Die USA: Noch immer ein Sehnsuchtsort für mich

Es ist Donnerstagabend und noch immer warten wir darauf, dass die US-Wahl entschieden wird. Ich schrieb Anfang der Woche einen Appell, der sich an die USA richtet, und in dem ich darum bitte, dass mich diese Nation nicht enttäuscht. Dass sich jenseits des Atlantiks kein Mensch für den Scheiß interessiert, den ich hier auf meinem kleinen Schnucki-Blog schreibe, ist mir schon klar. Dennoch wollte ich mich mit einem Beitrag positionieren und auch erklären, wieso ich so darauf hoffe, dass diese vierjährige Katastrophe nun zu Ende geht.

Ich erwähnte ja, dass ich Joe Biden nicht für einen großartigen Kandidaten halte. Er ist im Grunde der Inbegriff des alten, weißen Mannes, wie sie in der Politik viel zu häufig vorzufinden sind, er hat eine sehr lebhafte Vita, in der auch kritische politische Abschnitte verzeichnet sind und ehrlich gesagt wirkt er auf mich im Kopf auch nicht mehr so frisch wie noch vor Jahren an der Seite von Präsident Barack Obama.

Aber er bringt dennoch alles mit, um die deutlich besserer Alternative zu Trump zu sein. Er poltert nicht, er ist auf Konsens bedacht, er belügt nicht politische Freunde und Feinde in einer Tour und ist natürlich auch nicht so rückwärtsgewandt wie Trump. Mag sein, dass das nicht genug ist, um das wichtigste politische Amt so auszufüllen, wie wir es uns von den Vereinigten Staaten erhoffen, aber es ist ein Anfang.

Anfang ist vielleicht falsch, „Übergang“ passt vielleicht besser. Mit Kamala Harris hat er den lebenden Beweis an seiner Seite, dass die Demokraten eine Zukunft haben, die nicht den muffigen Charme längst vergangener Tage versprüht, sondern durchaus progressiv ausfallen kann. Ehrlich gesagt: Das alles zusammen reicht mir schon, um darauf zu hoffen, dass die USA wieder in die Spur zurückfinden und sich an die Arbeit machen können, dieses Trump-Trauma hinter sich zu lassen. Die Republikaner dürften im Falle einer Niederlage Trumps deutlich mehr Arbeit haben, ihre Identität wiederzufinden.

So sitze ich also hier und hoffe so sehr darauf, dass es Biden wird und da ist mir auch egal, dass er nicht der perfekte Präsident ist, sondern in diesem Fall einfach nur das entschieden kleinere Übel. Währenddessen schlage ich mir vermutlich wieder eine Nacht um die Ohren, die dritte in Folge, und lese nebenher so viele Texte darüber, dass die Vereinigten Staaten so ein zerrissenes Land sind und dass es so oder so hart wird, egal wer dort das Amt tatsächlich übernimmt.

Das ist auch tatsächlich so, davon bin ich überzeugt. Dennoch treffen mich die Kommentare ins Herz, in denen sich angesichts der zwei greisen Kandidaten über dieses wundervolle Land lustig gemacht wird. Ich weiß gar nicht, seit wie vielen Jahren ich dieses Land bereits liebe, aber ich weiß, dass kein korrupter Präsident, kein schauderhaftes Wahlsystem oder gewaltbereite Schwachköpfe das ändern können.

Woher das kommt, kann ich euch noch nicht mal sagen, aber es war schon so, als ich ein kleiner Junge war. Damals, noch in den Siebziger Jahren, dachte sich niemand was dabei, wenn man zu Karneval als Indianer ging. Und ganz ehrlich: Als Kind dachte man auch nicht darüber nach, wie man in den USA mit den indigenen Völker umgegangen ist und man kannte nicht mal den Begriff „indigene Völker“.

Im Park spielte man Cowboy und Indianer und verstand es einfach als zwei verschiedene Teams. So wie bei Räuber und Gendarm, beim Pirat-Spielen oder sonst was. Ich tippe mal, selbst sechs-, siebenjährige Kids werden da heute vermutlich ein wenig anders gebrieft und drauf hingewiesen, dass eine Stammestracht der amerikanischen Eingeboren keine wirklich herausragende Kostüm-Idee ist.

Aussicht im Valley of Fire State Park

Aber wie gesagt: Die Siebziger waren da noch anders und so genoss ich nicht nur das Spielen, sondern auch die typischen Western im TV. Man saß sonntags nach Kaffee und Kuchen mit der Familie zusammen und schaute sich diese Filme an. Ob diese sagenhaften Kulissen in den Filmen tatsächlich Arizona oder Texas waren, oder jugoslawische oder südspanische Landschaften, interessierte natürlich auch keinen Sack.

So sah man also den Helden hoch zu Ross durch die endlose Prärie pfeffern und wünschte sich, doch nur einmal selbst dort sein zu dürfen. Natürlich, ohne am Marterpfahl zu enden oder beim Duell auf der staubigen Hauptstraße niedergeschossen zu werden, is klar.

Ich wurde älter, näherte mich mit großen Schritten der Pubertät und natürlich verschoben sich die Interessen. Anstelle von Western schaute ich mittlerweile lieber US-Komödien, die Mitte der Achtziger ihren Höhepunkt hatten, meiner Meinung nach. L.I.S.A. – der helle Wahnsinn, Breakfast Club, Ist sie nicht wunderbar?(Partnerlink), Die schrillen Vier auf Achse, Ferris macht blau, Pretty in Pink — dazu die mal mehr und mal weniger Filme mit Michael J. Fox, allen voran natürlich die „Zurück in die Zukunft“-Filme, Teen Wolf, High School USA — es sieht rückblickend so aus, als haben mich John Hughes und Michael J. Fox im Alleingang durch die Pubertät gebracht, sozialisiert und auch mein Bild der Vereinigten Staaten geprägt.

Dazu noch die Police-Academy-Streifen, Rocky- und Rambo-Filme, Top Gun, Ghostbusters und viele mehr, ebenso unzählige TV-Serien (Magnum, Miami Vice usw) und nicht zuletzt natürlich auch die vielen legendären Bud Spencer- und Terence Hill-Filme, die oftmals in den Staaten spielten. Man kann also locker konstatieren, dass ich als Jugendlicher nicht nur deutlich zu viel vor der Kiste gehangen habe, sondern auch tagtäglich auf die USA geblickt habe.

Jetzt könnte man mir vorwerfen, dass ein Bild, welches man sich hauptsächlich durch den Konsum von Quatsch-Filmen macht, eventuell nicht so richtig die Wirklichkeit abbildet. Guter Punkt, zweifellos. Dennoch glaube ich, dass man dieses große und stolze Land durchaus auf diese Weise kennen lernen konnte, zumal das Internet als bessere Alternative auch noch nicht vorhanden war.

Ich bekam einen Eindruck davon, dass dort viele Dinge anders liefen als bei uns, egal ob es die großen Autos, die schnuckeligen Vorstädte, die riesigen Supermärkte mit Produkten in ebenso riesigen Packungen, die kitschigen Weihnachten und die coolen Häuser waren, in denen meine Film-Helden da stets wohnten. An dieser Stelle überlege ich mir, mal einen Artikel zu schreiben, in dem ich all diese Filme aufliste, die meine Jugend begleitet haben, aber das nur am Rande ^^

Man bekam damals auch ein Gefühl dafür, dass es als Schüler durchaus hart sein konnte. In fast all diesen High-School-Filmen gab es die beliebten Sportler und die schönen Reichen, auf der anderen Seite die Streber, die Armen und andere Ausgegrenzte. Auch in dieser Richtung bekam man also durchaus mit, wie dieses Land tickte bzw. funktionierte. Ich war nie der Held in meiner Klasse, wurde zwischendurch selbst gemobbt und von daher auch lange in dieser Außenseiter-Rolle — klar, dass man sich dann damit gut identifizieren kann.

Aber zumindest in den Filmen ging es ja immer gut aus. Mein amerikanischer Traum war es nicht, dass es dort jeder schaffen kann, vom Tellerwäscher zum Millionär. Nein, mein Hughes-geprägter amerikanischer Traum war es, dass der mittellose maximal mittelgut aussehende Außenseiter von den Reichen, Beliebten anfangs gemobbt wird und nach 90 Minuten am Filmende dennoch mit dem schönsten Mädchen der Schule nach Hause geht.

Aber genug zu Filmen und meiner eigentümlichen Art, Dinge über andere Länder zu lernen. Tatsächlich habe ich mir früher auch oft Bücher ausgeliehen. Natürlich so Sachen wie Drei Fragezeichen oder ähnliches, aber ich trieb mich auch sehr gerne in der Abteilung herum, in denen diese fetten Nordamerika-Schinken standen. Vieles habe ich ausgeliehen, aber gerade diese riesigen Bildbände konnte man damals nicht ausleihen, sondern nur vor Ort lesen. So kam es also, dass ich so manchen Nachmittag in der Leihbücherei verbrachte und mich durch diese Bildbände ackerte.

Ich schaute mir diese wundervollen Rocky Mountains an, lernte Meile für Meile die Route 66 kennen und erkannte diese unglaublich großen Unterschiede der verschiedenen Regionen, wenn man sich Bilder von beispielsweise New York, New Orleans oder Venice Beach anschaute. Ich träumte davon, all das selbst mal mit eigenen Augen sehen zu dürfen, am besten auch in Form eines Road Trips, schön von der Ostküste bis zur Westküste. Übrigens träume ich von diesem Road Trip heute noch. Witzigerweise waren es dann meine Heroen aus Basildon, die nicht nur in Pasadena; Kalifornien ihr „Concert for the Masses“ spielten, sondern in der Folge auch noch den Konzertfilm 101 veröffentlichten, indem all das zusammenkam, was damals mein Leben prägte: Fans meiner absoluten Lieblings-Band feierten und reisten quer durch die USA — ein Traum!

Wo wir schon beim Thema Musik sind: Auch die sorgten dafür, dass sich meine Begeisterung für die Vereinigten Staaten verfestigte. Ich weiß noch, wie ich damals den Mädels damals in ihre Büchlein auf die Frage nach den Lieblingskünstlern immer das selbe schrieb:

  • Lieblings-Band: Depeche Mode
  • Lieblings-Sänger: Bruce Springsteen
  • Lieblings-Sängerin: Madonna

Meine Depeche-Leidenschaft habe ich vermutlich schon mal hier und da thematisiert, das mit Bruce Springsteen und Madonna eher selten. Tatsächlich hab ich die beiden so ab 1984/85 unendlich gerne gehört, zusätzlich liefen bei mir jeden Sonntagabend die US-amerikanischen Billboard-Charts. Die sahen komplett anders aus als die Charts in Deutschland oder UK und prägten mich damals musikalisch durchaus mit.

Kleine Info am Rande: Jetzt gerade, wo ich den Artikel weiterschreibe, ist es Freitagabend und Biden hat mittlerweile sowohl in Georgia und Pennsylvania die Führung übernommen. Das ist nicht final und im Grunde hat es auch nichts mit diesem Beitrag zu tun, aber ich erwähne es der Vollständigkeit halber 😉 

Also, weiter im Text: Ihr wisst jetzt also davon, dass ich mir so sehnlichst wünschte, all das mal irgendwann selbst sehen zu können. Die Außenseiterrolle, in die ich mich manövrierte und ein nicht gerade mit prallen finanziellen Mitteln ausgestattetes Elternhaus ließen mich daran zweifeln, ob es jemals dazu kommen würde, dass ich dieses Land selbst zu sehen bekomme.

Passend dazu muss ich euch jetzt einen Song von Truck Stop vorspielen. Wir machten damals oft Familienausflüge mit dem Auto an Sonntagen. Manchmal fuhren wir einfach nur durch die Gegend, manchmal besuchte man aber auch irgendwelche schönen Städte oder Sehenswürdigkeiten. Wenn wir Kinder Glück hatten, lief RTL und somit die Musik, die ich auch zuhause viel hörte – 80s Charts-Radio halt. Mit etwas weniger Glück entschieden sich meine Eltern für ihre eigenen Tapes. Auch da konnte man Glück haben, wenn sie sich beispielsweise für ABBA entschieden. Man konnte auch Pech haben und es gab stundenlang irgendwelchen Hawaii-Gitarren-Scheiß. Irgendwo in der Mitte lag irgendwie diese Truck-Stop-Cassette. An viele Lieder gewöhnte man sich mit der Zeit und konnte sie sogar mitsingen, Songs wie „Easy Rider“ bedienten aber sogar recht gut meine USA-Sehnsucht.

Chicagos Skyline vom Chicago River aus gesehen

Aber es gab auch einen Song, der „Amerika“ heißt. Darin singt er von einem kleinen Jungen, der so wie ich von den USA träumt, der im Laufe des Jahres aber diesen Traum aus den Augen verliert und sich irgendwann eingestehen muss, dass er irgendwie gar keinen Grund mehr hat, Amerika zu sehen zu bekommen.

Ich hatte echt Schiss, dass es mir ebenso ergehen könnte. Ein wenig scheint mir so, dass sich das wie ein roter Faden durch mein Leben zieht: Selbst über die schönsten Dinge kann ich mich nicht vorher richtig freuen, weil ich viel zu viel Schiss davor habe, dass es nicht klappt. Das war so vor meinem ersten Depeche-Konzert, vor meinen ersten Reisen ins Ausland und bei tausend anderen Gelegenheiten, die ich jetzt nicht aufzählen will.

Ich glaube, es war schon Anfang der Neunziger, als eine liebe, damalige Freundin eine Gastschülerin aus den USA bei sich aufnahm. Steph kam aus Litchfield, einem kleineren Kaff in Minnesota, knapp 70 Meilen von Minneapolis entfernt. Wir verstanden uns großartig und unternahmen oft was zusammen, wurden sehr schnell Freunde (so gut, wie das in der Zeit klappt, die wir hatten).

Am letzten Abend regnete es — so wie es sich gehört bei jedem vernünftigen, traurigen Abschied. Sie gab mir einen Kuss und ich erinnere mich noch gut daran, dass ich das ungefähr so feierte, als hätte ich im Alleingang die diplomatischen Beziehungen unserer Nationen auf ein neues, höheres Level gehievt. Und ja, ich machte mir tatsächlich damals Gedanken darüber, dass das mein erster Kuss von einem nicht-deutschen Mädchen war — für mein damaliges Ich, das noch nicht viel von der Welt gesehen hatte, war das damals eine große Sache 😀

Damals machte ich das, was ich oft machte: Ich schrieb ein Lied in haarsträubend schlechtem Englisch und begann eine Brieffreundschaft mit ihr. Auch das machte man damals noch. Irgendwie zerbrach diese Freundschaft dann später. Die oben erwähnte liebe Freundin ging nämlich für ein halbes Jahr in die USA und lebte dort bei Stephs Familie. Ich war ziemlich in diese Freundin verknallt (was ich ihr natürlich nie sagte) und fühlte mich ziemlich betrogen, als sie mir verkündete, dass sie einfach mal ein halbes Jahr weg sein würde (oder sogar ein ganzes Jahr? Ich weiß es nicht mehr) Na ja, richtig betrogen fühlte ich mich erst dann, als sie mir in einem Brief mitteilte, dass sie dort jetzt einen Freund habe. Verdammtes Miststück, haha 😀 Und ja, auch darüber schrieb ich wiederum einen Song in haarsträubend schlechtem Englisch. Gut möglich, dass ich ihn Ohst nächstes Mal unterjuble, wenn wir wieder zusammen dazu kommen, einen gemeinsamen Song aufzunehmen 😉

Arizona aus dem Hubschrauber

Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Ach ja: Steph erzählte mir natürlich viel von ihrer Heimat und wie ihr Leben so ist, auch meine damals gute Freundin hatte viel zu berichten, nachdem sie zurückkehrte und all das festigte sowohl mein Bild von dem Land als auch meinen Wunsch, das endlich alles mal selbst zu sehen.

Spoileralarm: Es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis ich es wirklich in die USA schaffte. Es war 2012, als mich mein Blog-Mentor Sascha Pallenberg für meine gute Arbeit belohnen wollte, die ich in meiner Freizeit damals für sein Blog machte (damals noch Netbooknews). Also gab es für mich die Möglichkeit, auf Einladung von Samsung und zusammen mit meinem guten Freund Caschy zur CES zu fliegen — nach Las Vegas!

Ich weiß noch genau, wie sehr ich aus dem Häuschen war und bei der Immigration wäre ich vermutlich allen am Liebsten um den Hals gefallen: Ich hatte es tatsächlich in die USA geschafft, wenngleich mir natürlich klar war, dass Las Vegas dieses Land so gar nicht abbildet. Dennoch: Die großen Autos, die unanständige Auswahl an Burger-Restaurants und all das deckt sich wohl mit dem Rest des Landes 😉

Eine meiner ersten und nach wie vor schönsten Erinnerungen an diesen Trip: Caschy und ich sitzen vor irgend so einem Store und fressen Beef Jerky, labern vermeintlich kluge Sachen und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein, während wir dem Treiben auf dem Las Vegas Boulevard zuschauen. Auf dem Bild sieht man einen nicht so bevölkerten Teil im Norden des Boulevards. Dort sieht es weniger nach Disneyland aus und mehr nach USA irgendwie. Und ich merke, wie mir direkt beim Anschauen des Bildes wieder angenehm warm auf der Haut wird: Es war Anfang Januar und wir konnten dort im Shirt draußen rumhängen – ein reines Träumchen.

Allein in Las Vegas war ich jetzt fünf mal, wenn ich mich recht entsinne. Dazu kommt noch ein Trip nach San Francisco und einer nach Chicago. Gelegenheiten genug, um den ein oder anderen Haken auf meiner persönlichen Bucket List zu machen, aber noch deutlich mehr ist offen. Ich könnte jetzt noch jede Menge Geschichten erzählen über diese Trips, was wir dort getrieben haben und was es dort zu sehen und zu erleben gab. Werde ich auch machen — in anderen Beiträgen zu einer anderen Zeit. Da werde ich dann auch berichten, wie viel mehr Las Vegas eigentlich zu bieten hat. Es ist eine reine Plastikstadt mit viel Bling Bling und mehr Schein als Sein — aber nur ein paar Autominuten weiter landet man in ganz wundervollen Landschaften, die dem schon recht nahe kommen, was ich seinerzeit in diesen Fotobänden gesehen habe. Aber wie gesagt, davon erzähle ich ein anderes mal.

Im Grand Canyon

Zwischen den Achtzigern und meinem ersten Besuch in den USA habe ich natürlich viel über die USA und die Menschen dort lernen können, auch ohne dort zu sein. Neben dem wunderschönen Land lernte man vor allem viel über die Art der Leute dort. Man ist ein wenig unverbindlicher als hier, aber auch weniger verbissen. Es kann Dir passieren, dass Dir ein US-Amerikaner, den man zufällig auf der Straße trifft, nach einem zweiminütigen Gespräch bereits anbietet, ihn doch mal ein paar Tage besuchen zu kommen. Das ist furchtbar freundlich, aber oft auch nicht wirklich verbindlich — sagt in so einem Fall also vielleicht einfach nicht direkt zu 😉

Ich, wie ich Freunde finde auf dem Vegas Strip 😀

Aber mir ist aufgefallen, dass die Menschen in der Regel sehr herzlich sind. Dazu muss ich sagen, dass die Amerikaner, die ich bislang getroffen habe, sehr oft ebenfalls Blogger sind oder in Tech-Unternehmen oder PR-Agenturen arbeiten, weshalb man davon ausgehen darf, dass diese eher open-minded sind als irgendwelche Hinterwäldler und Rednex. Aber nichts destotrotz: Leute unterhalten sich nett mit einem, egal ob man sich im Fahrstuhl begegnet oder an der Supermarktkasse steht. Das gefällt mir so gut, dass ich versucht habe, das auch in meinem Alltag so zu tun. Hin und wieder funktioniert das auch, manches mal wird man aber auch schräg angeschaut, wenn man grundlos Leute anquatscht in der Supermarktschlange.

Worauf ich hinaus will: Seit ich ein kleines Kind bin, interessiere ich mich für das Land und für seine Leute. Mit den Jahren merkt man natürlich, was dort nicht stimmt und was im Endeffekt dazu führen konnte, dass so jemand wie Trump Präsident werden konnte. Aber all das, was man völlig zu Recht an den USA kritisieren kann, ändert nichts daran, dass es dort ganz wundervolle Menschen gibt und das Land für mich nach wie vor eines der schönsten und spannendsten ist auf diesem Planeten.

Suburbia – Rosemont in der Nähe vom O’Hare Airport in Chicago

Deshalb bricht es mir manchmal das Herz, wenn ich immer und immer wieder in Kommentaren lese, dass es den US-Amerikanern recht geschieht, wenn dort so eine Luftpumpe regiert — oder jetzt ein recht greiser Kandidat folgt, der zumindest physisch den Eindruck macht, manchmal nicht mehr ganz auf der Höhe zu sein.

Durch die Musik, durch meine Arbeit und durch alle möglichen Begebenheiten hab ich über die Jahre so viele tolle Menschen aus den USA kennenlernen dürfen, dass ich das niemals so unterschreiben könnte — selbst, wenn 70 Millionen jetzt wieder diesem Irren ihre Stimme gegeben haben. Wir müssen dringend besser differenzieren lernen und das gilt eben auch für die USA.

Aus alter Verbundenheit und als Resultat meiner langjährigen Leidenschaft für „The Land of the Free“ hoffe ich jetzt, dass Biden schnellstmöglich als neuer Präsident bestätigt wird, dass er ohne Zwischenfälle das Amt im Januar übernehmen kann und dass sowohl Republikaner als auch Demokraten zu alter Stärke zurückfinden. Dazu gehört, dass man wieder freundschaftlicher miteinander umgeht und die Bevölkerung eint, statt sie zu spalten.

Wir dürfen nie wieder so abhängig von den USA werden, wie es mal der Fall war. Aber die Vereinigten Staaten werden hoffentlich noch sehr, sehr lange ein wichtiger Partner und Freund Europas sein — und ich wünsche mir, dass ich wieder mehr auf die positiven Aspekte Amerikas blicken kann, ohne Bauchschmerzen zu bekommen. Und natürlich wünsche ich mir, noch viele Male ins Land zurückkehren zu können, um mir so viele Locations anzuschauen, die ich noch nicht sehen konnte und noch viele der Menschen dort kennenzulernen.

 

… und ja, alle Fotos im Artikel sind natürlich von mir 🙂