Streetart im Unionviertel: „Alles so schön bunt hier“

Ich hab spektakulär wenig Ahnung von Streetart. Sogar so wenig, dass ich nicht mal weiß, ob die Schreibweise „Streetart“ oder „Street Art“ die gebräuchlichere ist. Mit dieser Kunstform ist es bei mir so wie mit Kaffee, Wein oder Whiskey. Ich trinke das alles, kann aber oft einen teuren nicht von einem günstigen unterscheiden. Daher zählt für mich bei diesen Getränken stets: Ich unterscheide zwischen „schmeckt mir“ und „schmeckt mir nicht“. Genau so verhält es sich bei Graffiti und Murals, die ich in den Straßen Dortmunds sehe. Manche gefallen mir sehr, einige aber eben auch nicht so. Wobei ich eigentlich durch die Bank Murals, also diese Wandmalereien, die zumeist Auftragsarbeiten sind, richtig toll finde und eher von den langweiligen und hässlichen Tags genervt bin.

Der Titel des Blog-Beitrags ist natürlich eine Verneigung vor Nina Hagen, der Satz kommt einem aber auch fast automatisch in den Sinn, wenn man sich durch Dortmund bewegt und da speziell durchs Unionviertel. Wer nicht aus der Gegend ist: Das Unionviertel ist sowas wie ein Bindeglied zwischen der City und Dorstfeld, zwischen Kreuzviertel und Nordstadt, angesiedelt im Westen der Dortmunder Innenstadt. Wer sich hier mal umsehen will, hält sich grob an die Rheinische Straße, oder besser noch an den U-Turm, den man selbst aus der Ferne nur schwer übersehen kann.

Ich wohne hier direkt in der Dortmunder Innenstadt, nur ein paar Meter von Westpark und Unionviertel entfernt. Da ich ja allabendlich meine Runden durch die Stadt drehe, komme ich also zwangsläufig auch oft im Unionsviertel vorbei und schon seit einiger Zeit fällt mir da eben auf, was sich Streetart-technisch tut. Das geht direkt vor meiner Haustür los, nur wenige Meter entfernt an der Wand der Marlene Bar:

Erst sehr viel später kam ich wohl auf den Trichter, dass es da einen Zusammenhang geben könnte und diese Murals nicht zufällig so gehäuft genau in dieser Gegend auftauchten. Dieser Zusammenhang findet sich in der 44309 Street Art Gallery in der Rheinischen Straße. Auch hier bin ich schon Millionen Mal vorbeimarschiert, ohne mir viel dabei zu denken. Aber die Betreiber Olaf Ginzel und Daniela Bekemeier holen sich nicht nur urbane Kunst ins Haus, sondern verstehen sich auch als Mittler: Der Künstler auf der einen Seite, die Häuserwand auf der anderen. So kommt es dann also, dass sich Künstler aus aller Welt auf Dortmunder Häuserwänden verewigen. Diese Dortmunder Gegend, der man damals im Krieg ordentlich die Hucke vollgebombt hat und die dann Jahrzehnte später erneut schwer getroffen wurde — dieses Mal vom Strukturwandel — hat viele Jahre gelitten. Alles sah runtergekommen aus, Häuser standen leer, aber der Stadtteil hat sich längst erholt und präsentiert sich von Jahr zu Jahr spannender. Der U-Turm ist natürlich auch im übertragenen Sinne ein Leuchtturm mit einer Strahlkraft weit übers Ruhrgebiet hinaus, aber auch drumherum passiert eine ganze Menge.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe in den letzten Tagen auf meinen Runden immer mal kurz Halt gemacht und das ein oder andere Werk geknipst. Bilder, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Also habe ich hier jetzt zum Schluss des Beitrages einige der Murals für euch. Wer sich die Teile mal selbst anschauen möchte, marschiert am besten selbst mal durch das Unionviertel. Dazu kann ich euch noch eine kleine Hilfe anbieten: Schaut bei Street Art Cities vorbei. Hier findet ihr Karten aus aller Welt, so dass ihr euch bequem von Mural zu Mural durcharbeiten könnt — und zusätzlich zum Standort des Meisterwerks erfahrt ihr auch noch, welcher Künstler für das jeweilige Werk verantwortlich ist. Jetzt aber genug gequatscht — zieht euch die Bilder rein:

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