Der alte Mann und der Berg

Wir können im Ruhrgebiet einige Dinge richtig gut:

  • Currywurst
  • Bier trinken
  • Den eigenen Fußball-Club beschimpfen
  • Bier trinken
  • Stadt an Stadt bauen
  • komisch sprechen und originelle Grammatik verwenden
  • … und natürlich Bier trinken

Etwas, was bei all unseren Stärken immer viel zu wenig erwähnt wird: Wir können super Halden! Müll stapeln und Wiese drüber wachsen lassen — da macht uns kaum einer was vor. Wer sich im Pott auskennt und schon mal die Wanderschuhe schnürt, wird vermutlich den Tetraeder oder die Himmelstreppe kennen, um mal nur zwei Beispiele zu nennen. Halden haben wir im Ruhrgebiet also einige und jau, auch wir hier in Dortmund. Auch, wenn das nicht mein ursprünglicher Plan war, ging es für mich heute auf unseren Deusenberg, eine Halde im Stadtteil Deusen, wer hätte es gedacht.

Weil ich die letzten Tage ein paar Schritte zu wenig gemacht habe und mich heute Mittag fit fühlte, wollte ich zeitig aus dem Haus und schon mal ’ne kleine Runde machen. Es sind etwa drei Kilometer bis nach Dortmund-Dorstfeld und als ich die hinter mich gebracht habe, bin ich rechts abgebogen, Richtung Huckarde.

Kulturzentrum Alte Schmiede

Irgendwie bin ich auf meinen Runden noch nie in diese nordwestliche Richtung marschiert, also wollte ich erstmals an der Kokerei Hansa vorbeischauen. Auch das können wir im Ruhrgebiet super: Industriedenkmäler. Nochmal drei Kilometer? Locker — schließlich bin ich in Spitzenform und die Sonne scheint.

Dort angekommen knipste ich ein bisschen drauf los und ließ mich von Google darüber informieren, dass jetzt ja auch der Deusenberg nicht mehr weit weg wäre — lächerliche 750 Meter, die lauf ich auf einem Bein! Ich marschierte drauf los und stellte ein bisschen sehr spät fest, dass ich eine ganz andere Route wählte, als mir Google Map ans Herz legte. Bedeutete unterm Strich, nochmal dreieinhalb Kilometerchen, aber ich hatte Blut geleckt und war daher nicht aufzuhalten.

Heute gehe ich dahin, wohin es noch kein Mann geschafft hat, also zumindest noch kein dicker: Rauf auffen Deusenberg! Wir Halden-Profis wissen, dass man jede Abkürzung wahrnimmt, wenn sie sich bietet. Irgendwann näherte ich mich dem Hügel, kurz nachdem ich diese schnuckelige Straßenbahn erblickte, die für mein Empfinden nicht durch typisches Straßenbahn-Terrain ballerte.

Kommt, ein bisschen idyllisch isses schon, oder?

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, Abkürzung. Ich hatte die Wahl, quasi drumherum zu laufen und nochmal einen Kilometer bis oben zu brauchen — oder ich nehme einfach die lustige Treppe, die mich direkt nach oben bringt. Nach 20 Metern wusste ich, dass diese Idee jetzt nur semi-super war. Mittlerweile hatten sogar meine Schweißperlen schon Schweißperlen auf der Stirn, aber ich marschierte natürlich weiter.

Die Treppe des Todes

Oben angekommen stellte sich folgendes heraus: Die Aussicht ist wirklich super, allerdings war ich nicht der erste Mann auf dem circa 120 Meter hohen Gipfel. Spaziergänger waren oben, ein Schäfer mit seiner Herde, Leute, die mit ihren Hunden Gassi gehen, ein paar Radfahrer, weil da oben ein Biker-Parcours ist und noch ein paar Väter, die mit ihren Kids Drachen steigen ließen.

Der Blick ins Tal/über Dortmund
Schafe, Dortmunder City, dies das

Soweit ich das sehe, war ich dennoch der einzige Fette da oben, ich werte das selbstredend als einen Triumph auf ganzer Linie. Oben gibt es übrigens auch einen Haufen Solar-Panels. Die Entegro Photovoltaik-Systeme GmbH bringt es mit ihrer Solaranlage auf dem Deusenberg immerhin auf eine Nennleistung von 3,56 MW.

Logisch, dass ich auch ein paar Fotos machte, zumal ich heute echt Glück mit dem Wetter hatte. Ich hab den ganzen Bums oben einmal umrundet, danach ging es an den Abstieg und danach marschierte ich den ganzen Weg wieder zurück, allerdings wählte ich eine andere Route. Erstmals bekam ich heute ein Gefühl dafür, was für ein riesiges Areal sich dort im Norden Dortmunds befindet. Übrigens ein Areal, welches in den nächsten Jahren ein komplett neues Gesicht bekommen wird anlässlich der internationalen Gartenausstellung, die dort 2027 stattfinden wird. Bis es soweit ist, befindet sich auf dem Gelände an der Emscher sehr viel Brachland und so manches verlassene Gebäude. In diesen finden offensichtlich sowohl Lost-Places-Freunde als auch Sprayer eine Menge Spaß. Möchtegern-Fotografen wie ich können aber auch von draußen durch die zerstörten Fenster mit der Handy-Cam reinhalten, um einen Eindruck zu bekommen.

Alles in allem war ich auf der Runde etwa 18 Kilometer unterwegs, danach absolvierte ich mit Krücke nochmal 10.000 Schritte hier in der City. Meine Füße fragen mich, ob ich sie noch alle habe und auch mein Rücken ist momentan nicht so super happy. Ist mir egal, denn der Titel als größter Gipfelstürmer der Stadt dürfte mir in diesem Jahr kaum noch zu nehmen sein. Morgen schaue ich mal bei Phoenix West vorbei. Euch verrate ich das jetzt schon exklusiv — aber bitte erzählt es meinen Füßen noch nicht.

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