Eine Hölle namens Deutschland – Leben in der „Meinungsdiktatur“

Wir Deutsche haben es schon nicht leicht. Wie schlecht es um uns in dieser Pandemie bestellt ist, sehen wir allein schon daran, welcher Unmut sich in den vielen Kommentarspalten und den sozialen Medien Bahn bricht. Viele Deutsche fühlen sich abgehängt, nicht mehr mitgenommen, nicht ernst genommen. Die Politiker-Kaste wirkt für Teile der Bevölkerung entrückt und viel zu weit weg vom Volk, um es noch wirklich verstehen zu können.

Inkonsistente Corona-Maßnahmen und widersprüchliche Signale auf Landesebene bescheren der Regierung massiven Gegenwind. Kein Wunder, dass sich so mancher in unserem Land seiner Grundrechte beraubt sieht und das Gefühl entwickelt, dass sich Deutschland in eine unschöne Richtung entwickelt. Rufe werden lauter, dass man sich ein Deutschland zurückwünscht, in dem es diese ganzen Probleme, die den Protestlern den Schaum  vor den Mund treiben, nicht gibt und in dem es sich dann auch endlich wieder gut leben lässt. Viele Menschen sorgen sich um dieses Land, welches durch die Aufnahme von zahlreichen Geflüchteten gebeutelt wurde, wirtschaftlich aus dem letzten Loch pfeift und nun in der Pandemie auch noch Grundrechte einkassiert. Behaltet speziell diesen letzten Satz im Hinterkopf, ich gehe am Ende des Beitrags näher drauf ein. 

Lasst uns also darüber reden, wie furchtbar sich das Leben in Deutschland gestaltet und was hier alles dringend besser werden muss. Vorher will ich aber noch kurz einen Blick rund um die Welt werfen.

Corona-Pandemie:

Covid-19 in Europa:

In Frankreich durften jetzt erstmals wieder nicht lebensnotwendige Geschäfte unter Auflagen öffnen, zuletzt waren diese Läden im Lockdown allesamt geschlossen. Knapp 52.000 Menschen hat unser Nachbarland bislang an das Virus verloren bei einer Einwohnerzahl von etwa 67 Millionen Einwohnern. Es war den Franzosen bislang erlaubt, in einem Radius von 20 Kilometern um den eigenen Wohnort eine Stunde draußen zu verbringen. Ab sofort sind wieder drei Stunden erlaubt.

Noch mehr Corona-Tote als in Frankreich gibt es in Europa nur in Großbritannien (etwa 58.000) und Italien (55.000). Zum Vergleich: Deutschland beklagt aktuell etwas mehr als 16.000 Corona-Opfer und damit sogar einige Tote weniger als Nachbarland Belgien, welches bei nur 11,5 Millionen Einwohnern ebenfalls über 16.000 Corona-Tote vorweist.

Covid-19 in Amerika:

In nur vier Ländern der Welt sind bislang mehr als 100.000 Menschen dem Virus zum Opfer gefallen, davon befinden sich außer Indien alle in Amerika. Die USA führen weiterhin mit 266.000 Toten, mit gehörigem Abstand folgen Brasilien (172.000) und Mexiko (105.000). Die USA zählt mittlerweile mehr als 13 Millionen Menschen, die sich infiziert haben.

Quellen für die Corona-Zahlen: Johns-Hopkins-University

Ein Blick auf unseren Planeten jenseits von Corona

Natürlich gibt es auf der Erde sehr viel mehr Probleme als nur Covid-19 und wir bleiben zunächst einmal in Nordamerika. In den USA haben durch die Pandemie 22 Millionen Menschen ihren Job verloren, erst die Hälfte konnte in der Folge wieder abgebaut werden. Somit steht das Land aktuell bei knapp 7 Prozent Arbeitslosenquote, nachdem es früher im Jahr sogar über 14 Prozent lag.

Ein soziales Netz wie hier kennt man in den USA nicht. Krankenversicherung gibt es nicht ohne Job, Lohnfortzahlung bei Krankheit ist auch ein Fremdwort und Arbeitslosenhilfe gibt es in deutlich geringerem Umfang als hierzulande nur für wenige Wochen. Zahlen von 2017 zufolge gibt es hochgerechnet rund 48.000 Obdachlose. In 2018 lebten aber allein in Los Angeles in Kalifornien knapp 60.000 Menschen auf der Straße. 3,5 Millionen Obdachlose gibt es insgesamt in den USA — also etwa ein Prozent der Landesbevölkerung.

In den USA gab es im letzten Jahr 195 Drogentote — täglich!! Über 71.000 Menschen also in Summe, so viele wie nie zuvor im Land. In der folgenden Doku über den „Drug on Wars“ lernt ihr den Ort Baltimore kennen, in dessen Ortsteil Sandtown knapp 10.000 Menschen leben. Etwa 95 Prozent davon sind Afro-Amerikaner, etwa 50 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze, also jeder zweite dort.

Detroit — einst als „Motor City“ gefeiert, ist über die Jahre fast zu einer Geisterstadt verkommen. Sie wurde vor wenigen Jahren noch als gefährlichste Stadt der Staaten bezeichnet, mittlerweile haben St. Louis und Baltimore Detroit sogar noch den Rang abgelaufen. Dennoch: Im Schnitt stirbt jeden Tag ein Mensch bei einer Schießerei. Von einst zwei Millionen Menschen sind zwischenzeitlich nur noch 700.000 geblieben, ganze Stadtviertel stehen leer und werden abgerissen. Erst sehr allmählich erholt sich die Stadt wohl wieder, was den logischerweise niedrigen Preisen für Grundstücke und Mieten zu verdanken ist.

Mit harter Politik will man in den USA die Explosion des Drogenkonsums und -handels in den Griff bekommen. Die Folge davon, dass man auch mit minderen Drogendelikten in den Bau geht: Über zwei Millionen US-Amerikaner sitzen im Gefängnis. Global betrachtet bedeutet das, dass jeder fünfte Inhaftierte in den Vereinigten Staaten zu finden ist.

Von den Unruhen in den USA, die es in mehreren amerikanischen Städten auf den Straßen gibt, muss ich vermutlich nichts erzählen, die Bilder gingen vor Monaten um die Welt. Generell wollte ich gar nicht so viel über die USA erzählen. Aber wer behauptet, dass Deutschland am Arsch ist, sollte ruhig mal den Blick auf diese stolze Nation jenseits des Atlantiks werfen.

Sieht man sich die 50 gefährlichsten Städte der Welt an, finden wir dort gleich vier US-amerikanische, aber gleich 42 (!) davon in Lateinamerika. Auf den ersten sechs Plätzen finden wir gleich fünf mexikanische. Kein Wunder also, dass sogar das Auswärtige Amt von Reisen in bestimmte mexikanische Regionen dringend abrät. Allein in Tijuana, einsam an der Spitze dieser unrühmlichen Top 50, beklagte man über 2.600 Mordopfer in einem einzigen Jahr, was einer Mordrate von 138 Menschen pro 100.000 Einwohnern entspricht.

Übrigens findet sich in dieser Liste kein einziger Ort aus Europa, das nur am Rand. Deutschland hatte im letzten Jahr eine Mordrate von 0,87 Menschen pro 100.000 Einwohnern, in der Summe waren es 720 Opfer in 2019. Anders gesagt: In Deutschland werden pro Tag etwa zwei Menschen ermordet, allein in der 2-Millionen-Stadt Tijuana sind es sieben.

Nahrung, Wasser, dies das

Wir müssen aber gar nicht auf Kriminalitätsraten schauen, um zu erkennen, dass es uns in Deutschland vielleicht gar nicht so übel geht. Obwohl die Zahlen auf lange Sicht rückläufig sind, gibt es immer noch 690 Millionen Menschen, die Hunger leiden und alle zehn Sekunden stirbt weltweit ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger. Dank der Pandemie spricht die Welthungerhilfe von Prognosen, die von 80 Millionen weiteren Menschen ausgehen, die aufgrund von Covid-19 ebenfalls unter Unterernährung leiden. Ganze zwei Milliarden Menschen leiden unter Mangelernährung. Betroffen sind hier vor allem Regionen in Afrika südlich der Sahara und Nationen in Südasien, außerdem Syrien und Jemen.

Gerade in der dritten Welt ist Hunger leider nicht das einzige Problem. Ich fasse mal ein paar Fakten aus dem Jahresbericht der Vereinten Nationen zusammen:

  • 4 Milliarden Menschen verfügten 2016 über keinerlei Sozialschutz
  • Weniger als die Hälfte der Weltbevölkerung verfügt über eine gesundheitliche
    Grundversorgung
  • 3 Milliarden Menschen weltweit haben keine einfache Handwaschgelegenheit im Haus
  • Wasserknappheit könnte bis 2030 700 Millionen Menschen vertreiben
  • 789 Millionen Menschen sind ohne Strom
  • in den am wenigsten entwickelten Ländern nutzen weniger als ein Fünftel das Internet

Grundrechte, Meinungsfreiheit, Versammlungsrecht

Gerade zum Thema Grundrechte und Meinungsfreiheit gibt es viel Protest derzeit in Deutschland, weil sich Querdenker und Co in ihren Rechten beschnitten fühlen. Derweil werden in Polen und Ungarn „LGBT-freie Zonen“ errichtet, Proteste gegen Lukaschenko in Belarus (die jetzt seit vier Monaten andauern) führten jüngst allein an einem Tag zu tausend Festnahmen, immer härter geht dort die Polizei gegen friedliche Demonstranten vor. Während Querdenker in Deutschland maximal eine leichte Wasserwerfer-Dusche einstecken müssen, werden die Protestler in Belarus brutal niedergeknüppelt, teilweise von schwer bewaffneten Polizisten, aber auch von Einsatzkräften in Zivil.

In Hongkong wird der mächtige Arm Pekings immer deutlicher spürbar. Auch dort werden Protestierende oft niedergeknüppelt, Oppositionspolitiker werden aus dem Amt gekegelt. Das neue „Sicherheitsgesetz“ gefährdet massiv die Autonomie Hongkongs und das könnte sogar Auswirkungen auf Taiwan haben: Die demokratisch geführte Insel vor Chinas Küste könnte sich schlimmstenfalls einem Militärschlag Chinas gegenüber sehen, wie die Regierung in Peking verlauten ließ.

Generell sollten deutsche Demonstranten einen genaueren Blick auf China werfen, bevor sie „Zensur“ oder „Ende der Meinungsfreiheit“ skandieren. In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt die Volksrepublik China auf dem viertletzten von 180 Plätzen, nur Eritrea, Turkmenistan und natürlich Nordkorea liegen noch dahinter. Deutschland befindet sich übrigens ziemlich am anderen Ende dieser Charts, verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr von Platz 13 auf Platz 11.

Staatliche Medien, die natürlich von der Kommunistischen Partei kontrolliert werden, bestimmen darüber, was das chinesische Volk erzählt bekommt. Viele andere Medien und auch Online-Dienste wie Twitter und Facebook werden kurzerhand komplett zensiert und in China verboten. Nicht nur, dass man sich in China und den Autonomiegebieten nicht nach Belieben versammeln und seine Meinung äußern kann und die Presse zensiert wird: Zudem wird man auch überall überwacht.

Es wurde ein Punktesystem eingeführt, welches korrektes Verhalten belohnt und alles andere abstraft. Dieses Social-Credit-System kann je nach Punktestand zum Beispiel darüber entscheiden, ob man Reisefreiheit genießt oder nicht. Bestraft durch Punktabzug werden alle denkbaren Vergehen vom unerlaubten Überqueren einer Straße bei einer roten Ampel oder auch fehlende Steuerzahlungen. Wenn man Pech hat, werden diese Vergehen dann auch noch öffentlich kommuniziert. Teils gibt es regelrechte öffentliche Pranger, wo dann der eigene Name samt Vergehen auf dem großen LED-Screen auftaucht.

Zurück nach Deutschland

Kommen wir wieder zurück zum Ausgangsthema, schließlich wollten wir uns doch über die Zustände in Deutschland beschweren und über die vermeintliche Meinungs- und Corona-Diktatur im Land. Ich wiederhole nochmal meinen provokanten Satz vom Anfang. Ich schrieb:

„Viele Menschen sorgen sich um dieses Land, welches durch die Aufnahme von zahlreichen Geflüchteten gebeutelt wurde, wirtschaftlich aus dem letzten Loch pfeift und nun in der Pandemie auch noch Grundrechte einkassiert.“

Natürlich ist das nicht meine Meinung, nicht mal im Ansatz. Aber leider gibt es diese Menschen wirklich zu Tausenden in diesem Land, die bei diesem Satz beipflichtend nicken. Mit Schaum vorm Mund und hasserfüllt stehen sie in den Querdenker-Demos, Seite an Seite mit harmlosen Bürgern, die sich einfach nur im Stich gelassen füllen, aber eben auch Seite an Seite mit der Identitären Bewegung, mit Verschwörungs-Ideologen, Impfgegnern und glasklar erkennbaren Rechtsextremen.

Die AfD steht sinnbildlich für die Menschen, die so empfinden, denn das Geschäftsmodell dieser Partei war es von Anfang an, sich auf das zu stürzen, was Teile der Bevölkerung empört, diese Themen verkürzt darzustellen und einfache Lösungen für sehr komplexe Probleme zu propagieren. Anfangs, nach der Finanzkrise, war es der Euro und die EU, danach 2015 die „Flüchtlingskrise“, zwischenzeitlich die „Klima-Hysterie“ und nun schließlich die „Corona-Diktatur“ mit all ihren Maßnahmen angesichts der Pandemie.

Ich habe hier im Artikel natürlich ganz bewusst eine kleine Weltreise unternommen. Habe berichtet, dass es Hunderte Millionen Menschen gibt, die keinen direkten Zugang zu Wasser und Strom haben und die regelmäßig unter Hunger leiden. In vielen Ländern ist die Corona-Pandemie deutlich heftiger zu spüren als bei uns, umgekehrt ist dafür das soziale Netz in den meisten Ländern dieses Planeten weniger vorhanden als bei uns.

Selbst, wenn wir auch hier bereits die Klima-Veränderungen spüren können in warmen Sommern, sind wir Deutsche noch nicht so von der Hitze betroffen, dass wir unsere Heimat verlassen müssen. Keine Kriege plagen uns, keine Regierung überwacht uns über die Maßen oder schränkt unsere Versammlungsfreiheit ein. Während hier jeder auch mitten in einer Pandemie auf die Straße gehen und seine Meinung sagen darf, werden in anderen Länder Oppositionelle weggesperrt und Demonstrationen brutal niedergeknüppelt.

Wenn man sich also neutral die über 200 Nationen der Erde nach den verschiedensten Aspekten anschaut, muss man auf den Trichter kommen, dass uns vor Glück die Sonne aus dem Arsch scheinen müsste, hier geboren sein zu dürfen. Ohne, dass wir was dafür können, sind wir auf einem der entspanntesten, lebenswertesten und sozialsten Fleckchen Erde gelandet.

Unter diesen Gesichtspunkten muss man sich schon sehr energisch an den Kopf fassen, wenn Tausende auf den Straßen schwadronieren, dass uns die Grundrechte flöten gehen, die Regierung eingesperrt werden soll und wir armen Deutschen durch eine furchtbare Maskenpflicht genötigt werden.

Bemerkenswert finde ich, dass viele dieser „Hauptsache-Dagegen“-Leute sich so dramatisch selbst widersprechen: Wenn es darum geht, den Klimawandel in den Griff zu bekommen, verweisen diese Menschen stets darauf, dass das kleine Deutschland bei einer globalen Problematik alleine eh nichts ausrichten könne. Wenn diese globale Problematik jedoch eine Pandemie ist, wird so getan, als wäre es ein deutsches Problem, welches zudem explizit von der deutschen Regierung an die Wand gefahren würde. Hier empfehle ich nochmal den Blick auf die Pandemie-Übersicht der Johns-Hopkins-University, wo sich mit Leichtigkeit einsehen lässt, wie gut wir im Vergleich zum größten Teil der restlichen Welt dastehen.

Bei aller (berechtigten) Sorge in der Pandemie und der ebenfalls berechtigten Kritik an der ein oder anderen politischen Entscheidung: Diese Systemkritik, gepaart mit Weltuntergangsstimmung und Gewaltfantasien kann doch bitte nicht unser Ernst sein, oder? Ich würde mir wünschen, dass diese Protestler mal in sich gehen, einen Blick auf unseren Planeten und andere Länder werfen und dann nochmal überlegen, ob sie tatsächlich in einem so unerträglichen Land leben, wie sie uns bei den Demos glauben machen wollen.

2 Gedanken zu „Eine Hölle namens Deutschland – Leben in der „Meinungsdiktatur“

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