Song der Woche [3]: Journey – Don’t stop believin‘

3:22 Minuten — genau an dieser Stelle, lediglich 48 Sekunden vor dem Ende des Songs, hört man zum ersten Mal den Refrain „Don’t stop believin'“. Damit wissen wir nicht nur, dass die Struktur des Liedes eine sehr ungewöhnliche ist, sondern auch, über welches Lied wir in meiner kuscheligen Rubrik „Song der Woche“ heute reden: „Don’t stop believin'“ von Journey. Generell habe ich ein Faible für Songs, die ungewöhnlich aufgebaut sind und/oder die kreativ mit dem Songtitel umgehen. Dazu reicht vermutlich ein flotter Blick auf meine Lieblingskapelle Depeche Mode. Wer mitzählt, wie oft „Enjoy the Silence“ im gleichnamigen Lied gesungen wird, oder sich ins Gedächtnis ruft, dass „Never let me down again“ lediglich in der Strophe gesungen wird, wird wissen, was ich meine.

Reden wir heute also über diesen US-Rockklassiker der Band, die es schon seit 1973 unter diesem Namen gibt, die vorher allerdings bereits unter dem doch eher sperrigen Namen „Golden State Rhythm Section firmierte. Ihr rockiger Sound entwickelte sich erst mit den Jahren und kommerzieller Erfolg stellte sich auch erst ein, als sich mit „The Voice“ Steve Perry (71) ein neuer Sänger hinters Mikro stellte. Ihr bereits achtes Studioalbum „Escape“ brachte 1981 den großen Durchbruch und landete auf Platz 1 der US-Album-Charts. Der erste Song auf diesem Werk war eben jenes „Dont stop believin'“ und wurde auch als Single ausgekoppelt. Die landete in den Single-Charts in den USA immerhin auf Platz 9, kam auch in die britischen Charts, wo sie Platz 62 belegte, verpasste aber die deutschen Charts.

Liebe auf den zweiten Blick

Diese Zahlen sind vielleicht nicht sonderlich spannend, aber ich wollte sie euch nennen, um euch zu verdeutlichen, dass das Lied zwar eine erfolgreiche Nummer war, aber im Grunde noch meilenweit davon entfernt war, diese Über-Nummer zu sein, die auch 40 Jahre später noch jeder kennt. Falls jetzt ein Einspruch kennt von jemandem, der glaubt, diesen Song noch nie gehört zu haben — hier isser:

Spannend finde ich, dass ich mich persönlich gar nicht daran erinnern kann, wann mir der Song erstmals auffiel, obwohl er mich gefühlt mein ganzes Leben begleitet. Dass ihn heute aber wirklich jeder kennt, entwickelte sich erst über die Jahrzehnte tatsächlich. Viel dazu beigetragen hat die Präsenz dieses Lieds in zahlreichen TV-Serien. Als „Don’t stop believin'“ die finale Szene des Serien-Finales der „Sopranos“ untermalte, vervierfachte sich der Absatz bei iTunes binnen drei Tagen um mehr als das Vierfache und so kam es, dass der Song als erstes Lied überhaupt die Marke von zwei Millionen iTunes-Downloads im Jahr 2008 knacken konnte und als das meist heruntergeladene Lied des 20. Jahrhunderts auf der Plattform gilt.

2009 spielte das Lied auch in der Serie „Glee“ eine große Rolle und die daraus veröffentlichte Cover-Version übertraf sogar den kommerziellen Erfolg des Originals, sorgte aber natürlich ebenfalls dafür, dass diese Nummer ihren Kult-Status verfestigte. Erst wollte ich euch die Glee-Version hier in den Beitrag einfügen, dann dachte ich über die Sopranos-Szene nach, aus der auch mein Artikelbild oben stammt. Schlussendlich überzeugte mich dann aber doch diese hier am meisten 😉

Hört niemals auf zu träumen

Anfangs erwähnte ich ja bereits, dass die Struktur des Songs sehr ungewöhnlich ist. Die Strophe wechselt sich nämlich mit sowas wie einem Pre-Chorus ab, zwischendurch gibt es Instrumental-Parts und erst nach dem Gitarren-Solo hört man eine Minute vor dem Schluss erstmals den Refrain. Das passt aber für mein Empfinden zu dem Text und zur Message, dass man eben nie aufhören soll zu träumen. In den Strophen werden Geschichten von Leuten angerissen, die ihrem großen Traum hinterherjagen — oftmals, ohne zu wissen, wie er tatsächlich aussieht. Und genau so, wie selbst nach einem Leben mit vielen Ups und Downs irgendwann dann doch noch der Traum in Erfüllung geht, ertönt auch der Refrain in diesem Lied an einer Stelle, an der man schon fast nicht mehr damit gerechnet hat, dass er noch zu hören sein wird. Mag aber auch sein, dass ich da zu viel hineindeute 😉

Generell ist der Song natürlich sehr cheesy — sowohl textlich als auch in der sehr eingängigen Melodie. Dennoch wandelt er sich über die vier Minuten von einem schönen, seichten Popsong zu einer fetten Classic-Rock-Hymne zum Ende hin. Die Message, dass man stets an sich glauben soll (was auch den Glauben an die unerwartete Liebe mit einschließt), ist aber eine so universelle, dass dieser Song einfach auch auf jedes Leben und jede Person zu passen scheint. Kein Wunder also, dass so viele TV-Serien den Song nutzen und sich auch Sport-Teams diesen Song als Club-Hymne herausgepickt haben.

Die Nummer passt aber ebenso perfekt auf die Mitglieder der Band selbst. Im Song heißt es an einer Stelle: „Strangers waiting
up and down the boulevard“ und damit ist der Sunset Boulevard in Hollywood gemeint. Dort fragte Keyboarder Jonathan Cain seinen Vater, wie es weitergehen soll, nachdem seine Karriere ins Straucheln geraten war. Sein Vater ermutigte ihn dazu, nie damit aufzuhören, an seine Träume zu glauben — und der Rest ist dann Song-Geschichte.

Vielleicht noch besser passt die Message auf den philippinischen Sänger Arnel Pineda. Der war nämlich Sänger einer Journey-Cover-Band und wurde von der Band selbst in einem YouTube-Video entdeckt und spontan als neuer Leadsänger verpflichtet. Wenn „Don’t stop believing“ auf irgendwen besonders gut passt, dann doch auf denjenigen, der in einer Cover-Band auf der Bühne steht und davon träumt, tatsächlich mal Sänger dieser Band zu sein — und sich dieser Traum tatsächlich erfüllt.

Don’t stop believin‘ – für mich für immer mit Las Vegas verbunden

Sicht aus dem Mandalay Bay Hotel – eigentlich wenig spannende Aussicht auf Parkplätze, aber immer im Blick: Die Berge, die die Wüstenstadt einrahmen

Auch für mich hat „Don’t stop believin'“ eine ganz besondere Bedeutung, völlig unabhängig davon, dass ich diesen Song sowieso schon seit circa immer liebe. Für mich verbindet er nämlich mit den USA und speziell mit Las Vegas. Ich erzählte hier irgendwann mal, dass ich schon als kleines Kind davon träumte, eines Tages mal die USA endlich selbst sehen zu dürfen. Wenn ich jetzt zurückdenke an einen ganz bestimmten Augenblick in dieser Wüstenstadt in Nevada, dann glaube ich, dass ich ihn locker zu meinen Top Ten-Momenten meines immerhin fast 50 Jahre andauernden Lebens zähle.

In diesem Moment saß ich zur Abwechslung mal nicht im Pressezentrum des Convention Center oder in der Samsung Lounge auf der CES, um zu arbeiten, sondern hatte mich bei meinem besten Freund Caschy auf dem Hotelzimmer eingenistet. Wir saßen da — ich glaube, im 28. Stock — und arbeiteten, quatschten natürlich zwischendurch und hörten irgendeinen Rock-Sender im Radio. Alles fühlte sich da einfach perfekt an: Man saß da in einem Luxushotel in Las Vegas — als Blogger! Es war genau dieser Caschy, der da zwei Meter neben mir arbeitete, der sich damals vermutlich fast mehr als ich selbst gefreut hat, als ich bei DHL von Bord ging und von da an selbst Blogger sein würde — so wie er es eben schon längst war. Er hat mir an so manchem bierseligen Abend immer wieder versichert, dass ich diesen Weg irgendwann gehen werde und dann nicht mehr den „Lager-Scheiß“ machen muss — und er sollte eben Recht behalten.

Genau das wird Dir klar, wenn Du eben mit Deinem Buddy bloggend in dieser Suite sitzt, in der Ferne auf die wunderschönen Berge blicken kannst und dann als Krönung tatschlich „Don’t stop believin'“ aus den Boxen dröhnt. Es erfüllt mich gerade wieder mal mit Sehnsucht und Fernweh, weil diese CES natürlich in Pandemie-Zeiten eine andere ist und wir noch gar nicht wissen, ob Tech-Messen dieser Art so jemals wieder stattfinden werden. Aber diesen Moment nimmt mir niemand mehr und diesen erfüllten Traum, das zu machen, was ich als meine Berufung ansehe, ebenso nicht.

Übrigens war ich seitdem mehrmals in Las Vegas und ein oder zwei Jahre nach diesem besonderen Moment lud man uns auf eine Helikopter-Tour in den Grand Canyon ein. Auch dieser Trip hatte einen wundervollen Soundtrack, denn wir trugen während des Flugs ständig Kopfhörer und zwischen den touristischen Infos erklang immer Musik. Ihr könnt euch denken, welchen Song es zu hören gab, als man über den Grand Canyon flog, oder?

Wenn ich jetzt hier sitze und weiß, dass ich nach einem Katastrophen-Jahr bald einen neuen Job antrete und trotz all dem Scheiß sehr gespannt und vorfreudig ins Jahr 2021 blicke, dann ist das für mich ein weiteres Argument dafür, dass wir niemals aufhören dürfen zu träumen! Selbst, wenn ihr den Text für zu platt haltet und den Song für zu kommerziell: Behaltet das dennoch im Hinterkopf, dass an der Message eben was Wahres dran ist.

Quellen: Classic Rock Magazine, Wikipedia, Volksfreund

Lest zudem gerne auch den Beitrag bei Henning Uhle, bei dem mir mal aufgefallen ist, dass der schon zu fast jedem Song einen Beitrag geschrieben hat, zu dem ich mir hier auch Gedanken mache 🙂 

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