menge über Dich aus 🙂

Ich liebe Dich und wünschte, ich könnte es Dir nur noch ein einziges Mal selbst sagen und mich noch einmal für alles bedanken – und auch für jedes Mal entschuldigen, wenn ich mich mal wieder wie ein Vollarsch benommen hab. Und ich glaube, Du würdest lachen, wenn Du hier lesen könntest, dass ich Dir auch bei der Gelegenheit total gern das Internet erklären würde und was Facebook ist oder was ein Blogger so den ganzen Tag tut. 🙂

Heute wein ich, Mama – aber ab morgen versuch ich wieder, mich viel mehr an die schönen Dinge zu erinnern und zu lächeln, versprochen!

Dein Sohn Carsten <3

Artikelbild: Pixabay