Musik

Song der Woche [7]: Duran Duran – „Palomino“

Okay, dieser Song der Woche kommt spät – wie pfiffig von mir, dass ich die Rubrik „Song der Woche“ genannt habe und nicht „Montags-Song“ oder so. Also kommt hier auf den letzten Drücker noch ein Text über ein Lied, welches ich schon so lange im Herzen trage und von einer Band stammt, die ich ebenso lange kenne wie meine Helden von Depeche Mode. Die Rede ist von Duran Duran und ihrem Song „Palomino“, der sicher nicht so bekannt ist wie ihre Welthits wie „Wild Boys“, „A View to a Kill“ oder „The Reflex“.

Ich bin übrigens ganz sicher, dass ich über diese Herrschaften hier nicht das letzte Mal reden werde, eventuell poste ich schon in der nächsten Woche einen weiteren Duran Duran-Song, der allerdings hier u.a. von einem Herrn dargeboten wird, der eigentlich eine ganz andere Musik macht und der hier auf dem Blog sicher auch noch eine Rolle spielen wird. So weit, so mysteriös, meine Täubchen. 😀 Jetzt aber erst mal zu dieser typischen Achtziger-Kapelle, die mich jetzt schon seit fast vierzig Jahren begleitet und zu dem Song aus dem Jahr 1988.

1988 war musikalisch für mich irgendwie so ein Umbruch-Jahr, glaube ich. Die Achtziger, wie man sie auf den einschlägigen Parties zu hören bekommt, sind für mich irgendwie 1987 zu Ende gegangen, zumindest gefühlt. Depeche Mode brachten mit „Music for the Masses“ ein Meisterwerk heraus, Herr Drees war zum ersten Mal im Ostblock in Prag und war zum ersten Mal im Leben schlimm betrunken, was sich u.a. äußerte, indem ich aus der vierten Etage ins Foyer unseres Prager Hotels kotzte. Glanzleistung, ernsthaft.

Dann kam besagtes 1988 und erstmals musste ich feststellen, dass es Jahre ohne neue Depeche-Musik gibt. 1985 gab es ja auch kein Album, aber wenigstens zwei neue Lieder, die es auf die Singles-Compilation schafften. 1988 stand im Zeichen der phänomenalen 101-Veröffentlichung, zumindest aus Depeche-Sicht. Während die Jungs größer und größer wurden und nun auch in den USA zu Stars avancierten, die schließlich das Rose Bowl Stadium ausverkauften, schienen die einstigen „New Romantics“-Helden Duran Duran irgendwie ihren Zenit überschritten zu haben.

Die einschlägigen Pop-Illustrierten berichteten schüchterner und sparsamer über die Mädchenschwärme aus England und auch in den Charts musste man kleinere Brötchen backen. Mir war das total unverständlich, ehrlich gesagt. 1986 brachten sie mit „Notorious“ ein sensationelles Album raus, welches von Nile Rodgers produziert wurde, der den drei Jungs (damals waren es nur Simon Le Bon, John Taylor und Nick Rhodes) den Funk beibrachte. Je nachdem, wen man fragte, hatte das mit dem Funk mal mehr, mal weniger geklappt.

1988 hauten sie jedenfalls wieder in diese Kerbe mit „Big Thing“ – das zusammen mit „Notorious“ zweite Lieblings-Album der Jungs. Auch hier wechselten sich wieder poppige, ange“funk“te Songs mit traumhaften Balladen ab und „Palomino“ [Partner-Link] ist so eine. Ihr kennt den Song nicht? Unfassbar, das korrigieren wir jetzt erst mal – los, reinhören!

Wie gesagt, die Sturm-und-Drang-Zeit der frühen Achtziger und so wilden Nummern wie „Hungry like the Wolf“ oder „Is there something I should know“ waren vorbei, Duran Duran waren irgendwie erwachsen geworden. Das äußerte sich beispielsweise bei „Palomino“ mit einem recht experimentellen Part in der Mitte, drumherum gab es aber wundervolle Harmonien und einen zuckersüßen Refrain.

Ich sprach es eben an, dass 1988 für mich musiktechnisch so ein Umbruch-Jahr war. Es wurde irgendwie „danciger“, ich hörte auch Rap- und Dance-Kram und irgendwann in dieser Zeit zwischen 87 und 88 fuhr ich komplett auf Acid House ab – ist vielleicht auch nochmal eine Story wert irgendwann. Ich fing an,, mit Sschmeidel, Gregor usw. rumzuhängen, Adrian war damals mein bester Freund und wir verbrachten so manchen Samstagnachmittag bei ihm, wenn seine Eltern nicht da waren, bedienten uns an deren Alkoholvorräten und hörten sehr viel Musik, die nach Urlaub und Sonne klang und wir saßen mit Drinks auf dem Balkon und schauten zu, wie weit über unseren Köpfen Flugzeuge nach Spanien oder sonstwohin flogen.

Als ich neulich beim Latschen einige der ersten Sonnenstrahlen dieses noch jungen Jahres erwischte, hatte ich wieder mal meine 80s-Playlist auf den Ohren und es lief dieser Song. Diese Kombination aus Sonne und diesen Tönen versetzten mich sofort wieder zurück in diese späten Achtziger und nach wie vor erstaunt es mich immer wieder aufs Neue, wie plastisch diese Zeit wieder vor einem liegt plötzlich.

Vermutlich werde ich speziell mit dieser Artikel-Rubrik und dem hohen Anteil an Achtziger-Songs irgendwann als arme Seele in die Geschichte eingehen, die in einem Musik-Jahrzehnt hängengeblieben ist. Fände ich aber a) wohl gar nicht so schlimm und b) werde ich tatsächlich mal drauf achten, dass sich die andere Musik in meinem Leben hier ebenfalls mehr wiederfindet. 🙂

Heute ist auch ein schönes Beispiel dafür, wieso ich diese Rubrik so sehr mag übrigens. Weil es manchmal sehr viel zu einem speziellen Song zu erzählen gibt, sei es zur Entstehung des Songs, oder wieso er einen besonderen Impact auf mich hatte. Manchmal geht es mehr um eine Band, die gewürdigt werden sollte wie neulich bei Culture Club oder Nirvana, wo ich jeweils über Songs sprach, die gar nicht meine absoluten Lieblinge der Bands darstellen. Manchmal sind es aber auch einfach nur diese Zeitmaschinen-Momente wie kürzlich mit „Palomino“, die dafür sorgen, dass ich mir einen lange nicht gehörten Song plötzlich wieder zehn mal am Stück reinziehe und mich tief in die Achtziger fallenlasse gedanklich.

Das hier heute war also ein Beitrag aus letzterer Kategorie. Keine wilde Geschichte, die es zu erzählen gab, keine Insights zu dem Entstehungsprozess des Liedes, sondern einfach nur ein Werk, welches mich heute noch ebenso begeistert wie vor über dreißig Jahren und von dem ich gerne möchte, dass ihr es auch kennt – oder einfach mal wieder hört. Hier noch eine Live-Version, verbunden mit dem Geständnis, dass ich diese Band leider noch nie live gesehen habe. Ich hoffe inständig, dass ich das irgendwann nochmal korrigieren kann. Hach, Konzerte …

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