What’s up, WhatsApp? Liebe für die Sprachnachricht

Weihnachten ist vorbei, also wenden wir uns wieder wichtigen Themen zu: Zum Beispiel dem Thema Sprachnachrichten 😀 Wer mich kennt, weiß um meine Schwäche, in Sprachnachrichten mal flott auf den Punkt zu kommen. Manchmal vergesse ich zwischendurch, was ich sagen wollte, manchmal fallen mir spontan noch ein paar andere Dinge ein, die ich dringend loswerden möchte und ruck zuck hat man dann mal 20 Minuten ins Smartphone reinmonologisiert.

Erfreulicherweise gibt es nicht nur Menschen, die das freiwillig ertragen, sondern auch Menschen, die mir tatsächlich gerne zuhören, weil sie meine Stimme gern hören oder vielleicht sogar die verpeilte Art, in der ich erzähle. Und das Beste: Menschen wie Szapi, Vasi, Caschy, Leonie und noch ein paar mehr bekommen das durchaus auch hin. So fühle ich mich weniger schuldig, wenn ich mal so ein Dreiviertelstündchen raushaue — gleichzeitig bin ich aber auch happy, wenn so was Langes reinrauscht, was man sich bequem nebenbei anhören kann.

Dass ich jetzt das Thema hier aufgreife, hat aber nicht nur mit meiner Begeisterung für diese Form der Kommunikation zu tun, sondern damit, dass sie a) sehr oft kritisiert wird und b) irgendwann an Weihnachten sogar in den Twitter-Trends auftauchte — wieder verbunden mit der gewohnten Kritik. Ich hab schon an alter Blog-Wirkungsstelle eine Lanze für die Sprachnachricht gebrochen und möchte mich auch hier nochmal für diese — für mich so perfekte — Kommunikationsmöglichkeit in die Schlacht stürzen.

Aber wieso rufst Du nicht direkt an?

Ein ständiger Einwand, der von Sprachnachrichten-Hassern kommt: „Wieso ruft ihr euch nicht direkt an?“, was ich ehrlich gesagt für eine merkwürdige Frage halte. Auch Ende 2020 gibt es immer noch viele Menschen, die merkwürdigerweise die These vertreten, dass die Kommunikation mit Textnachrichten und Anrufen komplett wäre. Sorry, das ist aber Quatsch. Allein schon deswegen, weil die Sprachnachricht eine asynchrone Kommunikation ist. Bedeutet einfach gesagt: Ja, es quatschen zwei (oder mehr) Leute miteinander, wie bei einem Telefonat. Aber eben nicht gleichzeitig.

Wir führen alle unterschiedliche Leben nach unterschiedlichen Lebensentwürfen und mein eigener Lebensentwurf bindet mich zeitlich eben anders als eure. Ich stehe beispielsweise nicht besonders früh auf, bin aber bis in die Puppen wach. Rufe ich deswegen eine Freundin um halb Eins nachts an, obwohl ich weiß, dass ihr Wecker um sechs Uhr klingelt? Nein, natürlich nicht! Also ist es doch die perfekte Möglichkeit für mich, nachts eine Sprachnachricht aufzunehmen, die der Empfänger sich dann am nächsten Tag anhören kann und zwar genau dann, wann es ihm in den Kram passt.

Auf diese Weise kann man über mehrere Tage hinweg kommunizieren und das ist doch deutlich zielführender, als wenn man vergeblich versucht, eine Woche lang einen Zeitpunkt zu finden, an dem man gemeinsam die Zeit für ein Telefonat findet. Somit geht der Vorschlag, dass man doch besser telefoniert, als Sprachnachrichten zu versenden, komplett ins Leere. Übrigens gilt das erst recht für die Textnachricht als Ersatz für Sprachnachrichten. Zwar sind diese ebenfalls asynchron, aber man hört eben nicht die Stimme des anderen, was es oft missverständlicher und unpersönlicher macht und nicht zuletzt geht Sprechen nun mal auch viel flotter als langes Tippen.

„Dieses ständige Aufnehmen und Abhören in der Öffentlichkeit nervt!“

Sehr viel Kritik müssen Fans der Sprachnachrichten einstecken für den Gebrauch in der Öffentlichkeit. Klar — niemand möchte da freiwillig mithören, was ein Wildfremder einem anderen Wildfremden erzählt. Das gilt aber eben nicht nur für Sprachnachrichten! Mich nervt das übrigens auch, denn das hat so gar nichts mit der Kommunikationsform an sich zu tun, sondern ausschließlich was mit Respekt. Ich telefoniere nach Möglichkeit eben auch nicht in der Bahn oder sonst wo, wo ich andere Leute dadurch belästigen könnte. Und eine Sprachnachricht, die jemand anders in dieser Bahn abhört oder aufnimmt, stört mich nun mal exakt so sehr wie ein überlautes Telefonat, ein laut geführter Dialog zwischen zwei Bahnfahrern oder lautes Musikhören. Auch hier erkenne ich nicht, wieso da ausgerechnet die Sprachnachricht für die Kritiker da negativ hervorstechen sollte.

Beim Thema Öffentlichkeit wird sich da auch gerne drüber lustig gemacht, wenn die Aufnehmenden ihr Smartphone wie eine Scheibe Knäckebrot vor den Mund halten. Ich finde das ehrlich gesagt viel logischer, als sich das Smartphone währenddessen wie beim Telefonieren ans Ohr zu halten, obwohl mein Ohr während des Aufnehmens nun wirklich keine Rolle spielt. Vielleicht sind ja auch einfach manche Dinge, die sich einem nicht direkt erschließen, oder die man nicht kennt, gar nicht zwingend behämmert.

„Aber ich will das nicht, ich mag keine Sprachnachrichten!“

Alles gut, wenn ihr keine Sprachnachrichten mögt — erfreulicherweise wird niemand dazu genötigt, sie zu mögen oder gar zu nutzen. Es gibt nun mal Menschen, die möchten sich da nichts Ellenlanges anhören und erst recht nichts da reinsprechen. Das akzeptiere ich und das sollte jeder andere ebenso. Aber auch das ist doch überall identisch bei der Kommunikation und wir halten uns überall an Regeln: Wenn sich die Person neben mir gerade auf die Arbeit konzentriert, oder gar in einem anderen Gespräch befindet, grätsche ich nicht mit meinem Gesprächsversuch dazwischen. Wenn ein Freund wegen der Arbeit schon um 23 Uhr schläft, rufe ich ihn nicht um zwei Uhr morgens an. Und wenn ich weiß, dass mein Gegenüber Sprachnachrichten hasst, schicke ich ihm eben keine. Das lässt sich ja im Vorfeld problemlos abchecken.

Außerdem vermeide ich im Normalfall auch zeitkritische Informationen in Sprachnachrichten, denn dazu sind sie tatschlich nicht besonders geeignet. Aber genau das ist ja der Punkt, womit ich jetzt auch langsam zum Ende meines Plädoyer für die Sprachnachricht kommen möchte: Es ist eine Kommunikationsform, bei der sich die Kommunizierenden auf Regeln verständigen müssen. Wenn jemand diese Form nicht mag, muss sich das Gegenüber dran halten und wenn man keine Chance hat, zeitnah Sprachnachrichten abzuhören, dann sollte das Gegenüber nun mal nichts Wichtiges auf diesem Weg übermitteln.

Aber wenn man sich auf Regeln verständigt und es für beide Personen passt, dann ist die Sprachnachricht doch ein optimales Tool fürs Kommunizieren. Übrigens lasse ich es da auch nicht gelten, dass von den Hatern darauf verwiesen wird, dass man da so viel Unwichtiges quatscht. Im Gegenteil, ich finde das super! Ich habe auf diesem Weg so viel von meinen Freunden erfahren und das sind eben genau die Dinge, die man nicht in einem dringenden Telefonat erzählt.

Zum Glück scheinen viele Menschen meine Stimme zu mögen, die aber auch tatsächlich mit einem tiefen, sexy Bass aufwarten kann 😀 Daher wird mir immer mal wieder gesagt, wie gerne man mir zuhört, wenn ich irgendwas erzähle und es wird schon mit einer Art Podcast verglichen. Ähnlich geht es mir aber auch. Ich höre manchen Menschen einfach gerne zu, wenn sie mir von einer Exfreundin erzählen, oder von ihren Kindern, von einem Problem oder von einem tollen Urlaub oder was auch immer. Während ich meine Runden durch Dortmund drehe, beim Abwasch oder ähnlichem unterhält mich das optimal und allein schon deswegen liebe ich die Sprachnachricht.

Wer das nicht so sieht — fair enough! Aber ich lese da immer so viel Hass und Wut heraus, wo die Sprachnachricht gerne sogar als Beleg dafür angeführt wird, dass die Menschheit immer dümmer wird. Ich glaube hingegen, dass unsere Gesellschaft nicht an einzelnen Formen der Kommunikation krankt, sondern eher daran, dass es vielen Menschen offensichtlich nicht logisch erscheint, dass andere ihre Leben anders führen. So, ich muss aufhören — ich muss mir die Sprachi von Okotto noch anhören 😉

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