Die Welt neu denken: Lasst uns mehr wie Maja sein – und weniger wie Thadeusz

Manchmal empfiehlt es sich für einen Blogger oder Autoren generell, dass er nicht seinem ersten Impuls folgt und lieber ein paar Tage verstreichen lässt, bis er einen Text verfasst. Das gilt vor allem dann, wenn einen ein Thema emotional anfasst und man geneigt ist, in dieser Emotion vielleicht einen Rant zu verfassen, der sich nachträglich nicht als die bestmögliche Option erweist.

Als ich neulich ein Interview beim RBB sah, in welchem sich die Ökonomin und Transformationsforscherin Maja Göpel und ihr Gastgeber Jörg Thadeusz gegenüber saßen, war genau so ein Zeitpunkt. Nach dem Interview hatte ich nämlich direkt den Impuls, einen wütenden Text zu verfassen, in welchem ich Jörg Thadeusz mit einem halben Dutzend Flüche belege, einen Katalog an Beleidigungen für alte, weiße Männer abarbeite und ihm schlussendlich fiese Pusteln an den Sack wünsche.

Der Grund ist der unverschämte Stil, in dem er dieses Interview führt. Maja Göpel war zu Gast, um dort über ihren Bestseller Unsere Welt neu denken: Eine Einladung (Partner-Link) vorzustellen. Darin beackert sie ihr Parade-Thema und spricht darüber, wie die Welt von morgen aussehen könnte und sollte und dass wir diesen durchaus komplizierten Umbau nicht als eine Folge von Verboten verstehen sollten, sondern lieber als einen Aufbruch zu neuen Ufern mit ganz vielen Chancen.

Wer mir ein wenig auf Mobile Geeks gefolgt ist, wird wissen, dass ich ebenfalls eine Schwäche für diese Utopie habe, dass wir gerade jetzt in so einer Krise wie der Corona-Pandemie gleichzeitig auch eine riesige Chance haben, diesen Umbau voranzutreiben. Thadeusz hat sich aber für sein Gespräch mit Maja Göpel wohl andere Vorstellungen gemacht.

Allen Ernstes spricht er sie direkt als allererstes darauf an, wieso sie auf dem Cover des Buches nicht lächelt. Unabhängig davon, dass man angesichts der Thematik ganz sicher nicht freundlich lächeln muss, bin ich komplett überzeugt davon, dass er das einen Mann niemals gefragt hätte. Es reihen sich im Laufe des Gesprächs viele Alter-Weißer-Mannigkeiten aneinander und erfreulicherweise ist Maja intelligent, kompetent und schlagfertig genug, um den ganzen Irrsinn immer entsprechend zu kontern und Thadeusz richtig, richtig alt aussehen zu lassen. Wie gesagt: Das Gespräch hat bei mir für mächtig Puls gesorgt, hier könnt ihr es euch anschauen, wenn ihr Bock habt:

Eigentlich hatte ich eine bessere Meinung von Jörg Thadeusz, hab allerdings auch länger kein Interview von/mit ihm gesehen. Lediglich bei den US-Wahlen saß er jüngst nachts in der ARD als Gesprächspartner und wirkte maximal unplatziert. Dass er aber solche rückständigen Positionen vertritt und ein Interview so respektlos führt, hatte ich nicht auf dem Schirm.

Aber wie gesagt: Anstatt jetzt hier einen meterlangen Rant über einen Mann zu schreiben, der es vermutlich einfach nicht besser weiß oder kann, hab ich mich jetzt besonnen, schmeiße obigen Link in die Runde, damit ihr euch selbst eine Meinung bilden könnt und lasse jetzt noch ein paar weitere Links folgen.

Damit versuche ich, das Ganze jetzt lieber ein wenig positiver anzugehen und mich nicht zu sehr auf sein Unvermögen zu konzentrieren, denn ihre fortschrittlichen Ideen und Ansichten haben es verdient, dass man sich mehr darauf konzentriert.

Ihr merkt schon, ich bin Maja-Göpel-Ultra und hab mir daher schon viele Videos mit ihr angeschaut und freue mich jedes mal, wenn sie als Talk-Gast geladen wird, so wie neulich erst bei Maischberger, wo ihr ein Bundeswirtschaftsminister Altmaier auch nicht tatsächlich folgen konnte.

Aufmerksam auf sie bin ich geworden, als sie damals mit anderen Wissenschaftlern in der Bundespressekonferenz saß, also seit Scientists For Future im Grunde.

Wenn ihr selbst nach Interviews und Vorträgen von und mit Maja Göpel schaut, dann findet ihr welche, in denen es wissenschaftlicher zugeht, aber auch sehr viele sehr leicht verständliche. Ich glaube, genau das schätze ich an ihr, dass sie komplexe Themen so aufbereitet, dass auch so ein Wissenschafts-Noob wie ich direkt weiß, was hier Phase ist.

Wir müssen dringend ein paar Dinge ändern und mit „ein paar“ meine ich eigentlich „so richtig viele“. Da werde ich in den nächsten Tagen auch nochmal was zu schreiben. Maja macht jedenfalls immer wieder klar, dass es nicht nur riesige Umwälzungen geben muss, sondern diese auch was absolut Positives sein können. Immer wieder wird die Rettung der Umwelt und die Eindämmung des Klimawandels gegen wirtschaftliche Aspekte aufgerechnet. In Wirklichkeit geht aber eben auch beides zusammen. Man kann den Planeten besser behandeln und das muss nicht zwingend Jobs vernichten, sondern kann auch ganz, ganz viele Jobs schaffen. Ich würde mich freuen, wenn ihr Maja ein wenig zuhört und euch überlegt, was von ihren Gedanken und Thesen zu halten ist. Finde ich zumindest konstruktiver, als wenn ich mich jetzt in einem ellenlangen Text an Thadeusz abgearbeitet hätte. Deshalb jetzt hier noch ein paar Links zu Gesprächen und Vorträgen mit ihr – viel Spaß 🙂

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