Lasst mich schreiben … schon wieder!
Ja, es ist wieder so ein Posting. Als ich in der Pandemie plötzlich ohne Job da stand, bat ich euch, dass ihr mich schreiben lassen sollt. Ich hatte keine Arbeit, brauchte aber dringend eine, also schrieb ich einen Beitrag, in welchem ich um eure Hilfe bat.
Das klappte auch sagenhaft gut. Klasse war, dass mein Kollege und Freund Fabi mir sehr schnell sehr deutlich signalisierte, wie gerne er mit mir bei nextpit arbeiten möchte. Ich sagte zu, freute mich über unglaublich viele andere Jobangebote von wirklich tollen Firmen und Kolleg:innen und verbrachte die nächsten fünf Jahre also bei nextpit, später inklusive inside-digital.de.
Da ich wieder flehe, dass man mich schreiben lässt, könnt ihr euch denken, was hier Phase ist: Euer Tech-Blogger der Herzen braucht was Neues, daher auch der ähnlich klingende Titel oben. Ich hätte es lustig gefunden, so einen typisch deutschen Fortsetzungs-Titel zu wählen. Sowas wie „Lasst mich schreiben 2 – Jetzt wird geheiratet!“ oder so. Klang mir aber ehrlich gesagt nichrt seriös genug und hey, ich meine das ja ernst, was ich hier gerade von mir gebe. 😀
Tech-Blogging lässt sich nicht mehr mit 2020 vergleichen!
Beruflich stehe ich also auf der Straße und die Situation könnte nicht deutlicher von der Situation 2020 abweichen. Das Tech-Blogging hat sich verändert, das ist schon mal der erste Punkt. Leute haben kaum noch Bock, lange Testberichte zu lesen oder generische News über Funktionen, die eh so oft identisch sind in den verschiedenen Geräten.
Und dann ist da natürlich noch der Elefant im Raum: KI! Wieso sollte ich einen Beitrag schreiben, der erzählt dass im Smartphone X die Bauteile Y und Z stecken? Das können Claude, ChatGPT, Gemini und Konsorten doch längst besser und vor allem schneller als wir. Dazu kommt, dass Google es für eine gute Idee hält, den hochwertigen Content der lieben Kolleg:innen einzukassieren und so in der Google-Suche zu präsentieren, dass kaum noch jemand wirklich einen Grund hat, auf die originalen Artikel zu klicken.
Was mich noch nervt? Generell nerven News, in denen ich eine sensationsheischende Überschrift wähle, bevor ich zwei Absätze lang so circa nichts Neues berichte, nur um euch im Beitrag zu halten. Jede Sekunde, die ihr länger lest, hilft uns Autor:innen ja. Schließlich im letzten Absatz dann bekommt ihr den kleinen News-Anteil des Textes aufgeboten und werdet oftmals feststellen Okay, das ist deutlich weniger spektakulär als das, was die Überschrift versprach.
Long Story short: ALL DAS sind die Textte, die ich schreiben kann, aber nicht mehr schreiben möchte. Ich glaub sogar eher, dass ich diese Art Texte sagenhaft schlecht schreibe, weil mir so etwas Magenschmerzen bereitet und echt nur wenig mit Journalismus zu tun hat.
Ja, ja – KI klaut alle Jobs!
Was ich schreiben will und was ich mir zutraue? Ich glaube, ich schreibe über alles gern und auch ordentlich, was mich persönlich interessiert. Oben am Anfang des Beitrags ist ja mein erster „Lasst mich schreiben“-Artikel verlinkt. Dort schrieb ich bereits, dass ich auch gerne über TV- oder Streaming-Serien oder über Musik oder über Reiseziele schreiben würde. Aber davon ab behört mein Herz immer noch der Technik. Nur, dass ich halt keinen Bock mehr auf Handy-Tests habe. 😉
Ich werde in Kürze meinen Podcast „Casa Casi“ weiterführen. Dort rede ich viel über künstliche Intelligenz, aber auch über Green Tech, smarte Städte und vieles mehr. Ganz oft und super gerne schreibe und rede ich auch darüber, was passiert, wenn wir als Gesellschaft auf Technik prallen. Ich bin mir dessen bewusst, dass ganz viele von euch genervt sind vom Wörtchen „KI“ – und ganz ehrlich glaube ich auch immer noch, dass die meisten von uns das Internet noch nicht wirklich durchblickt haben.
Kampf den Algorithmus-Schleudern
Ich glaube also fest daran, dass wir oft nicht kapieren, was Algorithmen und Social Media mit uns anstellen. Ich kann in der einen Minute im Podcast altklug daherreden, wie mies es ist, dass stets Hass, Hetze und Negativität vom Algo gepusht wird – nur, um in der nächsten Minute in exakt diese Algorithmus-Falle zu tappen.
Aber ja, genau da sehe ich mich gerade: Ich würde gerne die Menschen und die Technik einander näherbringen. Vielleicht auch politischer werden. Gerade, weil übertrieben intelligente Robotik und KI vor der Tür stehen, und wir noch nicht bereit sind dafür. AI Slop wird uns auf allen Ebenen erschlagen, egal ob in Textform, als Video oder als Song. Ich glaube daran, dass man mit „echtem“ Content dagegenhalten muss: Echte Fotos statt geprompteten Kram, echte Live-Konzerte statt Suno-Lethargie und echte, lange Texte anstelle von Social-Media-Postings, die allesamt ChatGPT für einen schreibt, plant und veröffentlicht.
Ich möchte wieder die langen Texte schreiben. Meinungen, Essays, Kolumnen. Texte, bei denen sich die Lesenden zwischendurch Brote schmieren müssen, weil der Mist schon wieder so lang ist. Texte, die mehr fordern, aber dafür auch in irgendeinem Winkel eures Hirns hängenbleiben und vielleicht was auslösen.
Und damit komme ich jetzt zu dem, was ich machen will: Egal, ob als freier Autor oder angestellt. Egal, ob als Dampfplauderer im Podcast oder als tollkühner Erschaffer massiver Textwüsten: Ich möchtee schreiben, reden, Geschichten erzählen, die Welt erklären. Und ich weiß gerade ehrlich gesagt nicht so recht, wohin damit.
Die einschlägigen Text-Seiten rödeln allesamt und kämpfen ums Überleben.Daher liegt es auf der Hand, dass hier eher der schnelle Erfolg und ein paar Klicks angepeilt werden anstelle langer Texte. Aber ich glaube daran, dass wir uns auf einen Renaissance-Pfad begeben. Ich glaube an Leute, die echte Texte schreiben statt irgendeinen Prompt-Müll. Muss ich mich dafür vielleicht s elbstständig machen und zumindest teilweise hinter eine Paywall verschwinden? Möglich. Vielleicht gibt es da draußen aber auch den Laden, der Bock auf genau das hat, was mir vorschwebt. Wenn ihr das seid oder wisst, wo ich das finde, dann bloß her mit euren Empfehlungen. Wenn ihr eher denkt, man muss gemeinsam mit mir irgendwas ganz Neues auf den Weg bringen, bin ich auch bereit, mir jede noch so krude Idee anzuhören und sie zu durchleuchten.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab noch so unendlich viel zu sagen und zu schreiben und glaube auch, dass es genügend Menschen gibt, die Bock auf meine Beiträge und Sichtweisen und Erklärungen haben. Vielleicht liege ich aber auch kolossal daneben und wir haben längst alle nur noch die Aufmerksamkeitsspanne einer gepfefferten Backpfeifenlänge und null Interesse am geschriebenen Wort. Ich muss das dringend herausfinden. Weil all das in mir brennt, weil irgendeiner dummerweise meine Miete bezahlen muss und weil ich glaube, dass wir in einer der unglaublichsten, spannendsten Zeiten der Menschengeschichte angelangt sind. Kann sein, dass wir in zwei Jahren alle arbeitslos sind. Kann aber auch sein, dass wir in ein paar Jahren gar keine Arbeit mehr brauchen und voller Lust, Liebe und Freundschaft in den Tag hineinleben.
Ich arrogantes Biest bilde mir ein, dass ich das mit meinen Beiträgen und Podcast-Episoden begleiten sollte. Mir fehlt lediglich gerade der Pfad. Habt Ihr also Top-Ideen, egal, wie schräg sie sind, oder konkrete Vorschläge, wo jemand wie ich unterkommen könnte: Lasst es mich wissen, bitte. Das ist der Punkt, an dem ich euch noch einmal brauche. Geht ih euch, denkt nach, wohin ich passen könnte und teilt bitte meinen Beitrag, damit andere Leute erreicht werden können, zu denen ich möglicherweise wie die Faust aufs Auge passe.
Artikelbild: Ich hab einfach noch einmal mein Bild vor der Golden Gate Bridge zweitverwertet. Es zuckte in den Fingern, ein unsagbar dummes KI-generiertes Bild zu nehmen, aber ich lass es heute einfach mal sein. 😉
Entstanden ist das Bild noch vor Corona, als ich auch mit Fabi und einigen lieben Kollegen mehr für Samsung unterwegs war.