Saving people, hunting things, the family business: Große Supernatural-Liebe
Direkt, nachdem wir die Tanke verlassen haben, öffne ich die eben gekaufte Flasche. Als das kühle Bier meine Kehle herunterrinnt, möchte mein Gaumen kurz aufjubeln. Nach einem weiteren tiefen Schluck aus der Pulle gehe ich meinen beiden neuen Freunden hinterher zum Wagen. Ich bin mitten auf meiner Reise durch die USA und habe mittlerweile Kansas im mittleren Westen erreicht. In irgendeinem Kaff hinter Lawrence haben mich die beiden Brüder gestern aufgegabelt. Ich bat um eine Mitfahrgelegenheit und die Jungs waren so freundlich, mich tatsächlich mitzunehmen.
Der gestrige Abend endete in einem Road House – genau die Art Etablissement, wie man sie aus Filmen kennt: Sehr konservatives, hemdsärmeliges Volk, sehr trinkfreudige Mädels, jede Menge Drinks und Classic Rock auf die Ohren. Wir haben uns amtlich einen reingestellt, und hätten mich die beiden nicht in unser Motel gebracht, würde ich vermutlich jetzt irgendwo in der Pampa am Straßenrand liegen.
Mittlerweile kenne ich die Brüder – sie heißen Sam und Dean – seit fast 24 Stunden und bin ihnen sehr dankbar dafür, dass sie mich auch heute noch durchs Land kutschieren. Die beiden wollen nach Colorado, sagen sie. Worum es geht, verraten sie mir allerdings nicht. Als ich sie gestern danach fragte, schauten sie sich ernst an, Dean erzählte irgendwas vom „Familienauftrag“, dann wechselten sie das Thema.
Ist mir auch egal, ehrlich gesagt. Ich will weiter Richtung Westen, irgendwann in Kalifornien stehen und auf den Pazifik glotzen. Also freue ich mich darüber, dass ich noch ein paar Meilen zusammen mit den beiden abreißen kann. Wir steigen in Deans Auto. Ich bin alles andere als ein Autonarr, aber diese schwarz in der Sonne glänzende Karre ist der Hammer! Es ist ein 1967er Chevrolet Impala und ich staune, wie gut in Schuss so eine alte Kiste sein kann. Noch, bevor ich es mir auf dem Rücksitz neben einem Sixpack Bier richtig bequem machen kann, drückt Dean aufs Gas und ich kippe leicht Richtung Scheibe.
Ist da tatsächlich ein Plastiksoldat im Aschenbecher? Wie lange der da vermutlich schon drin steckt … Vorne sehe ich Dean nach Tapes fingern. Haufenweise Kassetten liegen überall herum, aber sein erfreutes Gesicht verrät mir, dass er genau das Tape gefunden hat, nach dem er gesucht hat. Könnt ihr euch überhaupt noch an das Geräusch erinnern, wenn man eine Kassette in den Player stopft? Ich weiß nicht, wie viele Jahre ich das nicht gehört habe, und ich muss zugeben, dass ich den Sound vermisst habe. Selbst das Einlegen einer CD ist damit schon nicht mehr vergleichbar, aber heute spielen wir ja eigentlich nur noch irgendwelche Dateien ab und da gibt es nun mal keinen ikonischen Sound, bevor es losgeht.
„I was looking back on my life, and all the things I’ve done to me“ ballert es aus den Boxen. Ozzy Osbourne singt von der „Road to Nowhere“. Sam hat das Fenster heruntergekurbelt und ein frischer Wind bläst ins Auto. Das Bier, die Musik, unsere meist albernen Gespräche, der angenehme Fahrtwind und die immer kahler werdende, einfach nicht enden wollende Landschaft, die am Fenster vorbeisaust – all das gibt mir das Gefühl, in meinem ganz eigenen Roadmovie zu sein. Ich lehne mich entspannt zurück, schnappe mir noch ein Bier aus dem Sixpack und drehe die Flasche auf. Ja, heute wird ein guter Tag, da bin ich sicher!
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung, wie sehr ich mich irren sollte. Ich ahnte nicht, dass meine Welt komplett aus den Fugen geraten sollte und mir die Brüder schreckliche Dinge zeigen würden, von denen ich nicht ahnte, dass sie existieren!
Das Ende von Supernatural …
Hach, Fan-Fiction – irgendwann werde ich da auch mal groß einsteigen, glaub ich. 😀 Vermutlich dann entweder zu Supernatural, Harry Potter oder zu den drei Fragezeichen ^^ Aber jetzt genug davon. Ich sitze hier im Supernatural-Shirt, habe „Carry on Wayward Son“ noch im Ohr und bin wehmütig. Mit der fünfzehnten Staffel ist Supernatural zu Ende gegangen und ich muss zugeben, dass ich es lange vor mir hergeschoben habe, mir diese letzte Staffel anzuschauen. Es war quasi Schrödingers Staffel: Solange ich sie nicht sehe, ist Supernatural auch noch nicht vorbei.
(Kleine Erklärung am Rande: Ich weiß gar nicht, wie ewig es schon her ist, dass ich diesen Artikel hier angefangen habe. Es ist also mittlerweile schon Ewigkeiten her, dass ich diese Staffel – und auch die leider einzige Winchesters-Staffel gesehen habe). Wieso schreibe ich hier über Supernatural? Ich will einfach auch auf dem Blog mit dieser Geschichte abschließen, die mich eineinhalb Jahrzehnte begleitet hat und in der Zeit sehr schnell zu einer meiner Lieblings-Shows wurde. Außerdem vermisse ich es auch, einfach mal wieder über die schönen Dinge im Leben zu schreiben anstatt nur über Politik, die Gesellschaft und das Übel dieser Welt.
Ich hab mich echt in die Story, die Abenteuer und natürlich die beiden Jungs und das ganze Supernatural-Universum verliebt. Daher ist es auch kein Wunder, dass ich hier mit einer ausgedachten Story in den Artikel gestartet bin, in der ich davon träume, die beiden real zu treffen. Wenn man so lange eine Serie verfolgt, überkommt einen das Gefühl, dass man sie wirklich kennt, sie wirklich versteht und sie irgendwie auf eine schräge Art tatsächliche Buddys für einen geworden sind.
Achtung, wenn Ihr die letzte Staffel noch nicht gesehen habe, denn ich werde eventuell ein wenig spoilern. Und mit eventuell meine ich todsicher! Ich möchte nämlich auch darüber reden, wie die Serie zu Ende gegangen ist. Ich kann mit diesem Ende sehr gut leben, wissend, dass es eh nie das perfekte Ende geben wird für eine Serie, von der man ja auch eigentlich gar nicht will, dass sie aufhört. Jetzt sitzen sie also beide auf ihrer Wolke, trinken vorm Haus Bierchen mit Bobby und ballern mit dem Impala zu Classic-Rock-Klängen durch die wunderschöne nordamerikanische Landschaft.
Wir – also Supernatural und ich – sind durch Höhen und Tiefen gegangen. Zwischenzeitlich gab es Story-technisch echt mal Durchhänger. Außerdem fallen einem beim abermaligen Durchbingen alter Staffeln mehr und mehr Logikfehler und andere skurrile Dinge auf. Aber ganz ehrlich? Drauf geschissen! Sam und Dean, Cas, Bobby und wie sie alle heißen, sind mir in 15 Jahren echt ans Herz gewachsen.
Umso tiefer ist dann halt das Loch, wenn es vorbei ist. Wie ich oben schon schrieb: Man will eigentlich gar nicht, dass es aufhört. Aber das ist nur eine Seite der Medaille, denn andererseits möchte man, dass die Serie an einem Punkt zu Ende geht, an dem die Qualität stimmt. Es wäre ja auch furchtbar, wenn die letzte Folge vorbei ist und man das Gefühl nicht loswird, dass es eine Qual war, sich die letzte Staffel reinzuziehen.
Und das Gute ist ja: Man kann problemlos immer wieder von vorne anfangen mit der ersten Staffel und ja, das hab ich jetzt wohl schon fünf-, sechsmal genau so getan.
Außerdem ging es weiter mit dem Winchester-Universum. Als ich oben ein Spin-Off erwähnte, war es noch recht abstrakt, aber am 11. Oktober 2023 startete in Amerika die erste Folge von „The Winchesters“! Dort wird die Geschichte der Eltern von Dean und Sam erzählt, also ein Prequel. Ich war natürlich vorab schon skeptisch, dass mich das so abholt wie Supernatural. Denn schließlich war ein großer Teil des Spaßes ja, wie Sam und Dean miteinander umgegangen sind und ohne die beiden fehlt einfach was. Ich hatte dennoch Bock, mir die Serie anzuschauen – als Ersatzdroge gibt es echt Schlechteres.
Auch diese 13 Folgen der ersten Staffel haben Spaß gemacht, aber es ist eben tatsächlich was anderes als Supernatural. Leider wird es auch keine weitere Staffel dazu geben. Der Heimatsender The CW wollte sich dummerweise konzeptionell anders ausrichten, da passte die Serie nicht mehr ins Konzept – und ein anderer Sender hat leider nicht angebissen.
Kann es also sein, dass damit jetzt der Deckel endgültig drauf ist auf dem ganzen Supernatural-Unterfangen? Zumindest im TV bzw. als Serie scheint es so – aber es gibt ja auch Comics und Bücher. Traurig bin ich dennoch und ja, ich denke darüber nach, allein schon aus Protest heute einfach mit der nächsten Rutsche zu beginnen und noch einmal alle Folgen von vorn zu schauen.
Aber hey, ein bisschen Hoffnung gibt es ja sogar noch: Die beiden Hauptdarsteller Jared Padalecki und Jensen Ackles lassen sich immer noch auf Conventions blicken und reden gern und wohlwollend über die Serie, und ja – sie kommunizieren durchaus auch ihr Interesse daran, doch noch mal als Dean und Sam Winchester vor die Kamera zurückzukehren. So sagte Jared im letzten Jahr noch:
Jensen und mir liegt unsere Show, die wir seit 15 Jahren zusammen machen, so am Herzen, dass wir sie nicht einfach nur machen wollen, nur um sie zu machen. […] Falls und wenn „Supernatural“ zurückkommt, wird es eine Herzensangelegenheit sein und wir werden jede Stunde investieren, um sicherzustellen, dass es dem Kanon, der Fangemeinde, der Geschichte und den Charakteren so treu bleibt wie möglich.
kino.de
Tja, da wäre sie dann doch wieder – diese Angst, dass die Show möglicherweise doch noch verkackt, indem sie unwürdig weitergeführt würde. Aber ganz ehrlich: Die Freude darüber, dass es möglicherweise doch noch neue Episoden geben könnte, wäre zumindest bei mir vermutlich weitaus größer.
Hättet ihr Bock drauf, noch weitere, neue Folgen von Supernatural zu bekommen? Oder habt ihr vielleicht überhaupt noch nie in die Serie reingeschaut oder konntet nichts damit anfangen? In beiden Fällen: Shame on You! 😀
Lasst mich wissen, ob ich bei Gelegenheit mal meine persönliche Geschichte mit Dean und Sam aufschreiben soll. Bei meinem Tempo ist es dann sicher schon in wenigen Jahren so weit ^^ Am Wochenende soll es wieder unanständig warm werden. Also bleibe ich vielleicht lieber in der kühlen Bude und fange einfach nochmal die erste Staffel an, die mittlerweile bei Netflix zu sehen ist. … oder ich erfinde meine eigenen Supernatural-Geschichten, mal sehen. 🙂
Artikelbild: Ja, wieder mal ein KI-generiertes Bild, obviously ^^