Heute vor 40 Jahren starb John Lennon

Was muss es für ein Gefühl sein, wenn man als Chirurg auf John Lennons Herz blickt, auf das Herz eines der herausragendsten Musiker dieses Planeten? Und was für ein Gefühl muss es sein, wenn man sieht, dass die vom Herzen wegführenden Blutgefäße hoffnungslos zerstört sind und hier gerade eine Legende gestorben ist?

Um 23.07 Uhr am 8. Dezember 1980, vor exakt vierzig Jahren, starb John Lennon. Erschossen von einem Mann, dessen Namen ich gerade nicht in den Mund nehmen mag. Ein Mann, der sich am selben Tag und an selber Stelle — vor dem Dakota Building in New York City — nachmittags noch ein Album von Lennon signieren ließ. Zum wiederholten Male hat man vor wenigen Monaten seine Bitte um Hafterlass abgeschmettert. Ein Trost ist das aber nicht wirklich.

Als John starb, war ich bereits Fan der Beatles. Seit Ende der Siebziger verbrachte ich Stunden damit, am Radio Musik zu hören, meistens RTL, über Mittelwelle und in haarsträubender Qualität. Ich nahm mir dennoch die Songs auf Cassette auf und so war ich nicht nur früh im Thema, was die aktuell in den Charts platzierte Musik angeht, sondern auch, was Legenden wie die Beatles oder Elvis Presley anging.

Komischerweise kann ich mich aber nicht wirklich an die Meldung erinnern, in der Lennons Tod verkündet wurde. Ich weiß, dass ich es mitbekommen habe, kann aber nicht mehr sagen, was das mit mir gemacht hat. Ich war alt genug, um den Namen den Beatles zuzuordnen, aber ich war viel zu jung für die Art Trauer, die sich schlagartig über den ganzen Planeten erstreckte.

Peter, der Papa meiner ehemaligen Verlobten Jassi, erzählte mal, wie er das damals wahrgenommen hat. Selbst ein riesiger Fan der Band, war er auf dem Weg zur Arbeit, als er die furchtbare Nachricht im Radio hörte. Sofort fuhr er rechts an — und weinte. Fragt mal im Bekanntenkreis rum, lest Interviews mit anderen Künstlern und sonstigen Zeitzeugen und ihr werdet sehen, dass an diesem Tag überall rund um die Welt geweint wurde.

Vermutlich ist das auch einer dieser wenigen Momente, bei dem jeder, der damals schon alt genug war, sagen kann, wo exakt er diese Nachricht mitbekommen hat. Ich selbst brauchte allerdings einige Jahre, um die Dimension dieses Verbrechens zu begreifen.

Das oben verlinkte (Just like) Starting over eroberte die deutschen Charts erst posthum und war Ende des Jahres 1980 in den hiesigen Top Ten. Es folgte kurz danach eine weitere Übernummer mit „Woman“ und so sehr ich beide Songs liebe, so schwingt da für mich immer auch Wehmut und Trauer mit. Weil sie eben zeitlich so nah bei seinem Todestag liegen und weil sie eigentlich sowas wie John Lennons Comeback waren. Zu der Zeit waren wir sonntags viel mit dem Auto unterwegs. Sonntags gab es eben Familienausflüge und die zweistündige Charts-Sendung war dort unser steter Begleiter. Wochenlang war auch dort immer wieder die Musik von Lennon gegenwärtig.

Er hatte sich mit seiner Frau Mitte der Siebziger zurückgezogen und ein bürgerliches Leben geführt, zugegebenermaßen hatte er im Vorfeld, zumindest nach dem 71er-Album, auch keine überzeugende Musik mehr abgeliefert. Nach fünf Jahren kehrte er also mit dem Album Double Fantasy [Partner-Link] zurück auf die große Pop-Bühne, welches einige Kompositionen beinhaltete, in denen Lennons Talent wieder deutlich aufblitzte. Nicht wenige sagen, dass er für dieses Werk einige seiner tollsten Kompositionen abgeliefert hat.

Wer weiß, was dieser Mann noch auf die Beine gestellt hätte, wenn man ihn heute vor vierzig Jahren nicht aus dem Leben gerissen hätte? Damals war er gerade mal vierzig Jahre alt, wäre also heute ein achtzigjähriger Mann. Es ist sinnlos, sich zu überlegen, wie viele Hits und Alben er noch hätte veröffentlichen können und welchen Impact auf Musik und Gesellschaft er wohl noch gehabt hätte. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass er uns noch viele wunderschöne Songs geschenkt hätte.

Artikelbild: Ogutier auf Pixabay

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