Böllerverbot mit Migrationshintergrund

In Zeiten, in denen 80 Millionen Menschen mit einem Fingerschnipp vom Bundestrainer zum Epidemiologen und dann zum Kriegsexperten umschulen, kann ich selbst locker auch mehrere Experten-Rollen übernehmen: Frohes, neues Jahr – hier spricht euer Migrations-Minister, euer Rächer der Rettungssanitäter und euer Pyrotechniker. Euer Drogenbeauftragter, Sozialarbeiter, Jugendschutzbeirat und Euer Patriachats-Papst.

Eine Plage unserer Zeit ist doch, dass wir glauben, zu jedem Thema eine Meinung haben zu müssen. Und ja, ich Affenkopp bin da oft vorne mit dabei, wenn es darum geht, zu einem aktuellen Thema eine Meinung loszuwerden. Vielleicht überschätze ich mich dabei manchmal und halte meine Ansicht für fundierter, als sie tatsächlich ist. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass ich zumindest stets bemüht bin, mir die verschiedenen Seiten/Aspekte eines Problems anzuschauen. Ein Bestreben, das mir echt bei sehr vielen Zeitgenossen abgeht.

Ehrlich gesagt finde ich das Beharren auf der eigenen Meinung auch gar nicht so problematisch. Solange man in der Lage ist sich einzugestehen, dass diese Meinung möglicherweise falsch oder zu unterkomplex ist, oder zu sehr auf Gefühlen statt Fakten basiert. Mit diesem Disclaimer, dass auch meine Meinung natürlich nicht in Stein gemeißelt ist, will ich mich jetzt mal dem Thema nähern, welches in den ersten Tagen des Jahres 2023 die Medien und die Debatten bestimmt: Die Silvesternacht!

Wir alle haben die Bilder gesehen: Feuerwehrleute, die nicht nur an ihrer Arbeit gehindert wurden, sondern mitunter um ihre Gesundheit fürchten mussten. „Feier“-Bilder aus Berlin, die mehr nach Straßenkampf in Donezk statt Party in Deutschlands Hauptstadt anmuten. Anhaltende Diskussionen um Böllerverbote mit Freiheitsfanatikern auf der einen und links-woken-Spinnern wie mich auf der anderen Seite.

Alles, was mich derzeit in der Politik-Landschaft anwidert

Als Erstes müssen wir uns über eine Sache klar werden: Wir reden aktuell über verschiedene Themen. Bis zu den Bildern aus Berlin sprachen wir über Sinn und Unsinn von Silvesterfeuerwerk. Seit diesen Bildern sprechen wir gefühlt nur noch über „Menschen mit Migrationshintergrund“. Das ist schon mal grundfalsch. Dieser Teil der Erkenntnis ist auch keine Meinung, sondern ein Fakt.

Beim Böllerverbot sprechen wir über unsinnigst verbranntes Geld, über Feinstaub, über traumatisierte Geflüchtete und nicht zuletzt über verstörte und traumatisierte Tiere. Bei den Berliner Geschehnissen der Silvesternacht sprechen wir über Kriminalität, über Übergriffe, über Sachbeschädigung und über Attacken auf Rettungskräfte. Wir können diese irrsinnigen Attacken von Jugendlichen/jungen Erwachsenen zweifellos als weiteres Argument für ein Böllerverbot ins Feld führen. Aber wir sollten das tunlichst nicht durcheinander bringen bzw. diese beiden Dinge nicht miteinander verquicken.

Es widert mich an, dass es lediglich ein, zwei Tage gebraucht hat, bis aus einer völlig berechtigt geführten Debatte ums Feuerwerk wieder einmal eine Stigmatisierung von Menschen wurde. Menschen, die das Pech haben, nicht in Deutschland geboren zu sein – oder zumindest nicht so aussehen wie Menschen, die in Deutschland geboren sind. Durch diesen Spin konnte auch jeder konservative CSU-Rudolf lautstark mit einsteigen in die Debatte. Schließlich ist ja nicht er Schuld mit seinen 200 Euro, die er in den Nachthimmel geballert hat. Die Migranten waren’s!!1!

Ist doch super, wenn die Welt so einfach ist, oder? Übrigens funktioniert das Spiel umgekehrt aber ebenso. Wann immer sich Rechte und Konservative nicht entblöden, mit dem Finger auf Zugereiste zu zeigen, finden sich aber auch Menschen mit tendenziell linker Ideologie, die kategorisch ausschließen, dass hier ein Muster auftaucht, das zumindest mit einer bestimmten Herkunft korreliert. Korrelation – merkt Euch das Wort, das wird gleich noch wichtig!

Vorher möchte ich aber noch die Zwischen-Headline erklären. Was ist denn nun das, was Casi in der Politik-Landschaft so anwidert? Dieses Beharren auf der eigenen Ideologie, der eigenen Agenda! Es geht da nur ganz am Rande um Fakten. Man hält das Maul, wenn das Thema unangenehm ist – und man reißt das Maul auf, wenn man glaubt, den schwarzen Peter dem politischen Gegner unterjubeln zu können.

Von der AfD erwarten wir ja eh keine Statements mit Gehalt. Aber auch die Unionsparteien und mitunter die FDP fallen immer wieder unangenehm auf mit Reaktionen, die bestenfalls polemisch sind und sich schlimmstenfalls Rechts anbiedern. Jens Spahn sagte beispielsweise gegenüber dem Portal t-online: „Da geht es eher um ungeregelte Migration, gescheiterte Integration und fehlenden Respekt vor dem Staat statt um Feuerwerk“. Aha, weil irgendein Zaid in Hamburg oder Berlin also Rettungswagen in einen Hinterhalt lockt und mit Raketen beschießt, reden wir nun über ungeregelte Migration und nicht mehr über die Feuerwerks-Geschichte und den konkreten Fall?

Ich schrieb es ja oben schon: Das sind zwei ganz verschiedene Themen. Wir können, nein – müssen beides diskutieren. Aber wir können nicht eine Debatte mit der Begründung beenden, dass wir jetzt den passenden Schuldigen gefunden haben. Wir haben zwei Fragen zu klären:

  • Wieso verballern wir für Milliarden Euro Feuerwerk, wenn wir den Rest des Jahres über zu hohe Preise jammern, das Gesundheitssystem belasten, Tiere und Geflüchtete quälen und der Umwelt damit gehörig in den Arsch treten?
  • Wieso haben Menschen Spaß daran, sich gegenseitig mit Feuerwerk zu attackieren und dabei auch vor Rettungskräften nicht Halt zu machen?

Korrelation vs Kausalität

Über das reine Feuerwerks-Thema mag ich in diesem Beitrag nicht groß diskutieren. Ich möchte lieber darauf eingehen, dass sich sehr schnell viel zu viele Deutsche auf die wahren und vor allem einzigen Schuldigen eingeschossen haben: Eben jene Menschen, die einen Migrationshintergrund haben. Ehrlich gesagt bin ich mit der Bezeichnung „Migrationshintergrund“ auch nicht so richtig glücklich. Ihr könnt mir gerne einen Vorschlag machen, welche Vokabel besser passt.

Die Polizei hat mittlerweile Zahlen geliefert zu den vorübergehend festgenommenen Übeltäter der Silvesternacht: Es handelt sich um 145 festgenommene (und mittlerweile wieder in die Freiheit entlassene) Personen. Von denen waren 45 deutscher Nationalität, die anderen 100 verteilen sich auf 17 weitere Nationalitäten. Hierbei stechen Menschen aus Afghanistan (27) und Syrien (21) hervor.

Aus diesen Zahlen ergibt sich für diejenigen, die von gescheiterter Integrationspolitik reden eine einfache Rechnung: Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund unter diesen Tätern ist entschieden höher als der Schnitt dieser Leute bundesweit. Also kann dieser simplen Logik nach das Problem ja nur damit zusammenhängen, dass diese Menschen ihre Wurzeln in einem anderen Land haben.

Aber nur, weil Zahlen miteinander korrelieren, bedeutet das nicht, dass es auch einen kausalen Zusammenhang gibt. Beispiel: Es hat hier in Dortmund den ganzen Tag geregnet. Abends, als ich Netflix-Serien geglotzt habe, regnete es nicht mehr. Die Korrelation: Je mehr Serienfolgen ich glotze, desto weniger Niederschlag gibt es draußen. Offensichtlich gibt es hier aber keinen kausalen Zusammenhang. Wäre dennoch abgefahren, wenn’s so wäre: Bei meinem Serienkonsum wäre Deutschland dann nämlich ruckzuck verwüstete Einöde, gegen die die Sahara wie ein Feuchtbiotop aussieht!

Worauf wollte ich nochmal hinaus? Ach ja: Und genau an diesem Punkt müssen wir ansetzen und uns genau anschauen, was noch alles korreliert bei den Daten, die uns über die Silvesternacht zur Verfügung stehen. Wir wissen zum Beispiel, dass fast Hundert der 145 vernommenen Personen unter 25 Jahre alt sind. Noch deutlicher: Von 145 sind 140 (!) männlich. Viele von ihnen waren alkoholisiert und/oder standen unter Drogen, wobei es hier keine konkreten Zahlen gibt. Wir haben es hier also im Wesentlichen mit jungen Männern zu tun, die größtenteils alkoholisiert waren und die in vielen Fällen nicht aus Deutschland stammen.

Über Feuerwerk sprechen wir längst nicht mehr, das haben wir ja eben schon festgestellt. Sprechen wir über Alkoholmissbrauch? Oder darüber, was mit der Jugend nicht stimmt? Und was ist mit dem Elefanten im Raum, den irgendwie niemand sehen will: Es handelt sich fast ausschließlich um Männer!

Jetzt müsst Ihr stark sein, meine woken Freunde

Kommen wir zur unschönen Wahrheit, die wir in Deutschland nicht so gerne aussprechen. Zumindest nicht, wenn wir zum aufgeschlossenen, weltoffenen Teil der Gesellschaft gehören:

Ja, es ist nicht von der Hand zu weisen: Jeder Dritte, der von der Berliner Polizei einkassiert werden konnte, kommt entweder aus Syrien oder Afghanistan. Ich weiß es zwar nicht exakt, aber ich würde meinen runzligen weißen Fettarsch verwetten, dass wir

  • a) unter den anderen Ausländern Menschen aus Marokko, Libyen, Tunesien, usw. finden und
  • b) unter den Deutschen Menschen zu finden sind, die den deutschen Pass besitzen und Migrationshintergrund haben.

Wie sieht es da mit der Kausalität aus? Liegt es daran, dass diese Leute aus einem anderen Kulturkreis stammen, einer anderen Religion folgen und eine andere Sprache sprechen? Seht es wie es ist: Egal, wie sehr wir Menschen mit offenen Armen begrüßen und wie sehr wir uns dagegen sträuben, rassistisch zu agieren: Wir müssen das Muster erkennen, das klar vor uns erkennbar ist. Diese Leute – egal, ob Geflüchtete oder hier beheimatete mit Migrationshintergrund – sind mit Masse nicht das, was wir auf Neudeutsch unter „Biodeutschen“ verstehen. Punkt!

Das können wir jetzt erst einmal so stehen- und sacken lassen. Der nette Herr Drees kommt jetzt also auch mit der Ausländer-Keule! Nein, Freunde. So ist es nicht. Obwohl: Ja, ich glaube, dass es einen sehr kleinen Teil dieser Menschen gibt, die tatsächlich anders sozialisiert sind und erzogen wurden. Für die spielt zum Beispiel eine Frau eine untergeordnete Rolle und die haben ein merkwürdiges Bild von „Ehre“. Diese Ehre verteidigen sie lieber sinnlos mit Gewalt, statt darüber nachzudenken, ob man nicht einem kruden Weltbild anhängt.

Aber nochmal: Ich halte das für einen winzigen Teil der auffällig gewordenen Menschen. Sowieso: Ich raffe das nicht, wie man behaupten kann, dass wenige Hundert der vielen Millionen Menschen mit Migrationshintergrund ausreichen, um ein absolutes Urteil über sie alle zu fällen, welches da lautet: Integration der Zugereisten ist in Deutschland gescheitert! Wieso kann das eine schlüssige Bewertung für viele Deutsche sein, während ihnen sowas wie „99 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund leben ein angepasstes, anständiges, voll integriertes Leben in Deutschland“ nicht in den Sinn kommt?

Finden wir echt keine anderen Ursachen? Wenn ich aus Syrien flüchte, hier mit anderen Geflüchteten kaserniert werde, man mir seitens der Bevölkerung viel zu oft deutlich macht, dass ich hier nicht erwünscht bin und ich nicht einmal das Recht habe, mir direkt einen Job zu suchen: Ist das dann das, was man unter „gleiche Bedingungen für alle Menschen“ verbuchen darf?

Und wenn ich mir die Problemviertel anschaue, die es in verschiedenen Ausprägungen in allen größeren Städten gibt: Besteht da vielleicht die Möglichkeit, dass ich als Syrien-Geflüchteter eher dort in einer Mietskaserne lande als beispielsweise im Hamburger Speckgürtel mit eigenem Häuschen? Wann werde ich wohl eher kriminell: Als Sohn einer deutschen Familie in einem schönen Vorort, in dem die Eltern beide ordentlich Knete verdienen und mich aufs Gymnasium schicken – oder doch eher, wenn ich im sozialen Brennpunkt lebe, wo die Gesetze der Straße entscheiden, wie beliebt und wie unversehrt ich bin? Auf der Straße lernt man dann auch, dass man vor seinen Freunden damit punkten kann, möglichst krass gegen die Obrigkeit vorzugehen.

Nur mal so: Der Berliner Bezirk mit dem höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist Mitte (55 Prozent). Dazu gehören die Stadtteile Wedding und Gesundbrunnen. Danach kommt dann Neukölln mit einem Anteil von 48 Prozent. Das ist die Hälfte, Leute! Sozialer Brennpunkt, hohe Kriminalität, Drogen und Alkohol, häusliche Gewalt – kann es sein, dass das der Boden ist, aus dem eine gewaltbereite, übergriffige Saat aufgeht? Oder glaubt Ihr tatsächlich, dass dem Syrer oder dem Afghanen das in die Wiege gelegt wird, mit Raketen auf Mitbürger zu ballern? Also dafür hört man echt zu selten davon, dass sich Leute in Afghanistan oder Syrien mit Silvesterraketen beschießen.

Und wie weiter?

Ich fasse nochmal für mein Fazit zusammen: Jau, die Menschen, die wir in den vielen Videos der Silvesternacht sahen, schienen größtenteils Geflüchtete oder Bürger mit Migrationshintergrund zu sein. Und ja, das darf man erkennen und aussprechen, ohne verdächtig zu werden, Rassist zu sein. Sagt man hingegen, dass die Silvesternacht der Beleg dafür ist, dass Integration in Deutschland gescheitert ist, ist man mit ein bisschen Glück nur ein Populist, mit weniger Glück hingegen ein Rassist.

Das gilt insbesondere dann, wenn man als deutscher Bundespolitiker allen Ernstes die Vornamen der deutschen Täter anfordert. Das entlarvt nämlich ein Weltbild, das allen Menschen hier signalisiert: Scheißegal, wie lange du hier lebst, wie alt du bist, wie gut du in deinem Job bist, wie verwurzelt du mit deiner Familie hier bist – solange Du Murat heißt oder Karim oder Nadira heißt, wirst du niemals wirklich anerkannt sein. Dein Pech, dass du nicht Jürgen, Stefan oder Anja heißt.

Was haben wir jetzt also, wenn wir die Nacht auseinanderbröseln?

  • Täter, die zu weiten Teilen Migrationshintergrund haben
  • Vornehmlich linke Politiker, die sich nicht trauen, das zu benennen
  • Vornehmlich rechte/konservative Politiker, die die Vorfälle billig für ihre Agenda missbrauchen und Millionen bestens integrierte Menschen in Sippenhaft nehmen
  • Täter, die zu oben genanntem Migrationshintergrund vor allem jung, männlich und alkoholisiert waren und ein merkwürdiges Verständnis von „Spaß“ haben.
  • Eine soziale Schieflage in diesem Land, die dafür sorgt, dass Zugereiste, Menschen mit Sprachproblemen, etc. deutlich leichter in ein Leben gepresst werden, welches das Abdriften in Kriminalität begünstigt.

Ich hoffe, dass ihr mich richtig versteht! Ich will nicht Täter schützen oder verharmlosen. Ich möchte auch sicher nicht verhehlen, dass viele von ihnen keine deutschen Wurzeln haben. Stattdessen möchte ich, dass wir erkennen, wo wir anzusetzen haben. Erkennen, dass der gemeine Nenner dieser Leute der ist, dass sie im Problemviertel einer Problemstadt leben und dort eine Problemschule besuchen. Dass sie sich deswegen ungerecht behandelt fühlen, weil sie ungerecht behandelt werden. Versucht mal, als Udo oder als Mustafa einen Job oder eine Bude zu bekommen und ihr wisst, was ich meine.

Diese jungen Männer erleben oft von klein auf, dass sie weniger wert sind als die „richtigen“ Deutschen. Je älter sie werden, desto mehr lernen sie über Vorurteile ihnen gegenüber. Erfahren vom „Racial Profiling“ der Polizei. Verlieren so zuerst den Glauben und dann den Respekt vor der Polizei und vor Behörden allgemein. Irgendwann ist man dann so weit, dass man nicht nur Polizei verachtet, sondern auch Sanitäter, Feuerwehrleute und jeden, den man irgendwie mit diesem Staat assoziiert. Ihr lebt in einer Bubble, in der es als cool gilt, sich gegen diese Obrigkeit zu wenden. Und diese ganze Nummer entlädt sich dann in einer Nacht wie der zu Silvester.

Nochmal: Ich will nichts davon rechtfertigen, oder relativeren. Ich will es erklären. So, wie ich es mir erkläre, dass Leute dahin kommen können, dass sie tatsächlich Feuerwehrleute in einen Hinterhalt locken. Jedes von diesen Backpfeifengesichtern muss im Rahmen unserer Gesetze bestraft werden. „Haha, die haben die aber längst wieder laufen lassen“. Ja, Karl-Uwe, natürlich! Niemand geht ohne Verurteilung in den Bau, weil er Böller auf Leute wirft. Soweit sollten wir uns mit dem Rechtsstaat hoffentlich auseinandergesetzt haben, oder?

Es geht nicht um Migranten. Es geht um Arschlöcher. Wenn wir einen Schritt zurückgehen und uns das große Ganze anschauen, sehen wir nicht nur Migranten mit Böllern. Dann sehen wir auch Reichsbürger mit Allmachtsfantasien, die Regierungen stürzen wollen. Dann sehen wir Rechtsradikale mit straff organisierten Strukturen, in denen sich bewaffnet wird. Wir sehen Querdenker, für die es okay ist, die Köpfe von Regierungspolitikern zu fordern und die tatsächlich glaubten, in einer Coronadiktatur zu leben. Wir sehen Hooligans, die mit schöner Regelmäßigkeit Stadien und Personen zerlegen und ganze Polizei-Hundertschaften Wochenende für Wochenende beschäftigen.

Es ist also eine Gemengelage, in der Probleme wie Clan-Kriminalität, religiöser Extremismus und die soziale Schieflage vieler Menschen mit Migrationshintergrund nur ein kleiner Ausschnitt dessen sind, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Es scheint mir so, als ist die Lunte bei so ziemlich jedem von uns kürzer geworden. Und Leute, die eh schnell mit Schaum vorm Mund herumrennen, die schon lange auf die deutsche Regierung und gegen „das System“ wettern, werden zunehmend gewaltbereiter.

Da wäre die Regierung tatsächlich gut beraten, dass zu adressieren und diese Schwierigkeiten anzugehen. Die Regierenden müssen dafür ganz viele Hebel in Bewegung setzen. Sie müssen dem Bürger – egal, ob irgendeinem Ronny aus Sachsen, oder einem Abdel aus Duisburg-Marxloh – das Gefühl geben, dass seine Probleme ernstgenommen werden. Im besten Falle müssen wir diese Probleme auch nicht nur ernst nehmen, sondern lösen. Leuten muss Gerechtigkeit widerfahren. Im Viertel, in dem sie groß werden, in den Schulen, auf der Straße, in ihren Jobs, auf dem Konto. Hier hat einfach nicht jeder die gleichen Chancen, sich ein gutes Leben zu ermöglichen und an dieser Stellschraube müssen wir drehen.

Machen wir uns nichts vor: Das ist eine Menge Arbeit für die Politik und wird sie für gleich viele Legislaturperioden beschäftigt halten. Da fürchte ich also, dass wir auf keine schnelle Lösung warten brauchen. Was wir alle – also alle, die in diesem Land leben – aber jetzt schon tun können: Wir können einen Moment durchschnaufen, anstatt dem erstbesten Reflex zu folgen. Erkennen, dass Korrelation und Kausalität ganz unterschiedliche Dinge sind und es ein Unterschied ist, ob einige der Migranten Täter sind, oder wir alle Migranten zu Tätern erklären. Wir müssen genau hinhören, was uns die Politiker erzählen. Verkündet Euch jemand für ein sehr komplexes Problem eine sehr unkomplizierte, einfache Lösung, solltet ihr hellhörig werden. Soll heißen: Geht nicht den Populisten in die Falle – egal, aus welcher Partei sie kommen.

Update:

Da ich ja wieder einmal mehrere Tage gebraucht habe, um diesen Text fertigzustellen, hat sich eine etwas andere Lage ergeben. Hier ein paar Zahlen, die der Tagesspiegel verkündet hat:

„Von den 139 Männern und sechs Frauen sind 45 Deutsche, danach folgen 27 Afghanen, 21 Syrer, neun Iraker, jeweils fünf Polen, Türken und Libanesen. Die Liste führt weitere Personen aus Frankreich, Italien, Australien, Indien, Iran, Serbien, Jordanien und afrikanischen Ländern auf.“

Somit haben wir einen exakteren Überblick über all die Menschen, die in Berlin in der Silvesternacht in Gewahrsam genommen wurden. Aber eine andere neue Info ist noch spannender. Darin geht es um eine aktualisierte Aussage der Polizei bzw. um eine spezifizierte Statistik. Die erklärt uns, dass die 145 Personen nicht allesamt durch Übergriffe gegen Polizei und Rettungskräfte aufgefallen sind.

Vielmehr bezieht sich diese Zahl von 145 auf alle Personen, die von den eigens für Silvester eingesetzten Einheiten wegen verschiedener Delikte in der gesamten Stadt festgenommen wurden. Da geht es eben auch um ganz andere Delikte wie beispielsweise Brandstiftung. Das macht es natürlich nicht wirklich besser, verdeutlicht aber nochmal, dass wir die Themen „Böllerverbot“ und Gründe für die hohe Kriminalität unter Menschen mit Migrationshintergrund nicht miteinander vermischen dürfen. Bereinigt bleiben dann noch 38 Personen übrig, die nach Übergriffen gegen Polizei und Rettungskräfte in Gewahrsam genommen wurden. Davon sind zwei Drittel Deutsche.


So viel also nochmal zu diesem kleinen Update. Sorry, dass dieser Text – wieder einmal – scheiße strukturiert daherkommt und ich manchmal vom einen Gedanken zum nächsten springe. Ich bin a) im Kopf gerade scheiße sortiert und b) bildet sich meine Meinung auch immer noch, so dass ich per se noch nicht abschließend für mich die Geschehnisse bewerten kann. Seht den Text also als eine Art „work in progress“.

Was aber feststeht und wovon ich überzeugt bin: Auch hier gilt wieder einmal mein Mantra, dass wir uns bitte einfach nicht wie Arschlöcher benehmen sollen. Und ja: Wer sich jetzt hinstellt und sagt: „Die Ausländer waren’s“, ist faktisch ein Arschloch. Ich bin davon überzeugt: Je früher wir aufhören, Menschen ohne blonde Haare und blaue Augen so anzuschauen, als wären sie potenziell gefährlich und generell weniger wert, desto eher werden wir zu einer Gesellschaft, in der weniger potenziell gefährliche Menschen existieren!

PS: Das Artikelbild soll absichtlich nicht Menschen mit Migrationshintergrund zeigen, oder Feuerwehrleute, die im Einsatz angegriffen werden. Ich will hier nicht auch noch merkwürdige Narrative und Vorurteile bedienen. Daher gibt es ein Bild von Feuerwerk. Hab ich vor Jahren mal auf der Cranger Kirmes geknipst.

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