Mutterseelenalleinachten

23.12.2021: It’s the most wonderful time …

Morgen ist Heiligabend. Es ist kurz nach Mitternacht und eigentlich sollte ich mit dem Arsch im Bett sein. Es liegt noch viel Arbeit vor uns heute und die bekomme ich sicher besser erledigt, wenn ich nicht bis in die Puppen wach bin und blogge. Aber was soll ich machen? Mein Gehirn hat beschlossen, unanständig aktiv zu sein und so füge ich mich in mein Schicksal und höre immer wieder mal hin, was mein Gehirn so zu sagen hat.

Es sind schwere Gedanken. Nicht schwer im Sinne von komplizierten Gedanken. Eher schwer im Sinne von: Jemand, der mindestens so schwer ist wie ich, liegt auf meinem Brustkorb und sorgt dafür, dass mir das Atmen schwerfällt. Was die Komplexität angeht, sind manche der Gedanken hingegen federleicht. Ist klar, weil es hauptsächlich Fragen sind. Fragen sind meistens leichter als die Antworten. Das ist ja die unfaire Scheiße, die mich vom Schlafen abhält: Die Frage: „Wieso bin ich so einsam“ ist in einer Sekunde gestellt. An der Antwort sitze ich allerdings schon seit zehn Jahren.

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass mich das kurz vor und zu Weihnachten immer besonders beschäftigt. Da kommen Menschen zusammen mit denen, die sie lieben. Wenn man selbst auch in Nicht-Pandemie-Jahren nicht mit irgendwem an Weihnachten zusammenkommt, bedeutet das dann, dass man vermutlich nicht geliebt wird. So könnte zumindest ein mehr oder weniger offensichtlicher Umkehrschluss lauten. Aber das Thema mit den einfachen und offensichtlichen Antworten hatten wir ja schon.

Ich weiß ja zudem auch, dass ich ganz besonders liebe Freunde habe und mich so mancher davon im Herzen hat. Ändert aber nichts an der Einsamkeit gerade.

24.12.2021: Das Introvertierten-Paradoxon

Ja, es klingt wirklich paradox, wenn ich drüber nachdenke: Immer wieder sage ich Partys ab, beklage mich aber auch über meine Einsamkeit. In Corona-Zeiten sagt man natürlich seltener Events ab, weil kaum welche stattfinden, aber dennoch. Wenn sich Freunde treffen, bleibe ich derzeit lieber mit dem Arsch zuhause. Gerade auch tatsächlich ganz viel aus Corona-Gründen, weil es mir ernst ist, wenn ich sage, dass die Pandemie langsam mal aufhören könnte.

Aber der Widerspruch bleibt, auch jetzt zu Weihnachten. Liebe Freunde sagen, dass Ich Heiligabend oder Weihnachten mit ihnen verbringen könnte, aber ich sage ab, ohne eine Sekunde darüber nachzudenken. Aber vielleicht ist das gar kein Paradoxon, wenn man sich über Einsamkeit beklagt und trotzdem Gesellschaft bewusst vermeidet. Was, wenn die Einsamkeit einfach nur das kleinere Übel ist?

Damit steigen wir jetzt wieder in das Weihnachtsthema ein, weil es ganz viel damit zu tun hat, wie es mir derzeit geht: Das Zweitschlimmste, was ich mir derzeit vorstellen kann, ist das allein-zuhause-Sitzen an den Festtagen. Das Schlimmste hingegen ist es, bei jemand anders einsam zu sein. Es ist ein Irrglaube, dass man in Gesellschaft nicht einsam sein kann. Weihnachten im Kreise einer Familie zu feiern, die nicht die eigene ist, lässt einen zum Beispiel sehr einsam fühlen. Nicht, weil die anderen mich nicht liebevoll aufnehmen. Eher, weil man weiß, dass man nur zu Gast ist und das alles eigentlich nicht hat, was die anderen da gerade haben.

Daran hat niemand Schuld, versteht das nicht falsch. Aber wenn sich ein mit mir befreundetes Paar oder eine mit mir befreundete Familie gegenseitig beschenkt und so innig miteinander ist, wird es einem besonders bewusst, dass man selbst eben diese Art von Familie einfach nicht mehr hat. Ja, ich weiß: Darüber jammere ich schon lange, aber ich kann es nicht ändern, weil ich ja irgendwie die Situation auch nicht ändern kann.

Es ist der 24. Dezember, aber nicht mehr lange. Ich habe den Tag genutzt, um vormittags nochmal einkaufen zu gehen. Eigentlich fehlte mir im Haus nichts, von Getränken abgesehen. Irgendwie bin ich dann im Discounter meines Vertrauens doch eskaliert. Ich bin kein großer Frühstücks-Mensch eigentlich. Zumindest nicht, wenn ich alleine bin. Aber irgendwie hab ich mir Aufschnitt, Braten und Käse und Nutella und Fleischsalat und Leberwurst und Brot und Rosinenstuten und Aufbackbrötchen gekauft, als hätte ich hier ein gefräßiges Rudel Wölfe sitzen.

Jetzt stehe ich da mit meinem ganzen Frühstückskram und meiner Turnierportion Kartoffelsalat. Ich bin augenscheinlich schlecht, was Mengen angeht. Jedenfalls reicht der Kartoffelsalat auch für eine ganze Meute. Ich bin aber keine Meute, nur ein verfressener Typ, der jetzt tagelang allein zuhause sitzen wird. Für meine Verhältnisse hab ich sehr, sehr wenig in die sozialen Medien geschaut. Ich will einfach nicht sehen, wie Eure Weihnachtsbäume aussehen, Eure Geschenke, Eure Festtagsbraten und Eure glücklichen Gesichter.

Mit Geschenken hab ich es ja nicht so, was mit daran liegen dürfte, dass ich es nicht so mit Weihnachten habe. Null Geschenke erhalten, null Geschenke gemacht. Das ist immer hin ein solides, ausgeglichenes Konto. Zum Glück bin ich pleite genug, dass eigentlich auch schon längst niemand mehr erwartet, dass ich ihm irgendwas schenken könnte. Vermutlich bewahrt mich das davor, dieses Thema immer wieder anschneiden zu müssen. Da sind sie schon wieder, die schweren Gedanken. Vielleicht sollte ich einfach pennen gehen. 30 Minuten einkaufen und zig Stunden Lucifer glotzen – das macht müde.

25.12.2021: In 45 Tagen um die Welt

Frohe Weihnachten to me … Wie fängt man den Tag am Besten an? Mit einem ausgiebigen Frühstück selbstverständlich – schließlich muss ja irgendjemand den ganzen Mist fressen, bevor er schlecht wird. Apropos Essen: In meinen TV-Tag bin ich morgens eingestiegen mit einer Doku über Parmigiano. Man kann nie genug über Käse wissen. Zum Glück bin ich dann beim Weiterzappen direkt in einer Doku über Buddy Holly gelandet. Es kamen reihenweise Kurzdokus über verstorbene Künstler. Die Reihe ging dann über in Dokus über noch lebende Künstler.

Über diesen Künstler werde ich demnächst auch mal ein paar Zeilen schreiben müssen!

Die von Mick Jagger hab ich mir angeschaut, bei der über „die Legende Nena“ war ich dann natürlich raus. Zeit, um wieder in die ZDF-Mediathek zu wechseln. Mir fehlten da nämlich noch drei Teile der Serie „In 80 Tagen um die Welt“. Absolut sehenswert und toll gemacht. Erinnert mich an die alten Weihnachtsserien im ZDF. Ihr wisst schon: Silas, Jack Holborn, Patrik Pacard usw.

Das ließ mich wieder daran denken, dass ich ja vor exakt zwei Jahren auch meine eigene kleine Weltreise hatte. Es verschlug mich zwar „nur“ nach Asien, aber wenn ich allein nach Taiwan fliege, fühle ich mich immer noch wie ein kleines Kind, das auf einmal ganz allein raus muss in die große Welt. Ich bin so heilfroh, dass ich das hintereinander bekommen habe und mir Palle die Chance gegeben hat zu diesem irren Trip.

Wir sind dort direkt nach unserem Treffen weitergeflogen nach Indonesien. Dort stand erst Bali auf dem Programm, dann die Komodo-Inseln und dann wieder Bali, bevor es zurückging nach Taiwan. Dort hatte ich eine Zeit in der Hauptstadt Taipeh, dann ging es an die Ostküste zu einem lieben Freund und zwischendurch verschlug es uns auch für ein Wochenende nach Japan, um Tokio ein wenig kennenzulernen.

Es war keine Erdumrundung, aber schon ein wilder Ritt, der mich da eineinhalb Monate lang durch Asien führte. Den CO2-Fußabdruck mal ganz außen vor, finde ich, dass Menschen generell mehr reisen sollten. Sachen von der Welt sehen, andere Lebensentwürfe kennenlernen, andere Sichtweisen in sich aufsaugen, Kulturen kennenlernen. Würden das mehr Leute machen, würde es uns gesellschaftlich besser gehen, davon bin ich überzeugt.

Diesen Gedanken hing ich jedenfalls heute lange nach, während ich dem unermüdlichen Phileas Fogg dabei zusah, wie er in letzter Sekunde doch noch die Erdumrundung in 80 Tagen absolvierte. Der Rest drehte sich wieder ums Alleinsein. Kein Wunder, schließlich ist das der rote Faden in all meinen Weihnachtstagen seit vielen Jahren.

Auch heute taten mir die sozialen Medien nicht gut. Immer mehr Menschen erklären, dass sie heute besonders an diejenigen denken, die in diesen Tagen alleine sind. Und ja, das ist auch aller Ehren wert. Aber es hilft mir nicht. Es ist genau der gleiche Arschtritt wie die geposteten Weihnachtsbäume, Familienidyllen und Gänsebraten. Weil mich alles immer wieder daran erinnert, dass ich hier eben allein hocke. Alleine mit einer Bruttoregistertonne Kartoffelsalat und einem Blogartikel, der jetzt schon wieder viel zu lang ist.

Hilft aber alles nicht, denn auch am 26. Dezember will ich noch ein paar Gedanken aufschreiben, um das abzuschließen. Wenn dieses Blog-Monster dann live ist, muss ich dringend mal anfangen, meinen Asien-Trip aufzuarbeiten. Kann man ja nach zwei Jahren ruhig mal machen. Erstmal lege ich mich jetzt wieder ins Bett, auch, wenn gerade „erst“ halb zwei Uhr nachts ist. Morgen rede ich dann über Freundschaft. Kein sehr schönes Thema, nicht in diesem Jahr und nicht zu Weihnachten.

26.12.2021: Bald ist es geschafft

Es ist 10.30 Uhr am zweiten Weihnachtstag, damit ist Weihnachten in dreizehneinhalb Stunden vorbei. Immerhin was. Wieso glotzt man eigentlich bis vier Uhr Serien und ist trotzdem um acht Uhr wieder wach? Weiß kein Mensch … Immerhin habe ich schon ein wenig gearbeitet und gefrühstückt. Die Berge aus Aufbackbrötchen und Aufschnitt werden langsam überschaubarer. Den Kartoffelsalat hab ich auch fast geschafft – höchste Zeit, langsam mal über die Köstlichkeit der Herrschaften Coppenrath & Wiese nachzudenken, die noch in den Untiefen meines Kühlschranks schlummert.

Gestern war ein sehr sonniger Tag und ich hab es fertig gebracht, das Haus dennoch 24 Stunden nicht zu verlassen. Heute ist es eher schnödes Grau, aber ich will dieses Konzept mit der frischen Luft dennoch einmal wieder probieren. Nicht nur, weil es meinem Körper gefallen wird, sondern weil ich auch meine Seele besser baumeln lassen kann, wenn ich unterwegs bin, mit Musik auf den Ohren. Und Seele baumeln lassen kann ich gerade echt gut gebrauchen, glaube ich.

Devin Townsend – was für eine Stimme, was für ein Typ, was für ein Charisma

Es gibt Dinge, die dieses Jahr toll gewesen sind, fraglos. Das sage ich, damit Ihr nicht denkt, dass ich undankbar bin oder weinerlich oder beides. Ich bin mir dessen bewusst, dass ich einen tollen Job habe. Dass ich trotz Insolvenz – oder gerade deswegen – weiß, dass es mir in ein paar Jahren besser gehen wird als heute. Und vor allem weiß ich, dass es viele, viele Menschen gibt, denen es noch einmal deutlich schlechter geht als mir. Menschen, die vielleicht in diesem Jahr von der schlimmen Flutkatastrophe betroffen waren und noch sind.

Oder Menschen, die noch einsamer sind als ich, weil sie eben überhaupt keine guten Freunde haben. Und schließlich Menschen, die nicht das Glück hatten, in einem Land wie Deutschland geboren zu werden. Die vielleicht täglich zu einem Brunnen mit Trinkwasser marschieren müssen und die kotzen müssten, könnten sie mir dabei zusehen, wie ich – mit der Zahnbürste als Mikrofonersatz – im Badezimmer Achtziger-Jahre-Hits zum besten gebe, während das Wasser fröhlich weiterläuft.

Ich weiß also, dass es mir objektiv nicht so schlecht geht wie vielen anderen Menschen auf der Welt. Hilft aber subjektiv nichts. Gerade, wenn es darum geht, dass man mit weniger Freunden aus dem Jahr geht, als man reingekommen ist. Ich mag das nicht weiter thematisieren, aber natürlich stelle ich mir in beiden Fällen die Frage, was ich verkehrt gemacht habe. Ist schließlich keine Premiere, dass mir Menschen davonlaufen, die ich im Herzen trage. Und ja, ich behalte die natürlich weiterhin im Herzen.

Das nagt alles an mir, weil meine Freunde der größte Schatz sind, den ich besitze. Meine Qualitätszeit hängt eigentlich nicht mit tollen Events oder schönen Locations zusammen. Es sind die Menschen, mit denen ich unterwegs bin – Events und Locations sind dann ein schönes Extra, was on top kommt. Wünschen wir uns alle gegenseitig Glück, dass wir diesbezüglich in 2022 wieder mehr auf Achse sein dürfen. Mit meinen Freunden Szapi, Pinzi und Ohst sind jedenfalls schon diverse Sausen geplant – hoffen wir, dass daraus was wird und ich so viele von Euch wie möglich im neuen Jahr wiedersehen darf!

27.12.2021: Jetzt mit Volldampf in ein besseres Jahr!

Hach, es ist geschafft! Weihnachten ist vorbei! Klammheimlich habe ich mein alljährliches Grinch-Bild zu Weihnachten bereits vor Tagen schon wieder geändert. Ich glaub auch, dass ich es mal in Rente schicke. Vielleicht, weil meine peinlichen Photoshop-Skills von Jahr zu Jahr peinlicher wirken. Vielleicht aber auch, weil Facebook sowieso immer mehr zu einer Geisterstadt wird mit immer weniger Liebe und Lachen und einem peitschenden Empörungs-Wind, der alles überlagert.

Sei es drum: Weihnachten ist vorbei und das Jahr ist es auch bald. Silvester werde ich das erfolgreiche Konzept „Einsamkeit“ erneut aufleben lassen. Krücke hat mich eingeladen, der gute Kerl. Er feiert im kleinen Kreis und da hätte ich dabei sein dürfen. Will ich aber nicht, weil ich in diesen Zeiten halt vorsichtig geworden bin. Hauptsächlich aber, weil ich zu viel Angst davor habe, mit meiner derzeitigen Stimmung und meinem Schwermut den anderen Dreien die Stimmung zu verhageln.

Außerdem hat mir meine Waage vorgeschlagen, dass ich vielleicht langsam mal wieder eine kleine Alkoholpause einlegen könnte. Damit hab ich bereits angefangen. Sobald ich dann die letzten Kalorien-Unverschämtheiten aus dem Kühlschrank vernichtet habe, sollte dann auch noch eine Fresspause hinzukommen. Ja genau: Mein Trick für 2022 lautet, mit den guten Vorsätzen einfach schon Ende 2021 anzufangen. Wünscht mir Glück, dass ich in 2022 wieder in ein paar meiner T-Shirts mehr reinpasse, als das zuletzt der Fall war.

So, genug geschrieben! Wieder einmal die 2000-Wörter-Marke gerissen. Ich kümmere mich jetzt ums Frühstück, danach schreibe ich noch ein bisschen weiter. An meinem ominösen Buch, welches sicher schon in zehn Jahren fertig ist, wenn ich in diesem Tempo weiterschreibe.

Ich hoffe, dass Ihr Weihnachten bestenfalls mit Euren Lieben und gesund verbringen konntet. Dass es weder zu einsam, noch zu anstrengend war. Noch wichtiger ist aber, dass Ihr hoffentlich alle auch 2022 gesund bleibt, die tollen Menschen bleibt, die Ihr seid – und gefälligst auch jeden meiner Artikel lesen werdet, die ich hier künftig veröffentliche. Auch da hoffe ich, dass es 2022 wieder ein bisschen mehr Action geben wird. Warten wir es mal ab. Also, Ihr Lieben: Kommt gut ins neue Jahr – wir sehen uns!

PS: Danke für all Eure Weihnachtswünsche auf den unterschiedlichsten Wegen. Wieder einmal bin ich abgetaucht und habe so circa niemandem geantwortet. Entschuldigt bitte. Ihr wisst hoffentlich, dass ich Euch dennoch im Herzen habe – und künftig wieder ein bisschen kommunikativer unterwegs sein werde.

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