Was denkst Du, Rob? Zum 60. Geburtstag von Robert Basic
Heute schrieb mich die liebe Sandra an. Es fühlte sich an wie eine kleine Zeitreise. Eine Reise zurück in eine Zeit, in der wir uns um die „Blogosphäre“ sorgten, darüber sinnierten, ab wann man in Deutschland denn wohl ein A-Blogger wäre. Eine Zeit, in der Influencer noch das waren, was man sich bei diesem Wort denkt. Sandra schrieb mir, um mir einen Link zu schicken und sowohl an den Tod als auch den Geburtstag von Rob zu erinnern. Lest gerne bei ihr, was sie zu sagen hat unter What would Basic think?
Gestern vor acht Jahren verstarb er überraschend und viel zu früh. Heute vor 60 Jahren wurde er geboren. Grund genug, sich an den Mann zu erinnern, der damals für uns Tech-Blogger so etwas war wie unser heimlicher König und die Mutter der Kompanie in Personalunion. Als er sein damaliges Blog Basic Thinking verhökerte, berichtete erstmals bundesweit das deutsche Fernsehen über einen Tech-Blogger aus unseren Reihen, und in meinem Nachruf schrieb ich damals, dass er mir nach Mamas Tod echt den Arsch gerettet und zusammen mit Menschen wie Caschy und Palle zum Bloggen gebracht hat.
Leider sind die ganzen Mobile-Geeks-Artikel abgerauscht ins digitale Daten-Nirwana. Aber hey, da das Internet – oder zumindest die Wayback Machine – nie vergisst, könnt ihr auch meinen Nachruf auf Robert noch lesen, wenn ihr mögt.
Diese Anfänge meiner Bloggerei, aber auch Dein Tod, Robert – das alles fühlt sich so weit weg an, als wäre es ein ganz anderes Leben. In diesem anderen Leben inszenierten wir „Blogparaden“ und auch daran hab ich selbst schon lange nicht mehr gedacht. Jemand etabliert ein Thema, schreibt darüber – und dann können sich andere Blogger anschließen. Coole Nummer eigentlich. Ich hab keinen Schimmer, wieso ich dieses feine Blog-Instrument so komplett verdrängen konnte. In Sandras Blogparade dreht sich alles um eine Fragestellung: What would Basic Think?
Clevere Frage, denn Rob war so ein unglaublich neugieriger Kerl, dass es eine wahre Schande ist, ihm nicht dabei zusehen zu können, wie er beispielsweise über KI denkt. Sandra hat schlicht eine KI gefragt, was Rob wohl denken würde. Um mich an dieser Parade zu beteiligen, mach ich mir jetzt auch einmal Gedanken und versuche, mich in Rob reinzuversetzen.
Um Sandras Idee weiterzuspinnen, stelle ich mir jetzt nicht vor, wie Rob denken würde, wäre er nicht gestorben. Stattdessen versuche ich mir auszumalen, wie es wäre, wenn ich ihm heute auf irgendeine Art begegnen könnte und ihn einfach damit konfrontiere, wie die heutige Welt aussieht.
Und? Was denkst Du so über KI, Robert?
Ich tue jetzt also einfach so, als wäre es mir aus irgendeinem mystischen Grund möglich, Rob anzusprechen und mich mit ihm auszutauschen. Ich lasse den emotionalen Ballast einfach mal beiseite, denn ich könnte mir vorstellen, dass es mich zu sehr überwältigen würde, noch einmal mit ihm sprechen zu können.
Und machen wir uns nichts vor: Er würde vermutlich selbst am heftigsten darüber spekulieren, wie das nun möglich sein kann, dass wir acht Jahre nach seinem Tod plötzlich wieder reden. Aber er würde das mit jedem Thema machen, welches ich ihm entgegenschleudere.
Vermutlich würde ich ihm als Erstes davon erzählen, wie sich der Journalismus verändert hat. Dass es nur noch wirklich wenige Menschen gibt, die Leute mit Texten begeistern, und die noch richtige Geschichten erzählen. Ich bin überzeugt, dass es ihn traurig, vielleicht auch etwas wütend machen würde, sich meine Berichterstattung über Clickbait und Ragebait anzuhören. Er hatte damals schon seinen ganz eigenen Ton, sodass man auch ohne den Blick auf einen Autor seinen Bericht über ein technisches Gerät unter Tausenden herauslesen konnte.
Ich denke gerade darüber nach, ob er noch Twitter nutzen und was er über Tesla und Elon Musk denken würde. Irgendwie glaube ich, dass er versuchen würde zu trennen: Das ist das, was unter Musks Regie zustande gebracht wird, und dem gegenüber steht ein erratischer Typ, für den Rob sicher heute auch nicht mehr viel übrig hätte. Er hätte auch lange vor mir begriffen, dass die deutsche Autoindustrie mit Feuereifer dabei wäre, sich den Ast abzusägen, auf dem sie es sich bequem gemacht hat.
Besonders viel Zeit würde er mit KI verbringen, glaub ich. Während ich Tag und Nacht darüber nachdenke, welchen Impact künstliche Intelligenz auf unsere Leben hat, auf unsere berufliche Zukunft und auf die Gesellschaft an sich, würde Rob anders vorgehen. Er würde bei erster Gelegenheit dazu übergehen, wirklich jedes Modell auf Herz und Nieren zu prüfen, das er in die Finger bekommt. Er würde mir vermutlich bereits von einer Zukunft voller KI-Agenten berichten, während ich noch schüchtern meine ersten Gehversuche mit ChatGPT mache. Ich will ihn gar nicht glorifizieren, aber Robert war einfach so: Wenn ein neues Thema auftauchte, dann sprang er direkt mit Anlauf hinein, hinterfragte Dinge, die damals schon so manchen Produktmanager in den Wahnsinn trieben, und hätte jeden Tag eine neue verrückte Idee, was man mit KI anstellen könnte.
Er war so ein Kerl, der sich immer mit so einer stoischen „Lasst uns das mal durchspielen“-Mentalität auf Technik stürzte. Er würde also schnell knietief in Fachartikeln versinken, um sich Futter für seine KI-Experimente zu besorgen. Aber er würde auch – wie ich – über das große Ganze nachdenken. Er würde schnell erkennen, dass da unglaubliche Chancen, aber auch jede Menge Mist auf uns zurauscht.
Ein bisschen Angst hab ich vor der Vorstellung, wie er generell darüber denken würde, wie sich neben Journalismus auch Social Media verändert hat. Ich glaube, er würde die Entwicklung nicht mögen. Vielleicht wäre er medial viel weniger deutlich sichtbar, als er das damals war. Weil es ihm zuwider wäre, wirklich jeden Humbug mitzumachen, um dem goldenen SEO-Kalb zu gefallen, um das alle anderen verkrampft herumtanzen.
Vielleicht wäre er etwas optimistischer als ich, auch, was Elektromobilität in Deutschland angeht. Oder auch, was Innovation und Digitalisierung in unserem Land betrifft. Er war schon immer etwas optimistischer als ich, behaupte ich mal kühn.
Bei allem Optimismus hätte er aber Google, Anthropic, OpenAI und alle anderen Player mit Argusaugen im Blick behalten. Diese Konzentration auf ein paar wenige Milliardäre hätte ihm nicht gut gefallen. Eine Frage stelle ich mir, bei der ich mir beim besten Willen nicht ausmalen kann, wie er damit umgegangen wäre: Welche Idee wäre ihm gekommen, um uns als Gesellschaft das Thema KI näherzubringen? Ich wette, er hätte irgendein Projekt, irgendeine Idee aus dem Hut gezaubert. Weil es ihm nie reichte, einfach nur zuzusehen. Er wollte Entwicklungen auch gerne mit vorantreiben.
Ganz wichtig: Wir müssen aktuell damit zurechtkommen, dass wir auf LinkedIn, bei Insta und jeder anderen verfügbaren Social-Media-Plattform mit KI-Slop zugeschissen werden. Bei so vielen Texten fragt man sich: Und? Wie viele dieser Gedanken und Formulierungen stammen vom vermuteten Autor und wie viel hat die KI für ihn bzw. sie erledigt? Bei Robert würde das niemand fragen. Wir würden erkennen, dass er jedes einzelne verdammte Wort selbst aufgeschrieben hat, weil niemand so geschrieben hat wie er. Oder vielleicht wäre es auch ganz anders: Vielleicht wäre er der erste von uns, der sehr intensiv Zwiesprache mit der KI halten würde, auf diese Weise sicherstellt, dass sie jede seiner Ideen begriffen hat – und dann würde er die KI einfach den kompletten Text schreiben lassen. Der würde sich genauso nach Rob anfühlen, da bin ich mir ganz sicher.
Ich bin froh, dass ich ihn kennenlernen durfte. Aber es ist gleichzeitig auch furchtbar, dass ich eben nicht mitbekomme, wie er heute über den technischen Fortschritt, unsere Gesellschaft und tausend andere Dinge denken würde. Aber dieser Text hier hat mir gut getan. Durch Sandras Initiative fühlt es sich so an, als habe ich zumindest nach Jahren mal wieder auf irgendeine Art einen Abend mit Rob verbringen können. Okay, keinen ganzen Abend. Aber lange genug, um mich mit so manchem Lächeln an ihn zu erinnern, und um wieder einmal schmerzlich festzustellen, dass er fehlt.
Noch heute bewundere ich seine hohe Ambiguitätstoleranz. Ich versuche wirklich, möglichst neutral auf Dinge zu blicken und das Gesehene sowie meine Gedanken dazu zu reflektieren. Aber ihm ist es deutlich leichter gefallen als mir, einfach auch mal andere Positionen und Ansichten auszuhalten. Ich glaube, das nehme ich neben den Gedanken an Rob jetzt noch mit: Den Wunsch, künftig auch entspannter mit anderen Meinungen umzugehen, und nicht alles immer so verbissen zu sehen.
Falls ihr vielleicht auch Gedanken zu Rob habt und euch damit auseinandersetzen möchtet, wie er wohl heute über all das denken würde, dann beteiligt euch doch gerne mit dem Hashtag #whatwouldBasicthink #Blogparade
Ach, fast vergessen: Happy Birthday, Robert! Du fehlst!
Quelle des Artikelbilds: Generiert mit ChatGPT nach der Vorlage des Originalfotos von Mark Kreuzer