Song der Woche [9]: Coldplay – Fix you

Gestern Abend lief eine Umwelt-Show auf Sat.1 mit Luke Mockridge. Sie hat die Umwelt-Woche des Senders eingeläutet und es ging im Wesentlichen darum, auf den Raubbau hinzuweisen, den wir Menschen mit dem Planeten treiben und Spenden zu generieren, die direkt in Bäume umgewandelt wurden, die in Mexiko gepflanzt werden. Das Thema ist bei mir wieder so präsent, dass ich da in den nächsten Tagen auch unbedingt was drüber schreiben möchte, aber mir geht es jetzt zunächst einmal um den Song, mit dem die Show beendet wurde. Es war „Fix You“, jene Über-Hymne von Coldplay.

Egal, in welcher Lebenslage ich den Song höre, egal, wer ihn interpretiert und egal, in welchem Kontext der Song in einer einer Serie, einem Film oder eben auch einer Show verwendet wird: Er catcht mich einfach immer! Meistens rührt er mich zu Tränen und es wirkt dann so, als hätte Chris Martin beim Schreiben des Songs genau gewusst, wie Leute auf dieses Meisterwerk reagieren, als er textete: „Tears stream down your face“.

Christ lernte seine spätere Frau Gwyneth Paltrow irgendwann 2002 kennen, nur wenige Wochen, nachdem ihr Dad gestorben war. Sie verbrachten Zeit zusammen, hörten gemeinsam Coldplay-Songs und in Chris wuchs der Wunsch, dieser Frau einen Song zu schreiben. Einen Song, der Trost spenden sollte in dieser für sie schwierigen Zeit. Ursprünglich plante er, dass das Lied mit einer Kirchenorgel anfangen soll, aber dann entschied er sich für einen Synthesizer. Dieser Synthesizer war ein Geschenk von Gwyneths Vater an sie und der staubte nun irgendwo bei ihr zu. Also der Synthesizer jetzt, nicht der Vater.

Später sollte Chris noch weitere Songs für sie schreiben, „Fix You“ war jedenfalls der erste und bis zum heutigen Tag gehört er für mich zu den großartigsten Nummern, die je geschrieben wurden. „Clocks“, „In Your Place“, „Yellow“, „The Scientist“ – es gibt so viele unfassbar gute Songs dieser Band und „Fix You“ gehört definitiv in das oberste Regal dessen, was diese Band schon zustande gebracht hat. Für mein Empfinden sind sie dann leider in zu seichte Popgefilde abgedriftet, aber nichtsdestotrotz möchte ich sie eines Tages mal live hören – allein wegen Songs wie den hier erwähnten.

Medial und gerade auch in den sozialen Medien habe ich das Gefühl, dass Coldplay immer ordentlich einstecken müssen. Ich kann bis zu einem gewissen Grad enttäuschte Fans verstehen, weil es einen immer auch persönlich trifft, wenn die Lieblingsband plötzlich nicht mehr so klingt, wie sie es einst getan hat. In meiner Depeche-Bubble nehme ich das ja auch immer wieder wahr, dass sich manche Menschen persönlich angegriffen fühlen, weil Martin Gore kein zweites „Violator“ oder ähnliches geschrieben hat.

Bei Coldplay geht das Bashing aber für mein Empfinden über das verträgliche und angebrachte Maß weit hinaus und das sage ich, obwohl ich selbst ziemlich enttäuscht von den jüngeren Veröffentlichungen der Jungs bin. Coldplay waren auf dem Weg, die größte Band seit den Beatles zu werden und haben ihr Talent meiner subjektiven Empfindung nach mit vollen Händen weggeworfen zugunsten von gefälligem Stadion-Poprock. Aber wie gesagt: Ich verzeihe einer Band grundsätzlich immer, wenn sie konsequent den Weg geht, der sich für sie in bestimmten Phasen richtig anfühlt – erst recht, wenn sie vorher einige absolute Überhymnen wie die oben bereits erwähnten oder auch „“Viva La Vida“ rausgehauen hat.

Bis ich mir die Band selbst einmal live anschauen kann, wird vermutlich auch unabhängig von der Pandemie noch Zeit vergehen, weil die sozial engagierten Jungs beschlossen haben, dass sie erst wieder touren möchten, wenn sie einen Weg gefunden haben, ihre Tour nachhaltig zu gestalten, um die Umwelt zu schonen. Damit schließt sich der Kreis zum Beginn des Textes, als ich über Umweltschutz und die Show sprach, in welcher „Fix You“ zu hören war.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber Songs können tatsächlich Trost spenden. „Fix You“ schafft das bei mir jedenfalls immer wieder spielend, tröstet mich und rührt mich gleichzeitig zu Tränen. Drückt mir die Daumen, dass ich auch einmal in einer riesigen Coldplay-Crowd stehen darf, so wie es die vielen Tausend Brasilianer durften, die ihr in der folgenden Live-Version meines Songs der Woche seht.

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