Roxette: In Gedenken an Marie

Vorweg: Keine Bange — ich werde mich jetzt hier nicht tagtäglich an verstorbenen KünstlerInnen abarbeiten. Gestern war halt der vierzigste Todestag von John Lennon, heute ist der erste Todestag von Marie Fredriksson, berühmt geworden als eine Hälfte des schwedischen Duos Roxette. Gerade Krebs-Schicksale gehen mir immer besonders nahe und wie bei meiner Mama hat auch Marie sehr lange gegen den Krebs gekämpft, ihn zwischenzeitlich verdrängt und erlag ihm dann dennoch am 9. Dezember 2019.

Vermutlich wäre das heute an mir vorbeigegangen, aber Maries Band-Mate Per Gessle erinnerte heute mit einem Instagram-Posting an die tolle Künstlerin.

Außerdem veröffentlichte er in Gedenken an Marie eine Playlist auf Spotify mit ihren Songs, wobei es sich sowohl um Roxette-Nummern handelt als auch um Songs ihrer Solokarriere. Diese Playlist findet ihr hier.

Bei mir haben es Roxette nie zur Lieblings-Band gebracht. Ich glaub, das liegt daran, dass mir manche ihrer Songs einfach ein bisschen zu fröhlich waren. Ihr Album Joyride besaß ich dennoch und vor allem die melancholischeren Nummern hatten es mir schwer angetan. Ich weiß nicht, ob man den Schweden irgendwas besonderes in den Kaffee kippt oder woran es sonst liegt, aber aus dem skandinavischen Land kommen erstaunlich viele großartige Pop-Songs. Auch Roxette bildeten da keine Ausnahme und Songs wie „Spending my Time“ trage ich seit damals fest im Herzen. Bei der Komposition hat man jedenfalls ganz nach oben ins Perfekter-Pop-Song-Regal gegriffen — dahin, wo sonst die ABBA-Songs stehen.

Das Video zeigt Roxette 1991 bei der legendären Pop Show mit Peter Illmann, die (fast) alljährlich in Dortmund stattfand. Depeche Mode waren nicht zugegen, wir hingegen schon. Wieder einmal schlichen wir uns durch die Katakomben in die Westfalenhalle und konnten wieder mal bei den Proben dabei sein und uns viele Künstler anschauen. Dazu gehörten damals eben auch Roxette, die damals echt Superstar-Status innehatten.

Dann steht man dort als zwanzigjähriger Kerl in einer fast menschenleeren, riesigen Westfalenhalle, steht bequem vorne an der Absperrung und auf einmal steht diese wunderschöne Frau fünf Meter vor Dir und die ersten Töne von „Spending my Time“ erklingen. Logisch, dass ich noch Wochen später sicher war, dass sie den Song nur für mich gesungen hat. Es war jedenfalls ein unglaublich schöner Moment, weil in diesem Augenblick einfach mal wieder alles passte. Und hey: Blickkontakt mit Marie — jeder Zwanzigjährige würde von diesem Moment heute noch zehren.

Damals war sie 31 Jahre alt, bereits elf Jahre später war sie krebskrank — Hirntumor. Ich weiß nicht, ob der Krebs jemals komplett verschwunden war zwischenzeitlich, aber zumindest ging es ihr gut genug, um sowohl Solo als auch mit Roxette weiter Alben aufzunehmen und 2011 ging es sogar nochmal auf große Tour. Die nächste Tour 2016 musste dann aber wegen ihres Gesundheitszustands abgesagt werden und Marie verkündete damals, dass sie nie wieder auf der Bühne stehen würde. Weitere drei Jahre später schließlich erlag sie diesem Krebsleiden.

Ich sagte es ja, dass ich die melancholischeren Songs von Roxette immer am meisten mochte. Deswegen möchte ich auch zum Schluss noch so einen Song verlinken hier. „The Sweet Hello, The Sad Goodbye“ sollte eigentlich auch auf das Album „Joyride“, stattdessen wurde es dann aber später von Thomas Anders als dessen Solo-Single veröffentlicht. Danach gab es dann — exklusiv in Schweden — auch die Roxette-Version dieses wunderschönen Pop-Songs.

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