Leben wir in einer Simulation?

So, der erste Tag des neuen Jahres ist fast absolviert, höchste Eisenbahn, dass ich anfange, meinen täglichen Artikel zu schreiben. Ich hab übrigens keinen Schimmer, ob ich das schaffen werde, weiterhin jeden Tag hier zu bloggen — erst mal sehen, wie sich das mit meiner Arbeit in den ersten Tagen gestaltet. 🙂 Aber damit wir hier auch direkt volle Pulle ins neue Jahr einsteigen können, hab ich mir für diesen Tag ein echtes Kracher-Thema überlegt: Leben wir in einer Simulation?

Wer sich mit dieser Frage noch nie auseinandergesetzt hat, hat vermutlich auch keinen Film der Matrix-Reihe gesehen, denn dort leben die Menschen ja eben in so einer Simulation, sprich: in einer Matrix. Jau, das ist natürlich Science Fiction und hat erst mal nichts mit der Realität zu tun — oder etwa doch? Feststeht jedenfalls: Wenn man dieser Frage auf den Grund gehen möchte und beispielsweise bei YouTube nach entsprechenden Videos fahndet, landet schnell in einer Ecke mit sehr viel kruderen, abwegigeren Ideen.

Ihr müsst euch aber keine Sorgen um mich machen — euer guter, alter Casi ist weder über die Jahreswende Schwurbler oder Verschwörungstheoretiker geworden, noch ist er dem Wahnsinn anheimgefallen. Stattdessen ist es so, dass ich immer wieder einmal über diese These gestolpert bin — teils über fiktionale Ansätze wie bei den Matrix-Filmen, teils aber eben auch durch seriöse Wissenschaftler. Spätestens, seit sogar Comedian und Podcaster Felix Lobrecht in einer Folge „Gemischtes Hack“ darüber sprach, ist diese Idee von der Simulation wieder in meinem Kopf und schlummert dort seitdem.

Eigentlich wollte ich mal bei Mobile Geeks drüber schreiben, aber das hat sich ja bekanntlich zwischenzeitlich zerschlagen, also bringe ich es jetzt einfach mal hier unter und bin gespannt, ob ihr mich ab jetzt für komplett bescheuert haltet, oder ob ihr mir folgt und euch ebenfalls darauf einlasst, dieses Gedankenexperiment einfach mal durchzuspielen. Lobrecht und auch ich beziehen uns auf sogenannte Simulationshypothese des schwedischen Philosophen Nick Bostrom, der an der Oxford-Universität arbeitet.

Die Simulationshypothese

Ich habe bereits in den Siebzigern angefangen mit Computerspielen. Noch bevor die „Atari 2600“-Konsole auf dem Markt war, hatte mein Dad damals das legendäre Pong, ebenfalls von Atari, mithilfe eines Elektronik-Magazines nachbauen können. Pong ist jenes Spiel, welches entfernt an Tennis erinnert. Es gibt links und rechts je einen Balken, der als eine Art Schläger fungiert und dann gibt es einen eckigen Pixel-Ball, der hin und her tickt. Mit einem Paddle, also einem Controller, können die Spieler je einen dieser Balken senkrecht bewegen und verhindern, dass der Ball ins Aus geht.

Dieses sehr simple und abstrakte Spiel stammt aus dem Jahr 1972. Es ist nicht das allererste Videogame, wird aber gern als der Urvater aller Videospiele tituliert. Seitdem sind also fast 50 Jahre vergangen und schaut selbst, wie Spiele heutzutage aussehen. Wir bewegen uns durch äußerst realistische Welten, zocken mit Millionen Mitspielern aus aller Welt und all das wurde in fast 50 Jahren erreicht. Wir leben in einer Welt, die sich so rasant entwickelt und mit unseren Smartphones haben wir alle tagtäglich Gerätschaften in der Hand, die technisch um ein vielfaches stärker sind als die Computer, mit deren Hilfe der Menschheit Ende der Sechziger Jahre die Mondlandung ermöglicht wurde.

Wenn man diese technische Entwicklung bei Rechnern und bei Videospielen berücksichtigt, kann man den Hauch einer Ahnung davon bekommen, welche virtuellen Realitäten und lebensechten Spiele es in 50 oder 100 Jahren geben könnte. Jetzt stellt euch vor, was die logische Konsequenz ist, wenn Spiele immer realistischer und die KI in Spielen immer intelligenter wird. Wir sind heute dank künstlicher Intelligenz schon so weit, dass bestimmte Funktionen sich selbstständig verbessern können. Ist dann der nächste, konsequente Schritt nicht der, dass sich Charaktere in einem Spiel irgendwann einmal so weit entwickeln lassen, dass sie glauben, ein eigenes Bewusstsein zu haben?

Ab diesem Punkt, und darum geht es bei Bostroms Hypothese, sind Spielewelten nicht nur einfach fotorealistisch, sondern wirken auf die Nichspieler-Charaktere so real, dass diese glauben, dass die Welt, in der sie leben, eine echte ist. Wenn wir uns auf diesen Pfad begeben und glauben, dass die Menschen sich so weit entwickeln bzw. solche technischen Möglichkeiten haben wird, gibt es laut Bostrom drei Möglichkeiten:

  1. Entweder ist die Menschheit nie wirklich so weit, dass man den Schritt in eine posthumane Welt geht.
  2. Falls sie doch so weit entwickelt und so intelligent ist, besteht nur eine minimale Chance, dass sie überhaupt ein Interesse daran haben, eine solche Simulation zu starten, in der sich Charaktere in einem Spiel für tatsächlich existierende, fühlende, lebende Wesen halten.
  3. Wir leben bereits in dieser Simulation

3. klingt dabei natürlich ziemlich gruselig und auch unrealistisch. Dennoch gibt es nicht wenige Wissenschaftler, die glauben, dass an dieser Idee was dran ist. Selbst Tesla-Chef Elon Musk spricht davon, dass es nur eine sehr minimale Chance gibt, dass wir in keiner Simulation leben. Das ist eben genau der Punkt, wenn wir uns auf dieses Gedankenexperiment einlassen: Es wird also irgendwann einmal möglich sein, diese Simulation zu starten, in der sich diese künstliche Intelligenz nicht dessen bewusst ist, dass sie sich in einer solchen Simulation befindet.

Denkt dabei daran, wie Spielewelten heutzutage aussehen, wenn wir sie durch eine VR-Brille betrachten. Natürlich sehen wir leicht, dass das nicht die reale Welt ist, aber wir haben dennoch das Gefühl, mitten in einer Spielewelt zu stehen. Ist die Vorstellung da so absurd, dass einige Generationen später die Technik so ausgefeilt ist, dass wir das Spiel optisch nicht mehr von der realen Welt unterscheiden können? In dieser Welt können wir Schmerz empfinden, besitzen die gleiche Haptik wie im realen Leben und glauben, unsere eigenen Entscheidungen treffen zu können.

Wenn wir also glauben, dass so eine Simulation möglich ist, was wäre der nächste Schritt? Genau: Diese Wesen in der Simulation würden sich ebenfalls weiter und weiter entwickeln und zwar soweit, dass sie irgendwann intelligent genug sind, selbst eine solche Simulation schaffen zu können. Ja, ich weiß — das ist ein ziemlicher Mindfuck, denn ich euch hier heute zumute 😀 Dennoch: laut der Simulationsthese werden diejenigen, die die jeweilige Simulation bevölkern, immer irgendwann an den Punkt kommen, selbst eine Simulation zu schaffen, in der die Menschheit nicht mehr weiß, dass ihre Welt nur noch simuliert ist.

Damit kommen wir zur letzten Frage: Wenn diese These stimmt, kann das also nochmal und nochmal und nochmal passieren. Theoretisch kann dieser Punkt Milliarden Male erreicht werden. Die Frage lautet daher, ob wir gerade dabei sind beim allerersten Mal, dass die Menschheit in der Lage ist, so intelligente Technik zu schaffen — oder ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass wir uns bereits längst in einer dieser Milliarden Simulationen befinden? Ja, harter Tobak, ich weiß — aber wieso sollte man nicht zumindest mal darüber nachdenken, oder? Und wann sollte man darüber nachdenken, wenn nicht direkt im Anschluss an dieses merkwürdige Jahr 2020, welches uns so übel mitgespielt hat?

Also, grübelt mal ruhig und lasst mich wissen, was ihr von der Idee haltet. Vielleicht kennt ihr die Hypothese ja auch längst und habt schon eine Meinung dazu, dann interessiert mich das natürlich ebenfalls. Als Futter gebe ich euch jetzt noch diesen Vice-Link mit an die Hand, in des um das Statement von Elon Musk zum Thema geht, poste euch ein Rezo-Video und auch den Link zur Folge „Gemischtes Hack“, in der das direkt zu Beginn thematisiert wird. Ich wünsche euch allen, dass ihr gut ins neue Jahr gekommen seid und dass für euch das Jahr 2021 ein komplett zauberhaftes ist — egal, ob Simulation oder nicht 😉

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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