Song der Woche (11): Queen – Spread Your Wings

Meine Fresse, wieso schreibe ich hier eigentlich so wenig? Vermutlich, weil einfach viel zu tun ist. Es sind stressige und schwierige Zeiten. „Viel zu tun“ meint, viel Arbeit zu haben und abends froh zu sein, mal eine Weile nicht am Rechner zu sitzen. Es meint aber auch, dass ich schon wieder zu viel Zeit damit vernichte, Wortgefechte mit Leuten zu führen, die gegens Impfen, gegen grüne Politik, gegen Geflüchtete oder sonst was hetzen.

Zeitverschwendung, sagt Ihr? Ja, kann sein. Manchmal auf jeden Fall. Manchmal aber eben auch nicht, wenn man neben den Hetzern auch mal diejenigen erreicht, die noch auf der Kippe stehen und die man argumentativ noch so eben erreichen kann. Heute wäre genau wegen solchen Leuten also eigentlich der perfekte Zeitpunkt, endlich mal wieder einen Blogbeitrag zu verfassen und über die heute beschlossenen Pläne der Ampel-Koalition zu reden.

Es ist auch eine perfekte Zeit, um noch einmal über Corona zu sprechen. Ehrlich gesagt habe ich zu beiden Themen auch schon Artikel angefangen, die ich nur bislang noch nicht fertig geschrieben habe. Ich will sie heute aber auch nicht zu Ende schreiben, weil ich lieber die Zeit nutze, meine „Song der Woche“-Rubrik mal wieder aus der Mottenkiste ans Licht zu zerren.

Der Anlass ist der Mann, dem man vielleicht niemals den Titel als bester Frontmann der Welt entreißen kann. Der Blick auf die Headline und den dort erwähnten Song verrät Euch natürlich sowieso, wen ich damit meine: Es geht um Freddie Mercury, Genau heute vor 30 Jahren starb dieser begnadete Sänger und Songwriter. Ich überlege gerade, aber ich glaube, es war der erste Musiker, dessen Tod mich wirklich mitgenommen hat. Als Elvis Presley und John Lennon starben, bekam ich das zwar schon mit, realisierte aber den Impact nicht, den diese Menschen auf mich und auf die Musikwelt generell hatten.

Bei Freddie bekam ich es aber mit und es machte mich fertig. Ich möchte aber gar nicht nur über ihn reden heute. Hauptsächlich aus dem Grund, weil schon so viel über diesen Mann geschrieben wurde. Jeder der immer berechtigten Superlative wurde auf ihn angewendet. Jede Geschichte wurde erzählt. Jeder Aspekt seines Lebens beleuchtet. Jede Form des Respekts ihm entgegengebracht.

Live Killers

Deswegen hab ich mich entschlossen, wie oben erwähnt, den Song der Woche zu reaktivieren und aus diesen unendlich vielen sensationellen Songs der Band einen herauszupicken. Ich glaube, „We Are The Champions“ war der erste Queen-Song, den ich kannte und liebte. Aber ich hab mich nichtsdestotrotz gegen ihn entschieden – und für Spread Your Wings.

In den Achtzigern hatte ich einen tollen Freund und Klassenkameraden – Ingo Schlotmann. Wir haben uns seit vielen Jahren schon aus den Augen verloren. Aber er war damals einer meiner musikalischen Soulbrothers. Ich war der Depeche-Mensch, er war der Queen-Mensch. Oft verabredeten wir uns nach der Schule und spielten uns gegenseitig unsere Platten vor. Er erzählte mir sehr viel über die Songs und über Freddie und die anderen drei. Ich tat genau das gleiche mit meinen Basildon-Jungs.

Durch ihn hörte ich dann erstmals die „Live Killers“. Wenn ich rückblickend zurückschaue, welche Live-Alben mir persönlich die wichtigsten in den Achtzigern waren, dann kommt die Live Killers wohl auf Platz 2: Direkt nach der 101 von Depeche Mode und vor der World Wide Live von den Scorpions.

„We Will Rock You“, „Bohemian Rhapsody“ und natürlich „We Are The Champions“ – auf dem Doppelalbum sind so viele große Hits. Aber es waren vor allem zwei Songs, die es mir besonders angetan haben und die ich vorher nicht kannte: „Don’t Stop Me Now“ – und eben „Spread Your Wings“.

Der Song stammt vom 78er Album „News Of The World“, dessen ikonisches Cover auch meinen Artikel schmückt. Ist vielleicht ein wenig merkwürdig alles in allem, an Freddies Todestag genau diesen Song aus diesem Album zu featuren. Lediglich drei Lieder aus seiner Feder sind auf dem Album und erstmals waren auch Deacon und Taylor mit zwei eigenen Songs vertreten, während May sogar vier Songs ablieferte.

Spread Your Wings wurde von John Deacon geschrieben und erzählt die Geschichte von „Sammy“, der einem trostlosen Job nachgeht und auf der Arbeit gesagt bekommt, dass er es nie zu was bringen wird.

Boy, you'd better begin
To get those crazy notions right out of your head
Sammy, who do you think that you are?
You should've been sweeping up the Emerald Bar

Im Refrain kehrt sich das dann komplett um, wenn Sammy aufgefordert wird, seine Flügel auszubreiten und davonzufliegen. Es war für mich eines der ersten Lieder, indem ich diese Message „Du kannst alles schaffen, wenn Du nur willst“ wahrgenommen habe. Klar, das ist Millionen mal besungen worden, aber hier, in diesem Lied, nahm ich das zum ersten Mal bewusst wahr und war tief beeindruckt.

Das liegt aber eben auch daran, dass hier verschiedene Dinge zusammenkamen: Dieser Text, diese unglaublich schöne Melodie und das dann alles erstmals gehört auf dieser Live-Platte mit dieser besonderen Live-Dynamik.

Denke ich an Freddies Todestag heute zurück, wie viele Stunden ich in meinem Zimmer vor meiner Anlage gesessen und diesem Album gelauscht habe, werde ich gleich doppelt wehmütig. Weil dieser Mann einfach der Größte war mit einer gesegneten Stimme, unglaublicher Bühnenpräsenz und diesem Charisma. Aber eben auch, weil es mich wieder zurückführt in eine Zeit, in der die Dinge irgendwie allesamt noch so viel einfacher waren, auch wenn man das damals nicht zu schätzen wusste.

Ich schaue gerade auf die Uhr: Mitternacht! Damit ist sein Todestag vorüber. Aber ich glaube, ich werde am heutigen Donnerstag einfach mal wieder die Zeitmaschine anwerfen und mich von Queen berieseln lassen. Ich werde die News Of The World hören und selbstverständlich die Live Killers, aber ganz sicher auch viele, viele andere.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.