Klimawandel: Ja, Merz hat recht!
Ja, es kommt mir schwer über die Lippen, aber was den Klimawandel angeht, hat unser Kanzler tatsächlich absolut recht. Und bevor ihr meine Headline und meine steile These als Clickbait entlarvt: Ich beziehe mich auf ein konkretes Statement des Gesellen.
2023 sagte CDU-Chef Friedrich Merz, damals noch in der Opposition, der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Das Thema Klimaschutz rangiert schon seit langer Zeit in den Augen der Bevölkerung nicht da, wo es in der Politik gesehen wird.“ Dass die Zeit für die nötigen Maßnahmen ablaufe, sähe er ausdrücklich nicht und ergänzte: „Es ist eben gerade nicht so, dass morgen die Welt untergeht.“ Seine weitere Einschätzung: „Wenn wir in den nächsten 10 Jahren die Weichen richtig stellen, sind wir auf einem guten Weg.“
Hmm, das mit dem guten Weg mag ich so nicht teilen, ehrlich gesagt. Aber ja, natürlich geht die Welt morgen nicht unter und auch nicht übermorgen. Das war es dann aber auch schon mit der Zustimmung meinerseits zu dem, was der aktuell unbeliebteste Kanzler aller Zeiten so über den Klimawandel sagt. Ich stimme ihm deshalb zu, weil ich – wie er – nicht das Gefühl habe, dass die Welt, also unser Planet Erde,als solcher in irgendeiner Weise gefährdet wäre.
Dieser Planet hat schon ganz andere Dinge überstanden als so ’nen schnöden, eh ständig stattfindenden Klimawandel. Aber nicht jede Spezies hat die Ereignisse überlebt, die sich auf der Erde ereigneten. Wenn also irgendwann die Spezies „Mensch“ nicht mehr klarkommt, kostet das den Planeten allenfalls ein müdes Arschrunzeln. Für jeden von uns, der aber durchaus Bock hat auf einen funktionierenden, intakten Planeten – egal, ob für sich selbst oder für die Menschen, die uns folgen – sollte es alarmierend sein, was aus dem politischen Berlin so zum Klimawandel und zu den Hitze-Ereignissen dieses Sommers zu hören ist.
Keine Angst vorm Klimawandel, solange wir jeder ’ne Flasche Wasser haben
Kleiner Einschub, bevor es weitergeht mit dem Klima-Thema: Am Wochenende steht in Sachsen-Anhalt die erste von drei wichtigen Landtagswahlen an. Nach einem wirklich heißen Sommer und nach einem sehr unproduktiven Monat August meinerseits, möchte ich in diesem Monat wieder mehr abliefern. So möchte ich beispielsweise versuchen, wöchentlich zwei bis drei Blog-Artikel zu verfassen. Einmal, damit ich wieder mehr in den Schreib-Flow komme, und zum anderen, weil ich glaube, dass es eine gute Zeit ist, auch zu politischen und gesellschaftlichen Themen mal wieder öfter was zu sagen. Nicht, weil ich glaube, dass die Welt speziell auf die Meinung von Carsten Drees gewartet hat. Sondern weil ich davon überzeugt bin, dass es in Zeiten von verkürzten und überspitzten Nachrichten, von Fake-News, Hass und Hetze nicht genug Menschen geben kann, die sich zu Wort melden und die diesem Sumpf etwas entgegensetzen.
Also weiter im Text: Die gute Nachricht ist, dass man auch in der Regierung erkannt hat, dass man sich wieder mit diesem lästigen Klima-Thema beschäftigen muss. Das ist fast schon bemerkenswert, denn beispielsweise sagte erst vor kurzem Wiebke Winter, Mitglied des CDU-Präsidiums und der von ihr mitgegründeten Klima-Union:
„Klimaschutz ist ein Herzensthema von mir. Gleichzeitig stecke ich in einem Dilemma: Wenn wir als Union das Thema Klima groß machen, profitieren davon am Ende die Grünen.“
Den ersten Satz nehme ich ihr tatsächlich ab. Aber es ist der letzte Satz, der ebenfalls wahr ist und der entlarvt, dass der CDU und vielen ihrer Mitglieder das Klima in der eigenen Partei eben doch ein bisschen wichtiger ist als das Klima des Planeten. Umso erstaunlicher also, dass Merz nach seinem Urlaub plötzlich klare Kante zeigt und auf den Klimawandel verweist, wenn er dort in der Eifel steht, wo kürzlich noch katastrophale Waldbrände tobten.
Aber ein in den letzten Monaten so oft gehörter Satz erweist sich dann leider doch wieder als wahr: „Er kann es einfach nicht“. Der Satz meint Merz und seine Fähigkeit, als Kanzler dieses Land zu führen und zu einen. Er kann es nicht. Punkt. Im Wochen- oder eher Tagestakt sagt er Dinge, die das Land nur noch weiter gegen ihn und seine Partei und die Regierung aufbringt und gleichzeitig der AfD in die Karten spielt.
So ist es schon auf eine traurige Art bemerkenswert, wenn er zum Klima-Thema zwar keinerlei neue Beschlüsse fasst, aber auf Israel verweist, weil dort kein Kind ohne eine Flasche Wasser in die Schule gehe.
So einfach kann es also sein: Eine Pulle Wasser reicht, und schon müssen wir uns keine Sorgen mehr um Hitzeschutz machen. Ich fasse es euch nochmal kurz zusammen: In Hürtgenwald anlässlich der Waldbrände gibt es eindringliche Worte des Kanzlers und das Versprechen, dass die Regierung Kohle für den Hitzeschutz raushaut. Wenige Tage später sagt er in exakt derselben Pressekonferenz, in der Vizekanzler auf über 14.000 Hitzetote verweist, dass man schon genug getan hätte und dass israelische Kinder Wasser mit zur Schule nehmen.
Es ist so, als habe der Kanzler eine Wette gegen sich selbst laufen. Als ob er zu beratungsresistent oder zu lobbygesteuert wäre, um einen klaren Gedanken zu fassen. KI, Klimawandel, Kriege – wir stehen echt bei genug Themen mit dem Arsch an der Wand. Nein, die Welt geht morgen nicht unter, Herr Merz. Aber wenn wir die Themen von morgen so angehen wollen, dass uns eben nicht flott der Arsch auf Grundeis geht, wird es zeitlich langsam wirklich dünn.
Die Herausforderungen, die vor uns allen liegen, sind brutal. Gleichzeitig leben wir in einem wundervollen Land, das deutlich besser ist als das, was die Möchtegern-Patrioten in Hellblau uns weismachen wollen. Da braucht es eine Regierung, die jetzt bereit ist, die richtigen Maßnahmen zu treffen und sich zuzutrauen, dem Volk auch unschöne Nachrichten zuzumuten. CDU/CSU und SPD müssen sich jetzt gerade machen, zugeben, dass es für uns alle sehr, sehr teuer wird – und dann müssen sie zur Abwechslung mal in die richtige Richtung losgaloppieren.
Gerade hab ich wenig Hoffnung, dass Merz uns aus dieser Misere helfen kann. Trotzdem – oder gerade deswegen – hab ich das Gefühl, dass wir alle wieder lauter werden müssen. Die Wirtschaft geht nicht den Bach runter, wenn wir uns ums Klima kümmern. Sie wird aber elendig verrecken, wenn wir uns zu wenig ums Klima kümmern. Das ist kein linkes Thema und kein grünes Thema, sondern ein Thema für uns alle. Selbst die Pfeifen in der AfD müssten erkennen, dass es Deutschland nutzen könnte, wenn wir für den Klimawandel gut aufgestellt wären, oder irre ich mich? Wäre es nicht klasse, wenn wir in den nächsten Jahren feststellen, dass wir tolle unterstützende Technologien entwickelt haben, die uns die Hitze erträglicher machen – und die so gut sind, dass die ganze Welt sie in Deutschland kauft?
Ich als 150-Kilo-Koloss bin gerade schon ein bisschen happy, dass der Hitzesommer mit Temperaturen über 40 Grad erst einmal vorbei ist. Wenn ich aber an unsere derzeitige Klimapolitik und an kommende Sommer denke, läuft es mir unangenehm eiskalt den Rücken runter.
Artikelbild: Wieder einmal ein KI-erstelltes Bild. Ich habe nach realen Fotos gesucht, aber irgendwie gibt es kein Foto von Merz, der vor einer von einem Gletscher ausgelösten Flutwelle davonläuft. Noch nicht.