… und dann bleibt einem einfach mal die Spucke weg

Anstrengender Tag war das — bzw. ist das. Ich schlafe katastrophal im Moment. Bilde mir zwar ein, dass es langsam besser wird, weil auch meine Birne zuletzt mehr zur Ruhe kommt, aber dennoch bin ich zu lange auf, zu früh wieder auf — und zu oft dazwischen wach. Der Arbeitstag war dann wieder ein ereignisreicher und ich freu mir ’nen Arsch ab, dass mein Artikel so super funktionierte, weit über 100 Menschen kommentierten und ich freu mich fast sogar noch mehr über die Interaktion mit meinen Kollegen.

Danach dann fiel ich aber erst mal in eines dieser Müdigkeits-Löcher. Ich musste mich wirklich aufraffen, noch was zu tun, denn ich wollte ja heute schließlich anfangen, mein neues Homeoffice einzurichten. Das sieht schon alles geil aus, fühlt sich geil an und ich merke jetzt schon beim Tippen — ja, das ist hier das Erste, was ich auf dem neuen Rechner schreibe — wie viel produktiver man hier sein wird in Zukunft, als ich es die letzten Jahre so gewohnt war.

Aber es ist heute nicht nur die Müdigkeit, gegen die man ankämpft. Der Corona-Irrsinn macht einen eh jeden Tag wahnsinnig und da vor allem, wie dumm sich manche Menschen anstellen. Dazu kam dann aber auch, dass man gerade, wenn man wieder ein wenig mit der Konzert-Connection (Szapi, Ohst, Pinzi) kommuniziert, einen die Wehmut packt. Ich vermisse die Leute, ich vermisse die lustigen Wochenenden, ich vermisse Konzerte und ich vermisse, Musik mit Menschen zusammen genießen zu können. Mir war schon vor meiner Pubertät klar, dass Musik immer einen großen Stellenwert für mich haben wird, aber es ist eben nicht nur die Musik an sich, sondern auch das ganze Drumherum — und es sind natürlich die Freunde, die fehlen.

Neben dieser Depeche-Bubble, die aus meinen drei oben erwähnten, perfekten Konzert-Wingmen besteht plus noch so viel mehr Menschen, habe ich dann natürlich auch noch die Ruhrpott-Außenstelle Nord nahe Bremerhaven. Caschy und ich haben die besten YouTube-Playlist-Trinken-Quatsch-Reden-und-nebenbei-die-Probleme-der-Welt-lösen-Runden, die man sich vorstellen kann. Auch hier wieder: Musik ist immer dabei und all das fehlt und du bekommst es auch nicht kompensiert, indem du hier für dich allein im stillen Kämmerlein die Lieblingslieder hörst.

Als wäre das Vermissen, die Müdigkeit und der Corona-Shizzle nicht schlimm genug, beschließe ich dann noch, gechillt zum Feierabend CNN zu glotzen. Die Electoral Votes werden ausgezählt, eigentlich eine Formsache. Dass die Republikaner quer schießen würden, war vorher abzusehen. Was vor den Türen des Capitols stattfinden würde, konnte hingegen keiner ahnen. Oder besser gesagt: Es hofften wohl alle, dass es doch nicht so weit kommen würde in der vermeintlichen Vorzeige-Demokratie.

Zu den Bildern mag ich heute nichts sagen — vielleicht mal morgen oder so. Ihr habt vermutlich auch alle selbst gesehen, was für ein Wahnsinn dort von Trump-Anhängern ausgelöst wurde. Die Irren haben sich tatsächlich bis ins Gebäude reingekämpft und mein Gehirn braucht nicht sehr lange, um sich daran zu erinnern, dass wir neulich — begünstigt von der AfD — auch Volk im Bundestag hatten, das da nichts zu suchen hatte. Da mein Gehirn nicht faul ist, bietet es mir gleich den nächsten Gedanken an: Höcke, der jetzt schon mehr als deutlich macht, dass er komplett auf Trump-Kurs ist, was die kommende Bundestagswahl angeht. Er spricht jetzt schon davon, dass die Corona-Pandemie ein günstiger Anlass für die Altparteien wäre, da man dann verstärkt auf Briefwahl setzen könnte. Seine Meinung zur Sicherheit von Briefwahlen könnte dann 1:1 von Trump übernommen worden sein.

Das lässt mich wieder darüber nachdenken, dass wir diesen ganzen Populisten-Scheiß aus den USA hier im (noch) kleineren Rahmen auch erleben und ich mir nicht ausmalen mag, wie es sowohl in den Vereinigten Staaten weitergeht als auch hier bei uns. Wir müssen irgendwie wieder zurückfinden zu einer Basis, auf der wir gemeinsam mit denen kommunizieren, die anderer Meinung sind. Wir werfen uns gegenseitig Meinungen an den Kopf und hören viel zu selten auf das, was andere sagen und denken. Genügend Menschen interessieren sich auch tatsächlich nur noch für Meinungen, die in der heutigen Zeit anscheinend eine höhere Wertigkeit haben als Fakten. Ich sehe zwar, dass der Himmel schön blau ist, aber da meine Meinung nun mal ist, dass der Himmel grün ist, wird es also auch so sein — basta!

All das bringt mich wieder einmal dazu, dass ich einigermaßen resigniert in die sozialen Medien schaue am heutigen Abend. Ich hoffe, dass es morgen vielleicht schon wieder ein bisschen besser aussieht — zumindest hier in meiner Bubble und in meinem Kopf. Ich kenne so viele hochanständige Menschen und so bewundernswerte Charaktere, so dass ich guter Dinge bin, dass ich morgen vielleicht tatsächlich schon wieder ein wenig positiver in unsere gesellschaftliche Zukunft blicke. Gerade jetzt bin ich aber echt verzweifelt, die Bilder aus Washington haben mich echt getroffen und eine miese Kette an Gedanken ausgelöst.

Vielleicht sollte ich lieber den Fernseher einfach mal ausschalten (zumindest nach Lanz, das ich beruflich schauen muss). Stattdessen werde ich mir dann einfach Musik anmachen. Werde darüber nachdenken, dass ich vielleicht bald wieder mal in Bremerhaven mit einem Bier in der Hand aufs Wasser schaue, werde mit Caschy ganz schlaue Sachen reden, von denen wir schon im Gespräch wissen, dass sie gar nicht so wirklich schlau sind. Und ich werde darüber nachdenken, dass wir in Rodgau das Haus der Ostermanns in eine Partyhöhle verwandeln und nach Vorglühen, Konzert und Nachglühen werden wir dann warten, dass Pinzi wie immer eine Runde Alka Seltzer schmeißt, bevor wir dann müde, aber glücklich und mit Bauchschmerzen vom vielen Lachen ins Bett fallen.

Ich vermisse meine Jungs und das fühlt sich heute Abend mal wieder ziemlich kacke an. Aber ich bin sicher, dass es sich bereits morgen wieder viel besser anfühlt, wenn man gemeinsam über irgendwelche alten Geschichten spricht, die einem vor Augen führen, dass diese Kerle nicht einfach nur komplett irre sind, sondern eben auch noch die besten Freunde, die sich ein Mensch wünschen kann. Was wollte ich nochmal sagen? Ach ja, irgendwas mit Musik.

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